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Keine Angst vor Fledermäusen: In Nizza werden fast 300 bleivergiftete Jungtiere gerettet, gebrochene Knochen werden geschient, und 120 Tiere sind schon außer Gefahr

Am 30. Oktober, dem Tag vor Halloween, berichtete die französische Stiftung 30 Millions d'Amis über Fledermäuse aus Nizza: Seit dem 15. August nahm die Wildtierstation Instinct Animal fast 300 Jungtiere der Europäischen Bulldoggfledermaus (Molosse de Cestoni) mit Bleivergiftung auf. Blei verursacht Zysten in den Knochen, die dadurch brechen, und die Fachleute entwickelten Schienen für die Tiere. 120 Jungtiere sind bereits gerettet. Wir erklären, was bekannt ist, warum Sie keine Angst vor Fledermäusen haben müssen und was Sie tun sollten, wenn Sie eine finden.

8 Min. Lesezeit
Hand hält eine Fledermaus mit ausgebreitetem Flügel
Foto: Freepik
Inhalt des Artikels
  1. Was geschehen ist
  2. Wie Blei Knochen bricht
  3. Wie die Jungtiere aufgepäppelt werden
  4. Warum neun Monate
  5. Wer die Station unterstützt
  6. Mythen über Fledermäuse
  7. Warum Fledermäuse bedroht sind
  8. Was eine Bleivergiftung ist
  9. Blei und Haustiere
  10. Blei und Ziervögel
  11. Was tun, wenn Sie eine Fledermaus finden
  12. Warum Sie Fledermäuse nicht mit bloßen Händen anfassen sollten
  13. Fledermäuse und Katzen
  14. Fledermäuse in Europas Städten
  15. So helfen Sie Fledermäusen
  16. Was das für andere Länder Europas bedeutet
  17. Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten

Was geschehen ist

Am 30. Oktober 2026, dem Tag vor Halloween, an dem Fledermäuse Schaufenster und Häuser schmücken, berichtete die französische Tierschutzstiftung 30 Millions d'Amis über die echte Not dieser Tiere. Seit dem 15. August nahm die Wildtierstation Instinct Animal (Departement Alpes-Maritimes), ein Partner der Stiftung, fast 300 junge Fledermäuse mit Bleivergiftung auf.

Es sind Jungtiere der Europäischen Bulldoggfledermaus, französisch Molosse de Cestoni, einer der größten Fledermäuse Europas. Laut der Station ist Nizza der wichtigste Fortpflanzungsort dieser Art in der Region: Die Kolonie wird auf etwa 600 Alttiere und rund 300 Jungtiere geschätzt.

Die wichtigsten ZahlenDie Fledermäuse von Nizza
~300Jungtiere mit Bleivergiftungseit dem 15. August 2026
120bereits gerettetlaut der Gründerin der Station
600Alttiere in der Kolonie von NizzaSchätzung der Station
9 Monatebleiben die Jungtiere in der Stationbis zur Freilassung

Fondation 30 Millions d'Amis, Instinct Animal; 30. Oktober 2026

Wie Blei Knochen bricht

Die Fachleute der Station stellten fest, dass Blei in den Knochen der Jungtiere Zysten verursacht, durch die die Knochen brechen. „Ist der Knochen einmal gebrochen, sind sie verloren“, erklärt die Gründerin von Instinct Animal, Lucie Contet. Das Team entwickelte deshalb spezielle Schienen, die schwere Brüche und Knochenverformungen verhindern.

Fledermäuse sind selbst Wildtierstationen wenig bekannt, und die Behandlungsprotokolle mussten von Grund auf neu entstehen. „Wir sehen, was funktioniert und was nicht“, sagt Lucie Contet. Woher das Blei im Körper der Jungtiere stammt, geht aus der Meldung nicht hervor.

Wie die Jungtiere aufgepäppelt werden

Für die Erholung der Jungtiere richtete die Station eine Innenvoliere ein. „Wir haben die Fenster mit Laken und Moskitonetzen geschützt und Matratzen auf den Boden gelegt, um Stürze abzufedern“, berichtet Laura Bailo, Verwaltungsleiterin der Station. „In diesem Raum bauen sie nach und nach wieder Muskeln auf.“

120 Jungtiere sind bereits gerettet. „Das ist enorm“, freut sich Lucie Contet. „Wenn es uns gelingt, alle freizulassen, ist das ein echter Erfolg.“ Die Jungtiere bleiben etwa neun Monate in der Station.

Alle Fledermausarten sind in Frankreich streng geschützt. Die Freiwilligen der Station leisten großartige Arbeit bei der Rettung junger Bulldoggfledermäuse, die in Nizza Opfer einer Bleivergiftung wurden.

Aline Maatouk, Wildtierexpertin der Stiftung 30 Millions d'Amis

Warum neun Monate

Die Jungtiere, die jetzt in der Station aufgepäppelt werden, kamen in diesem Sommer zur Welt. Neun Monate ab dem Spätsommer führen zu einer Freilassung im Frühjahr, wenn es wieder viele Insekten gibt. Bis dahin müssen die Tiere Knochen und Muskeln wieder aufbauen und sicher fliegen und jagen lernen. Eine Fledermaus zu früh freizulassen, vor dem Winter, ohne Fettreserven und Fähigkeiten, bedeutet fast sicher ihren Tod.

Wer die Station unterstützt

Die Stiftung 30 Millions d'Amis unterstützt Instinct Animal seit der Eröffnung der Station im Jahr 2025. In diesem Jahr übernimmt sie alle Futterkosten für die Jungtiere, die rund neun Monate betreut werden. „Das ist eine unglaubliche Geste. Wir haben großes Glück“, sagt Laura Bailo.

Mythen über Fledermäuse

Die Fledermaus ist eines der wichtigsten Halloween-Symbole, und um sie ranken sich viele Aberglauben. „Das ist eine wenig bekannte Art, manche glauben noch immer, dass Fledermäuse Blut saugen oder Krankheiten übertragen“, sagt Lucie Contet. Das sind Irrtümer:

  • Europäische Fledermäuse trinken kein Blut: Von Blut ernähren sich nur drei Fledermausarten, und alle leben in Mittel- und Südamerika;
  • Fledermäuse verfangen sich nicht in den Haaren: Sie orientieren sich hervorragend per Echoortung;
  • Fledermäuse sind nicht blind: Sie sehen und „hören“ ihre Umgebung im Dunkeln zusätzlich;
  • Fledermäuse sind nützlich: In einer Nacht kann eine Fledermaus Hunderte Insekten fressen, darunter Mücken.

„Alle Fledermäuse sind sehr nützlich: Nachts jagen sie fliegende Insekten, und mit dem Menschen leben sie bestens zusammen“, sagt Contet. Ihr zufolge sind es kluge Tiere, die ihre Pfleger erkennen, und jede hat ihren eigenen Charakter.

Warum Fledermäuse bedroht sind

Fledermäuse vermehren sich langsam: Ein Weibchen bekommt meist ein Junges im Jahr. Jedes Unglück, ob Vergiftung, Verlust von Quartieren oder Pestizide, die Insekten vernichten, trifft die Population deshalb schwer. In Frankreich wie in der gesamten EU stehen Fledermäuse daher unter strengem Schutz: Sie dürfen nicht gefangen und gestört und ihre Quartiere nicht zerstört werden.

Was eine Bleivergiftung ist

Blei ist ein Schwermetall, das sich im Körper anreichert und Nervensystem, Blut, Nieren und Knochen schädigt. Tiere nehmen es über belastetes Wasser, Boden, Nahrung, alte Farbe und Jagdmunition auf. Bei Vögeln ist die Bleivergiftung durch Schrot eine bekannte Todesursache. Für kleine Tiere wie Fledermäuse können schon geringe Mengen Blei gefährlich sein, und bei schnell wachsenden Jungtieren stört es die normale Knochenentwicklung.

Blei und Haustiere

Bleivergiftungen kommen selten auch bei Hunden und Katzen vor. Quellen können alte Farbe bei Renovierungen alter Häuser, Bleigewichte zum Angeln, manche Spielzeuge und Gegenstände unbekannter Herkunft sein. Anzeichen sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Mattigkeit und Fressunlust, bei schwerer Vergiftung auch Zittern, Krämpfe und Verhaltensänderungen. Renovieren Sie ein altes Haus, halten Sie Ihre Tiere von Staub und Farbresten fern.

Blei und Ziervögel

Unter den Haustieren vergiften sich Papageien am häufigsten mit Schwermetallen: Sie knabbern alles an. Quellen für Blei und Zink sind alte Farbe an Möbeln, Fensterrahmen und alten Käfigen, Gewichte in Vorhängen, Bleiruten von Bleiglasfenstern, Angelgewichte, Modeschmuck und billiges Metallspielzeug, für Zink auch verzinkte Gitter und Drähte. Anzeichen sind Mattigkeit, Erbrechen, starker Durst, veränderter Kot, Schwäche, Koordinationsstörungen und Krämpfe. Tierärzte machen meist ein Röntgenbild, auf dem Metallpartikel sichtbar sind, und eine Blutuntersuchung, und behandeln mit Mitteln, die das Metall binden und ausleiten.

Was tun, wenn Sie eine Fledermaus finden

Im Herbst suchen Fledermäuse Winterquartiere und fliegen manchmal in Häuser oder fallen zu Boden. Wenn Sie eine Fledermaus finden:

  1. Fassen Sie sie nicht mit bloßen Händen an, tragen Sie dicke Handschuhe oder verwenden Sie ein Tuch.
  2. Setzen Sie sie vorsichtig in einen Karton mit Luftlöchern und einem Tuch.
  3. Füttern und tränken Sie das Tier nicht zwangsweise.
  4. Rufen Sie eine Wildtierstation oder die örtliche Naturschutzorganisation an, etwa den NABU.
  5. Hat die Fledermaus einen Menschen oder ein Haustier gebissen oder gekratzt, gehen Sie noch am selben Tag zum Arzt oder in die Tierarztpraxis.

Warum Sie Fledermäuse nicht mit bloßen Händen anfassen sollten

Europäische Fledermäuse greifen Menschen fast nie an, doch ein verängstigtes Tier kann beißen. Manche Fledermäuse in Europa können Viren tragen, die mit dem Tollwutvirus verwandt sind. Ansteckungen beim Menschen sind sehr selten, doch nach einem Biss oder Kratzer ist es wichtig, sofort zum Arzt zu gehen: Nur er entscheidet über eine Vorbeugung. Auch deshalb sollten Sie die Tiere nicht ohne Handschuhe berühren.

Fledermäuse und Katzen

Freigängerkatzen fangen manchmal Fledermäuse. Das ist für die Fledermaus gefährlich, die von der Katze schwer verletzt werden kann, und für die Katze. Bringt Ihre Katze eine Fledermaus nach Hause, fassen Sie das Tier nicht mit bloßen Händen an, rufen Sie eine Wildtierstation an und klären Sie mit der Tierarztpraxis, ob Ihre Katze eine Tollwutimpfung oder Auffrischung braucht.

Fledermäuse in Europas Städten

Fledermäuse leben viel öfter in der Nähe von Menschen, als es scheint. In europäischen Städten sind kleine Zwergfledermäuse häufig, die in Spalten unter Dächern, hinter Fassaden und in alten Gebäuden leben. Bulldoggfledermäuse wie in Nizza sind größere Fledermäuse aus dem Süden Europas, die hoch am Himmel jagen und in Felsen, in Städten auch in hohen Gebäuden leben. Im Herbst suchen viele Fledermäuse Winterquartiere und halten bis zum Frühjahr Winterschlaf. In dieser Zeit sollten Sie sie besonders wenig stören: Jedes Aufwachen verbrennt Fettreserven, ohne die das Tier den Frühling vielleicht nicht erlebt.

So helfen Sie Fledermäusen

  • Erhalten Sie Quartiere: Schließen Sie keine Spalten unter dem Dach und auf Dachböden, wo Fledermäuse leben, während Fortpflanzung und Winterschlaf.
  • Hängen Sie einen Fledermauskasten an eine Wand oder einen Baum.
  • Verzichten Sie im Garten auf Pestizide, die die Insekten vernichten, von denen sich Fledermäuse ernähren.
  • Stören Sie überwinternde Tiere nicht in Kellern und Höhlen: Jedes Aufwachen kostet sie wertvolle Energie.

Was das für andere Länder Europas bedeutet

Fledermäuse sind in der gesamten EU geschützt, und Wildtierstationen gibt es in vielen Ländern. Die Erfahrung aus Nizza zeigt, wie wichtig ihre Arbeit ist: Ohne Fachleute wären fast alle vergifteten Jungtiere gestorben. Sie erinnert auch daran, dass die Belastung der Umwelt mit Schwermetallen nicht nur für Menschen gefährlich ist, sondern auch für Wildtiere in unserer Nähe.

Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten

Hatte Ihr Hund oder Ihre Katze Kontakt mit einer Fledermaus, hat sie gefangen, gebissen oder wurde gebissen, gehen Sie in die Tierarztpraxis und berichten Sie darüber. Hat Ihr Tier Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit, Zittern oder Krämpfe und könnte etwas Bleihaltiges verschluckt haben, etwa alte Farbe, ein Angelgewicht oder Metallkleinteile, fahren Sie sofort in die Praxis.

Quellen

  1. Fondation 30 Millions d'Amis, 30. Oktober 2026
Thema: KrankheitenTiere: ExotenLand: Frankreich