Inhalt des Artikels
- Was ist passiert
- Was auf den Betrieben gefunden wurde
- Wer die Antibiotika verordnete
- Was die Behörde sagt
- Warum der Bericht erst jetzt erschien
- Um welche Verhandlungen es geht
- Warum Ferkel Antibiotika bekommen
- Was die EU-Regeln sagen
- Warum das gefährlich ist
- Was das für Menschen bedeutet
- Warum gerade Dänemark
- Und bei Rindern
- Was die Behörde ändert
- Wie man ohne unnötige Antibiotika auskommt
- Was routinemäßig und vorbeugend bedeutet
- Warum Kontrollen vor Ort so wichtig sind
- Warum Kolostrum wichtig ist
- Wie andere Länder vorgehen
- Was das für Verbraucher bedeutet
- Was das für Tierärzte bedeutet
- Was Landwirte tun können
- Betrifft das auch Hunde- und Katzenhalter
- Was das für Europa bedeutet
- Wann Sie zum Tierarzt sollten
Was ist passiert
Die dänische Lebensmittel- und Veterinärbehörde Fødevarestyrelsen hat einen Bericht über gezielte Kontrollen des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung veröffentlicht. 2024 überprüften die Kontrolleure 50 Schweinebetriebe und 20 Tierärzte, die Schweine betreuen. Das Ergebnis ist für die Branche unangenehm: Verstöße gegen die Arzneimittelregeln gab es auf fast der Hälfte der Betriebe, und mehr als die Hälfte der Tierärzte wurde sanktioniert.
Der Bericht trägt einen entsprechenden Titel: Kontrollen decken weit verbreitete Verstöße beim Antibiotikaeinsatz in Schweinebeständen auf, bei Rindern werden die Regeln besser eingehalten.
Fødevarestyrelsen; November 2026
Was auf den Betrieben gefunden wurde
Nach Angaben der Behörde befolgte jeder dritte Halter (34 %) die Anweisungen des Tierarztes zum Arzneimitteleinsatz nicht. Mehr als jeder fünfte (22 %) wurde darauf hingewiesen, dass Antibiotika nicht routinemäßig eingesetzt werden dürfen, also nach Plan und nicht bei Krankheit. Die beunruhigendste Zahl betrifft Ferkel: In fast der Hälfte der Bestände erhielten mehr als 95 % der Ferkel in der ersten Lebenswoche Antibiotika.
Wer die Antibiotika verordnete
Die meisten dieser Behandlungen wurden von Tierärzten verordnet. Deshalb prüften die Kontrolleure auch die Tierärzte selbst und stellten nach Angaben der Behörde erhebliche Probleme fest. Sanktionen erhielten 55 % der 20 kontrollierten Tierärzte. Etwa ein Drittel der Sanktionen betraf unzulässige vorbeugende Verordnungen, ein weiteres Drittel routinemäßige Verordnungen.
Was die Behörde sagt
Abteilungsleiter Christian Strøyer von der Behörde nannte es besorgniserregend, dass fast alle Ferkel in fast der Hälfte der kontrollierten Bestände so früh mit Antibiotika behandelt wurden. Ein derart früher Behandlungsbeginn sei ein bedauerlicher Trend, den Halter und Tierärzte ändern müssten, unter anderem durch besseres Management bei den jüngsten Tieren.
Warum der Bericht erst jetzt erschien
Das dänische Fachmagazin Maskinbladet wies auf die Daten hin. Der Bericht war am 29. April 2026 fertig, veröffentlicht wurde er aber erst am 2. November. Das geschah mitten in Verhandlungen von Regierung, Landwirten und Tierschützern über die Zukunft der dänischen Schweinehaltung. Die Behörde erklärte nicht, warum sich die Veröffentlichung um ein halbes Jahr verzögerte.
Um welche Verhandlungen es geht
Seit September 2026 wird in Dänemark über die Zukunft der Schweinehaltung verhandelt. Die Regierung von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat ein Moratorium für den Bau neuer Schweineställe verhängt, bis sich die Beteiligten auf neue Regeln einigen. Es geht um Tierwohl, Umweltbelastung und die Wirtschaftlichkeit der Branche. Der Antibiotikabericht wurde zu einem weiteren Argument in diesem Streit.
Warum Ferkel Antibiotika bekommen
Neugeborene Ferkel sind anfällig für Darminfektionen, Gelenkentzündungen und andere Krankheiten. In der Enge großer Betriebe überträgt sich eine Krankheit schnell von einem Ferkel zum nächsten. Deshalb geben manche Betriebe und Tierärzte lieber allen Ferkeln gleichzeitig Antibiotika, ohne abzuwarten, ob eines erkrankt. Genau diesen Ansatz verbieten die EU-Regeln inzwischen.
Was die EU-Regeln sagen
Seit dem 28. Januar 2022 gilt in der Europäischen Union die Verordnung über Tierarzneimittel. Sie verbietet den routinemäßigen Einsatz von Antibiotika und ihren Einsatz zum Ausgleich schlechter Haltungsbedingungen. Vorbeugend, also bei gesunden Tieren, dürfen Antibiotika nur in Ausnahmefällen gegeben werden, einzelnen Tieren oder kleinen Gruppen bei hohem Infektionsrisiko.
Warum das gefährlich ist
Je häufiger Antibiotika eingesetzt werden, desto schneller werden Bakterien gegen sie resistent. Resistente Bakterien aus Ställen können über Fleisch, die Umwelt und direkten Kontakt zu Tieren auf Menschen übergehen. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Antibiotikaresistenzen zu den größten Gefahren für die menschliche Gesundheit. Die Begrenzung von Antibiotika in der Tierhaltung ist daher nicht nur eine Frage der Tiermedizin.
Was das für Menschen bedeutet
In Dänemark und anderen Ländern findet man bei Beschäftigten in Schweinebetrieben oft einen resistenten, mit Schweinen verbundenen Staphylococcus aureus. Für gesunde Menschen ist er meist ungefährlich, im Krankenhaus kann er aber eine schwer behandelbare Infektion auslösen. Jeder unnötige Antibiotikaeinsatz im Stall erhöht das Risiko, dass solche Bakterien entstehen und sich verbreiten.
Warum gerade Dänemark
Dänemark gehört zu den größten Schweinefleischexporteuren Europas und galt lange als Vorbild für eine strenge Antibiotikakontrolle. Das Land hat ein Erfassungssystem, und Betriebe mit hohem Arzneimittelverbrauch erhalten eine sogenannte gelbe Karte mit verpflichtenden Maßnahmen. Umso überraschender sind die Ergebnisse der Kontrollen.
Und bei Rindern
Nach Angaben der Behörde werden die Arzneimittelregeln in Rinderbetrieben deutlich besser eingehalten als bei Schweinen. Das liegt unter anderem daran, dass Rinder in kleineren Gruppen gehalten werden und Haltungsbedingungen und tierärztliche Gewohnheiten anders sind. Doch auch dort gehen die Kontrollen weiter.
Was die Behörde ändert
Nach diesen Kontrollen verschärft die Fødevarestyrelsen ihre Aufsicht. Betriebe und Tierärzte mit Verstößen erhielten Anordnungen, Verwarnungen oder Bußgelder. Die Behörde kündigte weitere gezielte Kontrollen an, mit besonderem Augenmerk auf die Behandlung der jüngsten Tiere. Verstöße bei tierärztlichen Verordnungen werden ein eigener Kontrollschwerpunkt.
Wie man ohne unnötige Antibiotika auskommt
Tierärzte und Forschende nennen mehrere Wege, den Antibiotikabedarf bei Ferkeln zu senken: bessere Bedingungen im Abferkelstall, Wärme und trockene Einstreu, ausreichend Kolostrum, Impfung der Sauen, strenge Hygiene und kein zu frühes Absetzen. Diese Maßnahmen kosten Geld, zahlen sich aber mit der Zeit durch gesündere Tiere aus.
Was routinemäßig und vorbeugend bedeutet
Routinemäßig heißt, dass ein Antibiotikum nach Plan gegeben wird, etwa allen Ferkeln an einem bestimmten Lebenstag, egal ob sie krank sind oder nicht. Vorbeugend heißt, dass gesunden Tieren ein Mittel gegeben wird, damit sie nicht erkranken. Metaphylaxe bedeutet, dass in einer Gruppe bereits kranke Tiere sind und die ganze Gruppe behandelt wird, um die Infektion zu stoppen. Die EU-Regeln erlauben das nur nach tierärztlicher Diagnose.
Warum Kontrollen vor Ort so wichtig sind
Verkaufsstatistiken zeigen, wie viele Antibiotika gekauft wurden, aber nicht, wie sie eingesetzt werden. Kontrolleure vor Ort sehen die Behandlungsaufzeichnungen, gleichen sie mit den tierärztlichen Verordnungen ab und prüfen, ob die Tiere wirklich krank waren. Deshalb decken Stichprobenkontrollen Probleme auf, die in den Gesamtzahlen unsichtbar bleiben.
Warum Kolostrum wichtig ist
Kolostrum, die erste Milch der Sau, liefert den Ferkeln Antikörper, die sie in den ersten Lebenswochen schützen. Ein Ferkel, das zu wenig Kolostrum bekommt, erkrankt häufiger. In großen Würfen verlieren schwache Ferkel oft gegen stärkere, deshalb raten Tierärzte, darauf zu achten, dass jedes Ferkel in den ersten Lebensstunden seinen Anteil bekommt.
Wie andere Länder vorgehen
Auch in Deutschland, den Niederlanden und anderen EU-Ländern gibt es Systeme zur Erfassung von Antibiotika in Betrieben und zum Vergleich der Betriebe untereinander. In Deutschland ist das die staatliche Antibiotikadatenbank mit Therapiehäufigkeit. Viele Länder haben den Antibiotikaeinsatz bei Tieren in den letzten zehn Jahren deutlich gesenkt. Dänemark zeigt aber, dass selbst bei guter Statistik Kontrollen vor Ort versteckte Probleme aufdecken können.
Was das für Verbraucher bedeutet
Schweinefleisch im Handel der EU darf keine Antibiotikarückstände enthalten: Vor der Schlachtung gilt nach einer Behandlung eine Wartezeit, und das Fleisch wird kontrolliert. Das Problem sind nicht Rückstände, sondern resistente Bakterien. Garen Sie Fleisch daher gründlich und achten Sie auf Küchenhygiene, besonders beim Umgang mit rohem Fleisch.
Was das für Tierärzte bedeutet
Für Tierärzte ist der Bericht ein ernstes Signal. Berufsverbände in Europa fordern seit Langem, Antibiotika nur nach Untersuchung und Diagnose zu verordnen und die Vorbeugung auf Haltung und Impfungen zu stützen. Ein Tierarzt ist nicht nur für die Gesundheit eines Bestands verantwortlich, sondern auch dafür, dass Antibiotika für Menschen und Tiere wirksam bleiben.
Was Landwirte tun können
- Mit dem Tierarzt einen Gesundheitsplan ohne routinemäßige Antibiotika erstellen.
- Bedingungen verbessern im Abferkelstall: Wärme, Trockenheit, Hygiene.
- Sauen impfen, damit die Ferkel Schutz über das Kolostrum erhalten.
- Jede Behandlung genau dokumentieren.
- Anweisungen des Tierarztes zu Dosis und Dauer einhalten.
Betrifft das auch Hunde- und Katzenhalter
Ja, die Regeln für einen umsichtigen Antibiotikaeinsatz gelten auch für Heimtiere. Geben Sie Ihrem Tier keine Antibiotika ohne tierärztliche Verordnung, brechen Sie eine Behandlung nicht vorzeitig ab und verwenden Sie keine Reste aus einer früheren Erkrankung. Resistente Bakterien können auch zwischen Menschen und ihren Tieren im selben Haushalt übertragen werden.
Was das für Europa bedeutet
Die Geschichte aus Dänemark zeigt, dass die EU-Regeln gegen den routinemäßigen Antibiotikaeinsatz selbst in Ländern mit guter Erfassung nicht überall eingehalten werden. Für Deutschland, die Niederlande, Frankreich und andere Länder ist das ein Grund, Betriebe vor Ort zu kontrollieren. Landwirte sollten den Schutz der Ferkel auf Haltung und Impfungen stützen, nicht auf Tabletten für alle.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Rufen Sie den Tierarzt, wenn Ferkel Durchfall haben, lahmen, geschwollene Gelenke zeigen, husten oder schlecht an der Sau saugen. Der Tierarzt sollte die Tiere untersuchen und bei Bedarf Proben nehmen, bevor er Antibiotika verordnet. Auch Hunde- und Katzenhalter sollten keine Antibiotika auf eigene Faust geben und bei ersten Krankheitszeichen zum Tierarzt gehen.
Quellen
- agrarheute (nach Angaben der Fødevarestyrelsen und von Maskinbladet), 6. November 2026



