Welche Behandlung eine Infektion braucht, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt nach der Diagnose: Dasselbe Medikament kann bei einer Infektion helfen und bei einer anderen schaden. Hier geht es um Prinzipien und typische Fehler – nicht um „Protokolle“ zur Selbstbehandlung.
Die wichtigsten Prinzipien
- Zuerst die Diagnose: Schnelltests, PCR, Blutuntersuchungen, bei bakteriellen Infektionen eine Bakterienkultur mit Antibiogramm (Empfindlichkeitstest). In Deutschland schreibt die Tierärztliche Hausapothekenverordnung (TÄHAV) ein Antibiogramm unter anderem vor, bevor bei Hund und Katze Fluorchinolone oder Cephalosporine der 3. und 4. Generation eingesetzt werden.
- Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Bei einer Virusinfektion werden sie nur gegeben, wenn eine bakterielle Komplikation hinzukommt.
- Die Behandlung nicht eigenmächtig ändern oder abbrechen; die Dauer bestimmt die Praxis.
- Humanmedikamente ohne tierärztliche Anweisung sind gefährlich.
Virusinfektionen
Parvovirose beim Hund
Ein spezifisches antivirales Medikament gibt es nicht. Behandelt wird stationär: Infusionen gegen den Flüssigkeitsverlust, Mittel gegen Erbrechen, Schmerzmittel, frühe Fütterung über eine Sonde, Antibiotika gegen Bakterien, die aus dem Darm eindringen. Mit rechtzeitiger Behandlung überleben die meisten Welpen; ohne sie ist die Sterblichkeit sehr hoch. „Antihistaminika“ oder „Immunmodulatoren“ ersetzen die Behandlung nicht.
Staupe
Ebenfalls unterstützende Behandlung: Infusionen, Therapie der Lungenentzündung, Mittel gegen Krampfanfälle. Bei neurologischen Symptomen ist die Prognose vorsichtig.
Herpesvirus (Katzenschnupfen) bei der Katze
Leichte Formen werden unterstützend behandelt: Augen und Nase reinigen, Luft befeuchten, weiches, stark riechendes Futter anbieten, damit die Katze frisst. Bei schweren Formen und Augenbeteiligung kann die Praxis das antivirale Famciclovir und antivirale Augenmittel verordnen. Für Interferone ist der Nutzen schwach belegt.
Bakterielle Infektionen
Gebärmuttervereiterung (Pyometra)
Lebensbedrohlich: Blutvergiftung und ein Riss der Gebärmutter sind möglich. Behandlung der Wahl ist die rasche Operation (Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken) nach Stabilisierung. Antibiotikatabletten allein helfen nicht und sind gefährlich. Eine medikamentöse Behandlung (Hormonpräparate) kommt nur bei Zuchthündinnen mit „offener“ Pyometra, stabilem Zustand und engmaschiger Kontrolle in Frage.
Anzeichen: starker Durst, Mattigkeit, Erbrechen, Ausfluss aus der Scheide (nicht immer), dicker Bauch, meist 2–8 Wochen nach der Läufigkeit.
Harnwegsinfektionen
Die Diagnose wird mit Urinuntersuchung und Kultur gesichert (der Urin wird mit einer Nadel durch die Bauchwand direkt aus der Blase entnommen). Bei jungen Katzen stecken hinter häufigem Harndrang und Blut im Urin meist keine Bakterien, sondern eine idiopathische Blasenentzündung – Antibiotika sind dann nicht nötig.
Pyodermie (bakterielle Hautentzündung)
Oberflächliche Formen werden oft lokal behandelt: Shampoos und Sprays mit Chlorhexidin. Antibiotika zum Einnehmen gibt es bei tiefen Formen, möglichst nach Antibiogramm. Wichtig ist, die Ursache zu finden: Flöhe, Allergie, hormonelle Erkrankungen.
Pilzinfektionen
Dermatophytose (Hautpilz)
Ansteckend für Menschen und andere Tiere. Die Behandlung ist umfassend: Antimykotika zum Eingeben (z. B. Itraconazol oder Terbinafin), Shampoos und Lösungen für das Fell, Reinigung der Wohnung (Staubsaugen, Waschen, Desinfektion). Behandelt wird, bis die Pilzkulturen negativ sind.
Malassezien
Ein Hefepilz – häufige Ursache für Juckreiz an Haut und Ohren bei allergischen Hunden. Behandelt wird lokal, und die Ursache wird angegangen.
Wann sofort zum Tierarzt
- ein Welpe oder Kitten erbricht und hat Durchfall, besonders mit Blut;
- eine unkastrierte Hündin nach der Läufigkeit: Durst, Mattigkeit, Erbrechen, Ausfluss;
- Fieber über 39,5 °C, Futterverweigerung länger als einen Tag;
- ein Kater geht häufig aufs Katzenklo, ohne dass Urin kommt – ein Notfall.
Quellen
- Greene C. E., Sykes J. E. Infectious Diseases of the Dog and Cat.
- ISCAID: Leitlinien zum Antibiotikaeinsatz bei Harnwegsinfektionen (2019) und oberflächlicher Pyodermie (2014).
- World Association for Veterinary Dermatology: Leitlinie zur Dermatophytose (Moriello K. A. et al., 2017).
- ABCD – European Advisory Board on Cat Diseases: FHV-1.
- Bundestierärztekammer: Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln.
Redaktion Pfoteka