Inhalt des Artikels
- Was in Bøgelunde passiert ist
- Der zweite Ausbruch — auf Lolland
- Welche Regeln in den Zonen gelten
- Warum die Ausbrüche gerade jetzt beginnen
- Warum Putenbetriebe so anfällig sind
- Woran man Vogelgrippe beim Geflügel erkennt
- Auch die Nachbarn sind betroffen
- Was Geflügelhalter jetzt tun sollten
- Wenn Sie einen toten Wildvogel finden
- Ist das Virus für Menschen und Lebensmittel gefährlich
- So schützen Sie Katze und Hund
- Wie es weitergeht
Was in Bøgelunde passiert ist
Am 23. Oktober 2026 meldete die dänische Veterinär- und Lebensmittelbehörde (Fødevarestyrelsen) hochpathogene Vogelgrippe in einem großen Putenbestand in Bøgelunde, Gemeinde Slagelse, auf der Insel Seeland. Die Diagnose bestätigte eine Laboruntersuchung des Staatlichen Seruminstituts (Statens Serum Institut).
Alle 40.000 Puten werden getötet — so wird die Ausbreitung des Virus gestoppt und den kranken Tieren Leid erspart. Es ist der erste Ausbruch der Vogelgrippe bei Hausgeflügel in Dänemark in dieser Saison. Der vorherige war im April 2026.
Fødevarestyrelsen, TV2 Øst, 23.–26. Oktober 2026
Der zweite Ausbruch — auf Lolland
Keine Woche später wurde das Virus in einem zweiten Putenbetrieb gefunden — in Stokkemarke auf der Insel Lolland im Süden des Landes. Dort lebten 27.000 Puten, sie wurden am Montag, dem 26. Oktober, getötet. Auch um diesen Betrieb wurden eine Schutz- und eine Überwachungszone eingerichtet, und für alle Geflügelhalter darin gelten strengere Auflagen.
Für Dänemark ist das kein Einzelfall: 2022 etwa mussten in einem Betrieb bei Skælskør 34.000 Puten getötet werden.
Welche Regeln in den Zonen gelten
Um beide Betriebe wurden sofort eine Schutz- und eine Überwachungszone eingerichtet. Nach EU-Recht umfasst die Schutzzone mindestens 3 Kilometer, die Überwachungszone mindestens 10 Kilometer. Für alle, die in diesen Zonen Geflügel halten, gelten gemeinsame Pflichten:
- den eigenen Bestand im dänischen Meldesystem für Tierhaltungen registrieren — auch wenn es nur ein paar Hühner im Garten sind;
- lebendes Geflügel, Eier und Geflügelprodukte ohne Sondergenehmigung der Behörde weder in die Zone bringen noch aus ihr hinaus;
- keine Märkte, Ausstellungen und Wettbewerbe mit Vögeln veranstalten.
Die Registrierung ist nötig, damit die Tierärzte wissen, wo in der Zone Geflügel lebt, und alle Haltungen schnell kontrollieren können — auch die kleinen.
Die Zonen werden aufgehoben, wenn die Tierärzte die Haltungen darin geprüft haben und das Ausbreitungsrisiko gesunken ist.
Warum die Ausbrüche gerade jetzt beginnen
Die Behörde bringt die Ausbrüche direkt mit dem Herbstzug in Verbindung. In den vergangenen Wochen wurde die Vogelgrippe bei mehreren Wildvögeln nachgewiesen, deshalb hat der erste Fall bei Hausgeflügel die Fachleute nicht überrascht.
Die meisten Fälle hochpathogener Vogelgrippe sehen wir gewöhnlich, wenn Zugvögel über Dänemark fliegen — so wie jetzt, während des Herbstzugs.
Mette Kirkeskov Sie, Tierärztin und Abteilungsleiterin bei Fødevarestyrelsen
Dänemark liegt auf einer der wichtigsten Herbstzugrouten: Enten, Gänse und andere Wasservögel aus Skandinavien und Nordrussland ziehen hier in ihre Winterquartiere. Das Virus wird mit ihrem Kot ausgeschieden und kann über Futter, Wasser, Einstreu oder an Schuhen und Geräten zum Hausgeflügel gelangen.
Derzeit gilt in Dänemark die Risikoeinschätzung vom 4. Mai 2026: Das Risiko eines Viruseintrags durch Wildvögel wird als mittel bewertet. Hebt die Behörde es auf hoch an, gilt landesweit die Pflicht, Hausgeflügel und andere gehaltene Vögel unter einem Dach oder unter einem Netz zu halten, damit sie nicht mit Wildvögeln in Kontakt kommen. Solche Maßnahmen hat Dänemark auch in früheren Saisons eingeführt, meist für Herbst und Winter.
Warum Putenbetriebe so anfällig sind
Puten und Hühner sind für die hochpathogene Vogelgrippe sehr empfänglich: Die Krankheit verläuft bei ihnen innerhalb weniger Tage, und die Tiere sterben in großer Zahl. Enten und Gänse dagegen können das Virus fast ohne Krankheitszeichen tragen — deshalb verbreiten wilde Wasservögel es so wirksam. In einem großen Betrieb, in dem Tausende Tiere in einem Stall leben, breitet sich das Virus sehr schnell aus, und der einzige Weg, es zu stoppen, ist die Tötung des ganzen Bestands.
Deshalb gelten in großen Geflügelbetrieben strenge Regeln: Die Ställe werden nur über eine Hygieneschleuse mit Kleiderwechsel betreten, Futter und Einstreu werden geschlossen gelagert, Fahrzeuge desinfiziert. Doch selbst der strengste Schutz schließt das Risiko nicht völlig aus — das Virus kann mit Staub, Nagetieren oder kleinen Vögeln, die in den Stall gelangen, hineingetragen werden.
Woran man Vogelgrippe beim Geflügel erkennt
Bei Hühnern und Puten verläuft die hochpathogene Vogelgrippe rasant, und oft ist das erste Zeichen der plötzliche Tod mehrerer Tiere über Nacht. Außerdem sollten Halter bei Mattigkeit und gesträubtem Gefieder, Verweigerung von Futter und Wasser, starkem Rückgang der Legeleistung, Schwellungen am Kopf, bläulichem Kamm und Kehllappen, Ausfluss aus dem Schnabel, Atemnot, Durchfall und Koordinationsstörungen hellhörig werden.
Die Vogelgrippe ist beim Veterinärdienst anzeigepflichtig. Wenn Sie sie bei Ihrem Geflügel vermuten, bringen Sie die Tiere nicht selbst zur Tierarztpraxis und verkaufen Sie keine Eier: Rufen Sie das Veterinäramt an und warten Sie auf Anweisungen.
Auch die Nachbarn sind betroffen
Dänemark ist nicht das einzige Land, in dem die Saison begonnen hat. Im benachbarten Schleswig-Holstein wurde das Virus seit dem 21. Oktober auf drei Höfen bestätigt, und das Land hat verbindliche Schutzmaßnahmen für alle Geflügelhalter angeordnet. Am 19. Oktober meldete England den ersten Ausbruch der Saison auf einem Hof. Laut Branchenübersichten vom 21. bis 26. Oktober gab es seit Anfang 2026 in Europa mehr als 300 Ausbrüche bei Hausgeflügel in 16 Ländern und rund 2.700 Fälle bei Wildvögeln in 33 Ländern.
Was Geflügelhalter jetzt tun sollten
Die Behörde betont: Halter können selbst viel tun, um das Risiko zu senken.
Wenn wir den Schutz vor Ansteckung ernst nehmen, können wir gemeinsam das Risiko von Ausbrüchen verringern.
Mette Kirkeskov Sie, Tierärztin, Fødevarestyrelsen
Die wichtigsten Regeln sind einfach:
- wechseln Sie die Schuhe, bevor Sie zum Geflügel gehen, und tragen Sie im Stall eigene Kleidung;
- achten Sie darauf, dass Wildvögel nicht an Ihr Geflügel, sein Futter und Wasser gelangen — füttern und tränken Sie unter einem Dach oder im Stall;
- lassen Sie das Geflügel nicht an Teiche und Felder, an denen sich Wildgänse und -enten sammeln;
- übernehmen Sie keine Tiere und Geräte von Nachbarn, solange es in der Region Ausbrüche gibt;
- wenn Tiere matt werden, nicht mehr fressen oder legen oder mehrere plötzlich sterben, informieren Sie sofort die Tierarztpraxis.
Wenn Sie einen toten Wildvogel finden
Die Vogelgrippe geht in der Regel nur schwer auf Menschen über, doch kranke, geschwächte und tote Wildvögel sollte man nicht anfassen. In Dänemark werden Funde toter Wildvögel über die App FugleinfluenzaTip gemeldet — anhand dieser Meldungen entscheiden die Tierärzte, welche Funde im Labor untersucht werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist dafür das örtliche Veterinäramt zuständig. Wenn Sie doch einen Vogel oder seinen Kot berührt haben, waschen Sie die Hände gründlich mit Seife.
Jede solche Meldung zählt. Die Veterinärdienste überwachen die Vogelgrippe vor allem über Funde toter Wildvögel: Sie zeigen als Erstes, dass das Virus in einer Region angekommen ist, und ermöglichen es, Geflügelhalter rechtzeitig zu warnen.
Ist das Virus für Menschen und Lebensmittel gefährlich
Die europäischen Behörden schätzen das Risiko für die Bevölkerung als gering ein. Menschen stecken sich nur sehr selten mit Vogelgrippe an und fast immer bei engem Kontakt mit krankem Geflügel, etwa beim Schlachten oder bei der Pflege ohne Schutz. Fleisch und Eier aus Betrieben, in denen das Virus gefunden wurde, kommen nicht in den Handel, und richtig gegartes Geflügelfleisch und Eier sind sicher. Verbraucher in Dänemark müssen ihre Gewohnheiten also nicht ändern — es genügt, Geflügel wie immer gut durchzugaren und kein rohes Hackfleisch zu probieren.
So schützen Sie Katze und Hund
Für Haustiere ist das größte Risiko der Kontakt mit einem kranken oder toten Vogel. Katzen sind für das H5N1-Virus besonders empfänglich: In Europa gab es bereits Fälle, in denen sie schwer erkrankten, nachdem sie einen kranken Vogel gefangen oder gefressen hatten. Hunde infizieren sich seltener, können es aber ebenfalls.
- Lassen Sie Hund und Katze keine toten Vögel berühren, anknabbern oder nach Hause tragen.
- Führen Sie den Hund an Seen, an der Küste und auf Feldern mit vielen Wildvögeln an der Leine.
- Füttern Sie kein rohes Geflügelfleisch und keine Innereien unbekannter Herkunft.
- Gibt es in Ihrer Nähe einen Ausbruch, schränken Sie den Freigang der Katze nach Möglichkeit ein.
- Wird ein Tier, das Kontakt zu einem Vogel gehabt haben könnte, matt, bekommt hohes Fieber, hustet, atmet schwer oder schwankt, rufen Sie sofort die Tierarztpraxis an und erwähnen Sie den Kontakt.
Wie es weitergeht
Die Vogelgrippe-Saison in Nordeuropa dauert meist bis zum Frühjahr, der Höhepunkt liegt im Herbst und frühen Winter. Die Behörde beobachtet die Funde bei Wildvögeln und passt die Risikoeinschätzung bei Bedarf an. Geflügelhalter in Dänemark sollten die Meldungen von Fødevarestyrelsen verfolgen: Dort erscheinen Zonenkarten, Regeln und neue Fälle. Für Halter von Puten und Hühnern im Garten heißt das: bis zum Frühjahr so halten, dass die Tiere keinen Wildvögeln begegnen, und beim geringsten Krankheitszeichen die Tierärztin oder den Tierarzt rufen. Für Katzen- und Hundehalter in ganz Europa genügt in diesen Monaten eine einfache Regel: das Tier von toten Vögeln fernhalten.
Quellen
- Dänische Veterinär- und Lebensmittelbehörde (Fødevarestyrelsen), 23. Oktober 2026
- TV2 Øst, Oktober 2026
- DR, 23. Oktober 2026



