Artikel

Medikamente für Hunde: was Halterinnen und Halter wissen sollten

Dieser Artikel ist kein Behandlungsschema. Wirkstoff, Dosis und Dauer legt die Tierärztin oder der Tierarzt nach der Untersuchung fest: Dieselbe Krankheit wird bei Hunden unterschiedlichen Gewichts, Alters und unterschiedlicher Rasse verschieden behandelt. Hier finden Sie die wichtigsten Arzneimittelgruppen und Regeln, mit denen Sie nicht schaden.

Die wichtigsten Sicherheitsregeln

  1. Geben Sie Ihrem Hund keine Schmerzmittel für Menschen: Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure (Aspirin), Paracetamol. Schon eine Tablette kann ein Magengeschwür, Nieren- oder Leberschäden auslösen.
  2. Ivermectin und verwandte Wirkstoffe sind gefährlich für Rassen mit MDR1-Defekt (ABCB1): Collies, Shelties, Australian Shepherds, seltener Border Collies, langhaarige Whippets und ihre Mischlinge. Bei ihnen können übliche Dosen gegen Parasiten schwere Vergiftungen verursachen. Vor der Behandlung wird ein Gentest gemacht oder ein anderes Mittel gewählt.
  3. Permethrin (in manchen Spot-on-Präparaten und Halsbändern für Hunde) ist für Katzen lebensgefährlich. Lebt eine Katze im Haushalt, verzichten Sie auf solche Mittel oder trennen Sie die Tiere, bis das Präparat getrocknet ist.
  4. Brechen Sie eine Behandlung nicht eigenmächtig ab, ändern Sie sie nicht und „behandeln“ Sie nicht mit Resten alter Medikamente weiter.

Die wichtigsten Arzneimittelgruppen

Antibiotika

Nur bei bakteriellen Infektionen, am besten nach Bakterienkultur und Antibiogramm. Ohne Grund (etwa „vorsichtshalber“ nach einer sauberen Routineoperation) sind sie nicht nötig und fördern Resistenzen. Die Dauer bestimmt die Praxis; für bestimmte Antibiotika schreibt die Tierärztliche Hausapothekenverordnung (TÄHAV) ein Antibiogramm vor.

Mittel gegen Parasiten

  • Gegen Würmer – Kombinationstabletten mit breitem Wirkspektrum; wie oft, richtet sich nach dem Risiko (Empfehlungen von ESCCAP Deutschland).
  • Gegen Flöhe und Zecken – Tabletten (Isoxazoline), Spot-on-Präparate, Halsbänder. Isoxazolin-Tabletten werden bei Hunden mit epileptischen Anfällen in der Vorgeschichte mit Vorsicht eingesetzt.
  • Herzwurm (Dirofilariose): in Deutschland nicht heimisch, aber ein Risiko bei Reisen in den Mittelmeerraum. Makrozyklische Laktone (Ivermectin, Milbemycin, Moxidectin, Selamectin) dienen der Vorbeugung. Erwachsene Herzwürmer werden nach einem eigenen Protokoll (Melarsomin, Doxycyclin) in der Klinik behandelt.
  • Demodikose und Sarcoptes-Räude werden mit Isoxazolinen oder anderen verordneten Mitteln behandelt; Permethrin wirkt bei Demodikose nicht.

Schmerz- und Entzündungshemmer (NSAR für Hunde)

Carprofen, Meloxicam, Grapiprant, Firocoxib – nur Tierarzneimittel und nur auf Verordnung. Bei Langzeitgabe werden Blutwerte (Nieren, Leber) kontrolliert. Zwei NSAR oder ein NSAR zusammen mit Kortison dürfen nicht kombiniert werden.

Mittel für Magen und Darm

Gegen Erbrechen (Maropitant), säurehemmende Mittel (Omeprazol, Famotidin – keine Antazida, sondern Hemmer der Säurebildung), Probiotika. Blutiger Durchfall, wiederholtes Erbrechen oder ein aufgeblähter Bauch sind ein Grund für eine sofortige Untersuchung, nicht für Hausmittel.

Herzmedikamente

Bei Herzinsuffizienz werden Pimobendan, ACE-Hemmer und Entwässerungsmittel (Furosemid, Spironolacton) eingesetzt – je nach Stadium (ACVIM-Klassifikation).

Antivirale Mittel und „Immunstimulanzien“

Gegen Parvovirose und Staupe gibt es keine spezifischen antiviralen Medikamente – behandelt wird unterstützend mit Infusionen, Mitteln gegen Erbrechen und Ernährung. Für viele als „Immunstimulans“ beworbene Präparate und Interferone fehlen ausreichende Wirksamkeitsnachweise.

So geben Sie Medikamente

  • Eine Tablette darf in einem Leckerli versteckt werden, wenn die Praxis die Gabe mit Futter erlaubt.
  • Flüssige Mittel mit einer Spritze ohne Nadel in kleinen Portionen in den Mundwinkel geben.
  • Notieren Sie Uhrzeit der Gabe und Reaktionen.

Wann sofort zum Tierarzt

Erbrechen, schwarzer Kot, Futterverweigerung, Gelbfärbung, Krampfanfälle, Taumeln oder Speicheln nach Beginn einer Behandlung oder nachdem der Hund versehentlich ein Medikament für Menschen erwischt hat. Ein nationales Giftinformationszentrum für Tiere gibt es in Deutschland nicht – fahren Sie direkt in die Praxis oder Tierklinik.

Quellen

  • WSAVA Global Pain Council Guidelines for the Recognition, Assessment and Treatment of Pain, 2022.
  • ESCCAP Deutschland: Empfehlungen zur Bekämpfung von Würmern und Ektoparasiten bei Hunden und Katzen.
  • American Heartworm Society: Canine Guidelines.
  • Mealey K. L., Washington State University Veterinary Clinical Pharmacology Lab: MDR1 (ABCB1) und kritische Wirkstoffe.
  • ACVIM consensus statement on myxomatous mitral valve disease in dogs, 2019.
Redaktion Pfoteka
Behandlung und Rehabilitation