Inhalt des Artikels
- Was ist passiert
- Was Rindertuberkulose ist
- Warum das für Landwirte so schwer ist
- Wie die Krankheit gefunden wird
- Wo die Krankheit am stärksten verbreitet ist
- Warum über Dachse gestritten wurde
- Was die Keulung ersetzt
- Wie Dachse geimpft werden
- Was der Impfstoff für Rinder bringt
- Bluttests
- Untersuchung toter Dachse
- Ein neues Gremium
- Was die Zahlen zeigen
- Ist Rindertuberkulose für Menschen gefährlich
- Katzen, Alpakas und andere Tiere
- Warum 2038
- Wie es in anderen Teilen Großbritanniens aussieht
- Was das für Landwirte bedeutet
- Wie Landwirte ihren Bestand schützen können
- Warum genaue Aufzeichnungen wichtig sind
- Was Tierärzte sagen
- Was das für Europa bedeutet
- Wann Sie zum Tierarzt sollten
Was ist passiert
Am 5. November 2026 hat die britische Regierung offiziell eine langfristige Strategie gegen die Rindertuberkulose in England beschlossen. Ziel ist es, das Land bis 2038 vollständig von dieser Krankheit zu befreien. Die Strategie wurde gemeinsam mit Landwirten, Tierärzten und Wissenschaftlern erarbeitet, erstmals im Juni veröffentlicht und ist nun offizieller Regierungsplan.
Gleichzeitig teilte das Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (Defra) mit, dass die Zahl der Bestände, die ihren Status als tuberkulosefrei verloren haben, im vergangenen Jahr um ein Fünftel gesunken ist. Und 2026 war das erste Jahr seit über zehn Jahren, in dem keine Dachse zur Seuchenbekämpfung getötet wurden.
Defra; November 2026
Was Rindertuberkulose ist
Die Rindertuberkulose ist eine chronische bakterielle Krankheit, die durch Mycobacterium bovis verursacht wird. Sie befällt vor allem Rinder, kann aber auch auf andere Säugetiere übergehen, darunter Dachse, Hirsche, Alpakas und Katzen. Die Krankheit entwickelt sich langsam, und infizierte Kühe können lange gesund aussehen. Deshalb wird sie hauptsächlich durch regelmäßige Bestandsuntersuchungen entdeckt.
Warum das für Landwirte so schwer ist
Wird in einem Bestand ein infiziertes Tier gefunden, verliert der Hof seinen Status als tuberkulosefrei. Infizierte Kühe und ihre Kontakttiere werden getötet, und Verkauf und Verbringung von Rindern werden eingeschränkt, bis Untersuchungen zeigen, dass der Bestand wieder gesund ist. Für Familienbetriebe bedeutet das nicht nur finanzielle Verluste, sondern auch schweren Stress. Biosicherheitsministerin Baroness Hayman nannte die Krankheit eine Ursache bitterer Verluste und Unsicherheit.
Wie die Krankheit gefunden wird
Die wichtigste Untersuchung ist der Hauttest. Der Tierarzt spritzt Kühen eine kleine Menge gereinigtes Eiweiß aus Tuberkelbakterien in die Haut am Hals und prüft nach drei Tagen, ob eine Schwellung entstanden ist. Ist die Reaktion stärker als auf ein Kontrolleiweiß, gilt das Tier als Reagent. Der Test funktioniert gut auf Bestandsebene, kann aber einzelne infizierte Kühe übersehen, deshalb wird er durch Bluttests ergänzt.
Wo die Krankheit am stärksten verbreitet ist
Für die Bekämpfung ist England in Zonen eingeteilt. Das Hochrisikogebiet umfasst den Südwesten und den Westen der Landesmitte, wo sich die Krankheit am längsten hält. Zwischen ihm und dem Niedrigrisikogebiet im Norden und Osten liegt eine Randzone. Untersuchungshäufigkeit und Verbringungsregeln unterscheiden sich je nach Zone, und gerade in der Randzone ist in den letzten Jahren die deutlichste Verbesserung zu sehen.
Warum über Dachse gestritten wurde
Dachse können an Tuberkulose erkranken und sie auf Kühe übertragen. Viele Jahre lang wurden in England Dachse in den Gebieten getötet, in denen die Krankheit am stärksten verbreitet ist. Diese Maßnahme führte zu heftigem Streit zwischen Landwirten, Tierschützern und Wissenschaftlern. Die neue Regierung versprach, die Keulung zu beenden, und 2026 war das erste Jahr seit über zehn Jahren ohne sie.
Was die Keulung ersetzt
Statt der Keulung setzt man auf die Impfung der Dachse. Dafür wurde ein eigener Impfdienst geschaffen, der in vorrangigen Gebieten arbeitet. Geimpfte Dachse erkranken seltener und übertragen die Infektion seltener, sodass das Risiko für Kühe mit der Zeit sinkt. Die Regierung betont, dass die Strategie am Verzicht auf die Keulung festhält.
Wie Dachse geimpft werden
Dachse werden per Injektion geimpft: Die Tiere werden in Käfigfallen in der Nähe ihrer Baue gefangen, eine geschulte Fachkraft setzt die Spritze und lässt das Tier sofort wieder frei. Der Impfstoff heilt keine bereits kranken Dachse, schützt aber gesunde Tiere, besonders junge. Deshalb muss mehrere Jahre hintereinander geimpft werden, damit es in einer Dachsgruppe allmählich mehr geschützte Tiere gibt.
Was der Impfstoff für Rinder bringt
Die am meisten erwartete Maßnahme ist ein Impfstoff für Rinder. Das Problem: Der übliche Hauttest reagiert auch bei geimpften Tieren. Deshalb wird zusammen mit dem Impfstoff ein neuer Hauttest entwickelt, der infizierte von geimpften Kühen unterscheidet. Die Impfung von Rindern soll bis 2030 beginnen.
Bluttests
Eine weitere Maßnahme ist die Ausweitung der verpflichtenden, vom Staat bezahlten Bluttests. Sie helfen, infizierte Tiere zu finden, die der Hauttest übersieht. Außerdem will die Regierung zusätzliche Tests auf Kosten der Landwirte erproben, damit die Betriebe mehr Auswahl bei den Untersuchungsmethoden haben.
Untersuchung toter Dachse
Die Regierung führt ein neues Programm ein, mit dem tot gefundene Dachse gesammelt und auf Tuberkulose untersucht werden. Das soll zeigen, wo die Krankheit bei Wildtieren verbreitet ist und wie sich die Lage nach dem Ende der Keulung verändert. Eine ähnliche Überwachung tot gefundener Tiere gibt es auch bei anderen Krankheiten, etwa bei der Vogelgrippe.
Ein neues Gremium
Anstelle der bisherigen Partnerschaft zur Rindertuberkulose wird ein neues Gremium aus Vertretern von Regierung und Branche geschaffen. Es wird für 2027 erwartet. Das Gremium soll den ersten Aktionsplan beschließen: welche Maßnahmen Vorrang haben und wie sie umgesetzt werden. Die Regierung verspricht, weiter mit Landwirten und Tierärzten zusammenzuarbeiten.
Was die Zahlen zeigen
Ende Juni 2026 standen in England 3,4 % der Bestände wegen Tuberkulose unter Sperre, ein Jahr zuvor waren es 4,2 %. Dieser Wert sinkt seit 2017 im Hochrisikogebiet und in ganz England, in der Randzone fällt er seit 2024 deutlich. In den 12 Monaten bis Juni 2026 wurden wegen Tuberkulose 20.244 Rinder getötet, 4 % weniger als im Vorjahr. Der Höchststand lag 2018 bei 34.518 Tieren.
Ist Rindertuberkulose für Menschen gefährlich
Mycobacterium bovis kann auch Menschen infizieren, in Großbritannien kommt das aber selten vor. Der wichtigste Schutz sind die Pasteurisierung der Milch und die tierärztliche Fleischkontrolle in Schlachthöfen. Milch und Rindfleisch aus dem Handel sind daher sicher. Ein höheres Risiko haben Menschen, die Rohmilch trinken oder ohne Schutz mit kranken Tieren arbeiten.
Katzen, Alpakas und andere Tiere
An Tuberkulose durch Mycobacterium bovis erkranken gelegentlich Katzen, besonders solche, die auf dem Land jagen, sowie Alpakas und Lamas. Bei Katzen kann sich die Krankheit durch nicht heilende Wunden, vergrößerte Lymphknoten, Husten und Gewichtsverlust zeigen. Wenn Ihre Katze in der Nähe von Höfen lebt und solche Anzeichen hat, bringen Sie sie zum Tierarzt.
Warum 2038
Die Rindertuberkulose lässt sich nicht schnell besiegen: Die Krankheit entwickelt sich langsam, und die Infektion hält sich bei Wildtieren. Deshalb ist die Strategie langfristig angelegt und kombiniert mehrere Maßnahmen: Untersuchungen, Impfung von Rindern und Dachsen, Überwachung von Wildtieren und Biosicherheit auf den Höfen.
Wie es in anderen Teilen Großbritanniens aussieht
Die Strategie gilt nur für England. Wales und Nordirland haben eigene Bekämpfungsprogramme, und Schottland ist seit 2009 offiziell frei von der Krankheit. Das Beispiel Schottland zeigt, dass strenge Untersuchungen und Kontrollen der Tierverbringung Wirkung zeigen.
Was das für Landwirte bedeutet
Für Landwirte bedeutet die Strategie mehr Tests, mehr Auswahl bei den Untersuchungsmethoden und mit der Zeit einen Impfstoff für Rinder. Schon jetzt ist Biosicherheit wichtig: Dachse von Futter und Tränken fernhalten, Bereiche mit Dachsbauen abzäunen, Rinder vor dem Kauf prüfen und die Verbringung der Tiere genau dokumentieren.
Wie Landwirte ihren Bestand schützen können
- Futter und Wasser schützen – vor Dachsen und anderen Wildtieren.
- Status des Herkunftsbestands prüfen – vor jedem Zukauf.
- Neue Tiere getrennt halten – bis zur Untersuchung.
- Testfristen einhalten – und Verdachtsfälle melden.
- Mit dem Tierarzt sprechen – über einen Biosicherheitsplan für den Hof.
Warum genaue Aufzeichnungen wichtig sind
Tuberkulose gelangt oft mit zugekauften Tieren in den Bestand. Wenn ein Landwirt genau weiß, woher jede Kuh stammt und mit welchen Tieren sie geweidet hat, finden Tierärzte die Infektionsquelle leichter und können Sperren schneller aufheben. Deshalb legt die Strategie viel Wert auf Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
Was Tierärzte sagen
Tierärzte sagen seit Langem, dass die Keulung von Dachsen allein nicht reicht und bessere Tests sowie ein Impfstoff für Rinder nötig sind. Die neue Strategie stützt sich genau auf diese Instrumente. Der Erfolg wird aber davon abhängen, wie schnell der Rinderimpfstoff für den breiten Einsatz bereit ist und wie Landwirte die neuen Regeln annehmen.
Was das für Europa bedeutet
In vielen EU-Ländern sind die Rinderbestände amtlich frei von Rindertuberkulose, in einigen Regionen hält sich die Krankheit aber, auch bei Wildtieren. Englands Erfahrungen mit der Dachsimpfung und einem Rinderimpfstoff mit eigenem Test werden auch in Irland, Frankreich und anderen Ländern genau verfolgt. In Deutschland treten vereinzelt Fälle auf, besonders im Alpenraum, wo Rotwild eine Rolle spielt.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Wenden Sie sich an den Tierarzt, wenn eine Kuh lange hustet, ohne erkennbaren Grund abmagert, vergrößerte Lymphknoten hat oder weniger Milch gibt. Bringen Sie eine Katze, die in der Nähe eines Hofes lebt, zum Tierarzt, wenn sie nicht heilende Wunden, Husten oder Gewichtsverlust hat. Denken Sie daran, dass Rindertuberkulose eine anzeigepflichtige Tierseuche ist.
Quellen
- GOV.UK, Defra, 5. November 2026



