Inhalt des Artikels
- Was geschehen ist
- Der Fall in Bulgarien
- Wie die Taten aufgedeckt wurden
- Wer CAAI ist
- Rekordstrafe und neues Gesetz
- Das Snapchat-Video in Frankreich
- Warum Tierquälerei ins Internet wandert
- Was Eurogroup for Animals vorschlägt
- Was tun, wenn Sie ein solches Video sehen
- Wie Tierschützer solche Recherchen führen
- Warum Schnelligkeit wichtig ist
- So melden Sie ein Video in sozialen Netzwerken
- Wie Sie mit Kindern darüber sprechen
- Wie andere Länder bestrafen
- Warum solche Urteile wichtig sind
- Was für Tierhalter wichtig ist
- Wie es weitergeht
Was geschehen ist
Am 29. Oktober 2026 erinnerten gleich zwei europäische Meldungen daran, dass sich Tierquälerei immer öfter ins Internet verlagert.
In Bulgarien verurteilte das Bezirksgericht der Stadt Swischtow zwei Menschen wegen systematischer Tierquälerei zu Haftstrafen ohne Bewährung. Das teilte die europäische Tierschutzorganisation Eurogroup for Animals mit, deren Mitglied, die bulgarische Organisation CAAI (Campaigns and Activism for Animals in the Industry), diese Taten aufgedeckt hatte.
In Frankreich berichtete die Stiftung 30 Millions d'Amis über ein Snapchat-Video, in dem ein junger Mann ein Tier heftig tritt. Die Stiftung meldete das Video der Gendarmerie, im Departement Dordogne wurde ein Verfahren eingeleitet und die Urheber wurden ermittelt.
Eurogroup for Animals, 30 Millions d'Amis; 29. Oktober 2026
Der Fall in Bulgarien
Das Gericht in Swischtow verurteilte Anita Vachkova zu zwei Jahren Haft, Detelin Avramov zu zwei Jahren und vier Monaten. Die Urteile ergingen am 20. Oktober 2026. Das Verfahren umfasste 81 einzelne Fälle von Tierquälerei von 2014 bis Mai 2024. In manchen Fällen wurden mehr als 20 Tiere auf einmal gequält und getötet, die Zahl der Opfer lag also deutlich über der Zahl der dokumentierten Fälle.
Die Misshandlungen wurden gefilmt und gegen Geld im Internet verbreitet. Laut den Ermittlern saßen die Käufer im Ausland.
Neben den Haftstrafen verhängte das Gericht gegen beide je eine Geldstrafe von rund 1.100 Euro und verpflichtete sie, je 3.001,38 Euro für Gutachten zu zahlen. Die Urteile ergingen in erster Instanz und können angefochten werden.
Wie die Taten aufgedeckt wurden
Die Recherchen führte die bulgarische Organisation CAAI durch. Sie begannen, nachdem CAAI einen ähnlichen Fall in Pernik aufgedeckt hatte. Die Organisation sammelte und analysierte monatelang Informationen, prüfte Hinweise, dokumentierte Beweise und erstattete dann offiziell Anzeige bei der Polizei. Im Februar 2026 wurden die Verdächtigen bei einem koordinierten Polizeieinsatz festgenommen.
Wer CAAI ist
CAAI ist eine bulgarische Tierschutzorganisation, deren Name etwa „Kampagnen und Aktivismus für Tiere in der Industrie“ bedeutet. Sie untersucht Tierquälerei in verschiedenen Bereichen und gehört zum europäischen Netzwerk Eurogroup for Animals, das Tierschutzorganisationen aus EU-Staaten vereint. Gerade solche Organisationen werden immer häufiger zur „ersten Linie“ beim Aufdecken von Online-Quälerei: Der Polizei fehlen oft die Mittel, solche Videos ständig zu beobachten.
Rekordstrafe und neues Gesetz
Laut CAAI sind zwei Jahre und vier Monate die längste Haftstrafe ohne Bewährung, die in Bulgarien speziell wegen Tierquälerei verhängt wurde, soweit der Organisation bekannt. Das Urteil erging noch nach dem alten Strafrecht, das für Tierquälerei höchstens vier Jahre vorsah. Nach einer Gesetzesänderung drohen für die schwersten Taten nun bis zu 12 Jahre und deutlich höhere Geldstrafen. CAAI ist der Ansicht, dass die Strafe Ausmaß, Dauer und extreme Grausamkeit solcher Taten widerspiegeln muss.
Das Snapchat-Video in Frankreich
Ende Oktober erhielt die Stiftung 30 Millions d'Amis einen Hinweis auf ein Snapchat-Video. Darin tritt ein junger Mann mit voller Wucht, wie ein Fußballer gegen einen Ball, nach einem Tier und schleudert es zur Seite. Danach ist zu sehen, wie das Tier schreiend davonläuft. Die Bildqualität ist schlecht, die Tierart lässt sich nicht genau bestimmen, doch es dürfte sich um einen Hund handeln.
Die Stiftung informierte sofort die Gendarmerie, in der Dordogne wurde ein Verfahren eingeleitet und die Urheber wurden ermittelt. Kommt es zum Prozess, tritt die Stiftung als Nebenklägerin auf.
In der Verhandlung werden wir die Stimme dieses Tieres sein, das sich nicht selbst verteidigen kann. Wir hoffen auf eine exemplarische Verurteilung, damit die Justiz ein starkes Signal sendet: Grausamkeit gegenüber einem Tier ist weder ein Spiel noch eine Lappalie, sondern eine strafbare Handlung.
Caroline Lanty, Anwältin der Stiftung 30 Millions d'Amis
Warum Tierquälerei ins Internet wandert
Soziale Netzwerke und Videoplattformen haben der Tierquälerei ein neues Leben gegeben: Solche Videos erzielen Aufrufe, werden weitergeleitet und bringen manchmal, wie in Bulgarien, Geld. Tierschutzorganisationen sprechen von einem eigenen Problem: Die Tat geschieht in einem Land, Zuschauer und Käufer sitzen in anderen, und eine einzelne nationale Polizei kann das kaum bewältigen.
Was Eurogroup for Animals vorschlägt
Wegen des grenzüberschreitenden Charakters solcher Taten fordert Eurogroup for Animals von der Europäischen Union einen koordinierten Aktionsplan gegen Online-Tierquälerei. Dazu sollten nach Ansicht der Organisation gehören:
- stärkere Rechtsdurchsetzung und Zusammenarbeit der Polizei verschiedener Länder;
- Verantwortung der Plattformen für die Verbreitung solcher Inhalte;
- einfache Meldewege für grausame Videos;
- Technologien, die helfen, solche Videos zu finden;
- Aufklärung darüber, dass es sich um eine Straftat handelt.
Was tun, wenn Sie ein solches Video sehen
- Leiten Sie das Video nicht weiter und teilen Sie es nicht: Auch mit einem empörten Kommentar erhöht das seine Reichweite.
- Sichern Sie Link, Kontoname, Datum und Uhrzeit: Das hilft der Polizei.
- Melden Sie das Video im Netzwerk selbst über die Meldefunktion.
- Informieren Sie die Polizei, das Veterinäramt und eine Tierschutzorganisation wie TASSO oder den Deutschen Tierschutzbund: Viele nehmen Meldungen online an.
- Wenn Sie den Ort oder die Personen erkennen, sagen Sie das der Polizei, statt es im Netz zu veröffentlichen.
Wie Tierschützer solche Recherchen führen
Der bulgarische Fall zeigt, wie moderne Tierschutzrecherchen funktionieren. Organisationen wie CAAI verfolgen monatelang Videos im Netz und vergleichen Drehorte, Stimmen, Details der Umgebung, Konten und Verkaufswege. Dann dokumentieren sie die Beweise so, dass sie der Polizei übergeben und vor Gericht verwendet werden können. Ohne diese Vorbereitung fällt es der Polizei oft schwer, ein Verfahren zu beginnen: Die Videos werden anonym auf ausländischen Plattformen eingestellt und verschwinden schnell.
Warum Schnelligkeit wichtig ist
Im französischen Fall wurde das Video aus Snapchat, einem Netzwerk, in dem Nachrichten standardmäßig verschwinden, noch rechtzeitig gesichert und der Gendarmerie übergeben. So ließen sich die Urheber schnell ermitteln. Je früher Polizei und Tierschützer von einem Video erfahren, desto größer sind die Chancen, die Täter zu finden und das Tier zu retten, falls es noch lebt.
So melden Sie ein Video in sozialen Netzwerken
Fast alle großen Plattformen haben eine eigene Meldekategorie für Tierquälerei oder Gewalt. Tippen Sie auf die drei Punkte oder das Fähnchen neben dem Beitrag, wählen Sie „Gewalt“ oder „Tierquälerei“ und senden Sie die Meldung ab. Haben Sie das Video in einer Direktnachricht erhalten, melden Sie die Nachricht und das Konto des Absenders. Löschen Sie den Chat nicht, bevor Sie Link und Screenshot gesichert haben: Die Polizei kann sie brauchen. Reagiert die Plattform nicht, informieren Sie die Polizei und eine Tierschutzorganisation: Sie haben mehr Möglichkeiten, die Löschung zu erreichen und den Urheber zu finden.
Wie Sie mit Kindern darüber sprechen
Grausame Tiervideos begegnen Kindern und Jugendlichen in sozialen Netzwerken nicht selten. Psychologen raten, nicht so zu tun, als sei nichts geschehen: Fragen Sie, was das Kind gesehen hat, erklären Sie, dass das eine Straftat ist und den Tieren wehtut, und zeigen Sie, wie man ein Video meldet. Wichtig ist, dass das Kind weiß, dass es Erwachsenen von solchen Inhalten erzählen darf und nicht bestraft wird, weil es sie gesehen hat.
Wie andere Länder bestrafen
In den meisten europäischen Ländern ist Tierquälerei eine Straftat, doch Strafrahmen und Praxis unterscheiden sich stark. Bulgarien hob die Höchststrafe nach der Gesetzesänderung auf 12 Jahre an. Auch in Frankreich ist Tierquälerei strafbar, und die Gesetze wurden in den letzten Jahren verschärft. In der Praxis belassen es die Gerichte aber oft bei Geld- und Bewährungsstrafen, deshalb verfolgen Tierschützer jeden bekannten Fall genau.
Warum solche Urteile wichtig sind
Tierärzte und Psychologen weisen seit Langem auf den Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Gewalt gegen Menschen hin. Darum sind aufsehenerregende Urteile und Ermittlungen nicht nur für den Tierschutz wichtig: Sie zeigen der Gesellschaft, dass solche Taten nicht ungestraft bleiben. Die Haftstrafe in Bulgarien und die schnelle Ermittlung der Urheber in Frankreich sind genau solche Signale.
Was für Tierhalter wichtig ist
Die meisten Halter werden nie mit so etwas konfrontiert. Bemerken Sie aber, dass das Tier in der Nachbarschaft ständig verletzt, abgemagert oder verängstigt ist, ist das ein Anlass, das Veterinäramt oder eine Tierschutzorganisation zu informieren. Wurde Ihr eigenes Tier durch fremde Handlungen verletzt, gehen Sie sofort in die Tierarztpraxis und bewahren Sie Befund und Fotos der Verletzungen auf: Sie werden für die Anzeige bei der Polizei gebraucht.
Wie es weitergeht
Die bulgarischen Urteile können angefochten werden, und der französische Fall ist noch nicht vor Gericht. Eurogroup for Animals wird sich bei der Europäischen Kommission weiter für einen Plan gegen Online-Quälerei einsetzen. Darüber dürfte zusammen mit anderen EU-Initiativen zum Tierschutz beraten werden.
Quellen
- Eurogroup for Animals, 29. Oktober 2026
- Fondation 30 Millions d'Amis, 29. Oktober 2026



