Inhalt des Artikels
- Was passiert ist
- Wie die Infektion wahrscheinlich geschah
- Was die Behörden sagen
- Was für ein Virus das ist
- Wie das Virus nach Europa kam
- Wie gefährlich das Virus für Tiere ist
- Was Gnitzen sind
- Müssen sich Menschen Sorgen machen
- So schützen Sie sich vor Gnitzenstichen
- Was Pferde- und Rinderhalter tun sollten
- Und Hunde und Katzen?
- Wie es weitergeht
Was passiert ist
Am 22. Oktober 2026 veröffentlichten das französische Gesundheits- und das Landwirtschaftsministerium eine gemeinsame Erklärung: Weltweit erstmals wurde eine Infektion eines Menschen mit dem Shamonda-Virus festgestellt. Ein Patient mit stark geschwächtem Immunsystem wurde in Lyon wegen einer schweren Erkrankung behandelt und starb Anfang Oktober. Nach vorläufigen Erkenntnissen hängen die neurologischen Komplikationen, die bei ihm auftraten, sehr wahrscheinlich mit diesem Virus zusammen.
Den Verdacht auf eine Infektion meldeten die Ärzte am 7. Oktober den Gesundheitsbehörden, das Virus wurde in mehreren Proben des Patienten gefunden. Am 23. Oktober nannte die französische Gesundheitsbehörde Santé publique France Einzelheiten. Frankreich hat die Weltgesundheitsorganisation und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten informiert. Alter und weitere Angaben zum Patienten geben die Behörden nicht bekannt. Die Untersuchung dauert an.
Französisches Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium, WOAH, France 24; Oktober 2026
Wie die Infektion wahrscheinlich geschah
Shamonda ist kein Virus, das von Mensch zu Mensch oder über Lebensmittel übertragen wird. Unter Tieren verbreiten es Gnitzen — winzige blutsaugende Mücken. Fachleute gehen davon aus, dass sich der Patient höchstwahrscheinlich durch einen Gnitzenstich im Osten Frankreichs angesteckt hat, wo das Virus im Frühjahr und Sommer unter Tieren zirkulierte. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde nicht festgestellt.
Entscheidend war nach Einschätzung der Behörden der Zustand des Patienten: Wegen der schweren Immunschwäche konnte sein Körper eine Infektion nicht abwehren, die ein gesunder Mensch wahrscheinlich nicht einmal bemerkt hätte.
Was die Behörden sagen
Derzeit wurde kein Risiko für die öffentliche Gesundheit festgestellt. Es handelt sich um einen Ausnahmefall bei einem Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem.
Französisches Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium, gemeinsame Erklärung, 22. Oktober 2026
Die Ministerien betonen, dass das Virus jahrzehntelang unter Tieren in Afrika und Asien zirkulierte und bisher nie bei einem Menschen nachgewiesen wurde.
Was für ein Virus das ist
Das Shamonda-Virus gehört zu den Orthobunyaviren und zur selben Gruppe wie das Schmallenberg-Virus. An Schmallenberg erinnert man sich in Europa gut: 2011 tauchte es plötzlich in Deutschland und den Niederlanden auf und verbreitete sich binnen zwei Jahren über ganz Europa, wobei es Missbildungen bei Kälbern und Lämmern verursachte. Benannt wurde es nach der Stadt Schmallenberg im Sauerland in Nordrhein-Westfalen, wo es zuerst bei Kühen mit Fieber und Milchrückgang gefunden wurde. Im Winter 2011/2012 bemerkten Landwirte in ganz Europa Kälber und Lämmer mit verkrümmten Gliedmaßen und Hirnfehlbildungen — so wurde klar, wie gefährlich das Virus für trächtige Tiere ist.
Shamonda wurde 1965 erstmals bei Rindern in Nigeria isoliert. Seitdem fand man es bei Kühen in mehreren Ländern Afrikas sowie in Asien, unter anderem in Japan. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) veröffentlichte am 22. Oktober einen Überblick darüber, wie das Virus auf Tiere wirkt, und wies darauf hin, dass die volle Wirkung der in Europa zirkulierenden Varianten noch unklar ist.
Wie das Virus nach Europa kam
In Europa wurde das Shamonda-Virus erstmals Ende Juli 2026 gefunden, auch in Rinderbetrieben in Frankreich. Laut dem Bulletin des französischen nationalen Tiergesundheitsinstituts ist es inzwischen in 14 Ländern Westeuropas nachgewiesen — darunter Deutschland, Österreich, die Schweiz, die Niederlande, Belgien, Italien und Luxemburg. Am 23. Oktober meldete auch Tschechien den ersten Fall: Das Virus wurde bei einem abortierten Fötus in einem Rinderbetrieb in Südböhmen gefunden.
Wie genau das Virus nach Europa gelangt ist, steht noch nicht fest. Gnitzen können vom Wind über große Entfernungen getragen werden, und die Viren, die sie übertragen, verbreiten sich zusammen mit Vieh und Insekten.
Das Shamonda-Virus steht bisher weder auf nationalen Listen besonders gefährlicher Tierseuchen noch auf der Liste der EU. Bei einem Nachweis werden daher keine Notmaßnahmen wie Tötungen oder Sperrzonen angeordnet, und auf Veterinärbescheinigungen für den Tierexport hat es keinen Einfluss. Die Länder beschränken sich auf Überwachung: Tschechien etwa untersucht seit dem 1. Oktober auf Staatskosten abortierte Föten, Kälber mit Missbildungen, Totgeburten und lebensschwache Kälber auf das Virus.
Wie gefährlich das Virus für Tiere ist
Hauptwirte des Virus sind Rinder. Daneben infizieren sich nach Angaben der WOAH auch Pferde, Alpakas, Schafe und Ziegen.
- Rinder. Akuter Durchfall, Fieber, Mattigkeit und ein starker Rückgang der Milchleistung. In einer Studie an neun Milchviehbetrieben in Frankreich sank die Milchmenge in infizierten Herden um bis zu 75%. Bei trächtigen Kühen kann das Virus Aborte und Missbildungen bei Kälbern verursachen.
- Pferde. Der tschechische Veterinärdienst beschreibt bei Pferden Gehirnentzündungen und neurologische Störungen. Im Sommer wurden in Frankreich vereinzelte Infektionen bei Pferden und kleinen Wiederkäuern gefunden.
- Schafe, Ziegen, Alpakas sind ebenfalls empfänglich, über den Krankheitsverlauf bei ihnen ist aber noch wenig bekannt.
Einen zugelassenen Impfstoff gegen das Shamonda-Virus gibt es nicht.
Was Gnitzen sind
Gnitzen der Gattung Culicoides sind sehr kleine Mücken von 1–3 Millimetern Länge, kleiner als eine Stechmücke. Sie sind in der Dämmerung und am frühen Morgen aktiv, bei warmem, windstillem Wetter, und vermehren sich in feuchtem Boden, Mist und an Gewässern. Gnitzen übertragen mehrere wichtige Tierkrankheiten — etwa die Blauzungenkrankheit und das Schmallenberg-Virus. In Westeuropa sind sie vom Frühjahr bis in den Spätherbst aktiv, im Winter bei Kälte kommt ihre Aktivität fast zum Erliegen. Der Wind kann Gnitzen Dutzende und sogar Hunderte Kilometer weit tragen — genau so hat sich in früheren Jahren die Blauzungenkrankheit über Meere und Grenzen ausgebreitet.
Müssen sich Menschen Sorgen machen
Für die meisten Menschen besteht nach Einschätzung der Behörden kein Risiko. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Virus von Mensch zu Mensch, über Lebensmittel oder durch Kontakt mit Tieren übertragen wird. Fleisch und Milch aus Betrieben, in denen das Virus gefunden wurde, sind unbedenklich: Die Krankheit übertragen nur Gnitzen.
Vorsichtiger sollten Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sein — etwa nach einer Transplantation, während einer Chemotherapie oder unter Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken. Sie sollten mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem Arzt über Schutz vor Insektenstichen sprechen, besonders wenn sie auf dem Land in der Nähe von Höfen leben.
Für Wissenschaftler kommt der Fall nicht völlig überraschend. Zur selben Virusgruppe gehört das Oropouche-Virus, das ebenfalls von Gnitzen übertragen wird: In Süd- und Mittelamerika verursacht es seit Langem Fieber mit Kopf- und Muskelschmerzen beim Menschen, 2024 gab es dort einen großen Ausbruch, und einige Fälle wurden von Reisenden nach Europa eingeschleppt. Deshalb untersuchen französische Fachleute genau, ob Shamonda Menschen häufiger infizieren kann als angenommen.
So schützen Sie sich vor Gnitzenstichen
- Verwenden Sie Hautschutzmittel gegen Insekten, besonders abends und frühmorgens.
- Tragen Sie in der Dämmerung lange Ärmel und lange Hosen, wenn Sie in der Nähe von Höfen, Weiden und Gewässern sind.
- Gewöhnliche Mückennetze halten Gnitzen nicht auf — nötig ist ein Netz mit feineren Maschen.
- Gnitzen fliegen bei Wind schlecht, deshalb hilft im Haus ein Ventilator.
Was Pferde- und Rinderhalter tun sollten
- Besprechen Sie mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt, welche Insektenschutz- und Insektizidmittel für Ihre Tiere zugelassen sind.
- Pferde sollten in der Gnitzensaison in der Dämmerung und am frühen Morgen im Stall stehen; Decken und Fliegenmasken helfen zusätzlich.
- Entfernen Sie Mist und vermeiden Sie stehendes Wasser an Ställen und Koppeln.
- Planen Sie die Besamung der Kühe so, dass die empfindliche Phase der Trächtigkeit — etwa die 8. bis 14. Woche — nicht in die Gnitzensaison fällt.
- Rufen Sie bei Fieber, Milchrückgang, Aborten oder neurologischen Anzeichen die Tierarztpraxis: Nur eine Laboruntersuchung zeigt, ob es Shamonda, die Blauzungenkrankheit oder eine andere Erkrankung ist.
Und Hunde und Katzen?
Es gibt keine Daten darüber, dass das Shamonda-Virus bei Hunden und Katzen Krankheiten auslöst. Gnitzen stechen auch Haustiere, doch für sie sind die üblichen, von der Tierarztpraxis ausgewählten Mittel gegen Flöhe, Zecken und Mücken der wichtigste Insektenschutz. Besondere Maßnahmen müssen Hunde- und Katzenhalter derzeit nicht ergreifen. Wenn Sie in der Nähe eines Hofs wohnen, auf dem das Virus gefunden wurde, gehen Sie mit dem Hund wie gewohnt spazieren; sinnvoll ist nur, sich in der Dämmerung nicht lange an Misthaufen, feuchten Weiden und stehendem Wasser aufzuhalten, wo die meisten Gnitzen sind.
Wie es weitergeht
Die französischen Behörden setzen die Untersuchung und die Überwachung des Virus bei Tieren fort. Wissenschaftler untersuchen, wie gefährlich die europäischen Varianten für Rinder sind und wie fest sich das Virus in der Natur etabliert hat. Mit der Kälte geht die Aktivität der Gnitzen zurück, doch im Frühjahr kann das Virus zurückkehren — so war es bei der Blauzungenkrankheit und bei Schmallenberg. Wenn Sie Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde halten, verfolgen Sie die Meldungen des Veterinärdienstes Ihres Landes. Melden Sie der Tierärztin oder dem Tierarzt jeden Abort sowie Kälber, Lämmer und Zicklein mit Missbildungen, die im Winter und Frühjahr geboren werden: Genau an solchen Fällen erkannte man 2012, wie weit sich Schmallenberg ausgebreitet hatte.
Quellen
- Santé publique France, 23. Oktober 2026
- Französisches Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium, gemeinsame Erklärung (nach France 24), 22. Oktober 2026
- Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH), 22. Oktober 2026
- Staatliche Veterinärverwaltung Tschechiens, 23. Oktober 2026



