Inhalt des Artikels
- Was die Regierung entschieden hat
- Wie Flohmittel in die Flüsse gelangen
- Wozu diese Mittel überhaupt nötig sind
- Welche Mittel es gibt
- Was Forschende gefunden haben
- Was das Oberhaus vorgeschlagen hatte
- Warum die Regierung die 28 Tage ablehnt
- Was die Regierung angenommen hat
- Betrifft das auch andere Länder?
- Woran man Flöhe beim Tier erkennt
- Wie man den Hund auf Zecken absucht
- So behandeln Sie Ihr Tier, ohne Flüssen zu schaden
Was die Regierung entschieden hat
Am 26. Oktober antwortete das britische Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (Defra) auf einen Bericht des Oberhauses darüber, wie Antiparasitika für Haustiere Flüsse verschmutzen. Die meisten Empfehlungen nahm die Regierung an. Die wichtigste aber — behandelten Hunden das Baden in Flüssen und Seen nicht wie bisher vier Tage, sondern vier Wochen lang zu untersagen — lehnte sie ab.
Die Vorsitzende des Oberhausausschusses, Baroness Sheehan, nannte die Ablehnung enttäuschend. Der Ausschuss will das Thema in einer Debatte mit dem zuständigen Minister zur Sprache bringen.
Wie Flohmittel in die Flüsse gelangen
Viele Spot-on-Präparate und Halsbänder gegen Flöhe und Zecken enthalten Fipronil oder Imidacloprid. Das sind Insektizide, die auf das Nervensystem von Insekten wirken. In der Landwirtschaft der EU und Großbritanniens sind sie längst verboten oder stark eingeschränkt, weil sie Bienen und wirbellosen Wassertieren schaden — in Tierarzneimitteln für Hunde und Katzen aber werden sie weiter eingesetzt.
Vom Fell des Tieres gelangen diese Stoffe auf zwei Wegen ins Wasser: direkt, wenn der Hund in einem Fluss oder Teich schwimmt, und über das Abwasser — wenn der Hund gebadet, sein Liegeplatz gewaschen wird oder sich der Halter nach dem Streicheln die Hände wäscht. Kläranlagen halten diese Stoffe nur teilweise zurück.
University of Sussex und Imperial College London, 2024; Environment Agency, Proben 2016–2018
Wozu diese Mittel überhaupt nötig sind
Auf Parasitenschutz zu verzichten, ist keine gute Idee. Zecken übertragen für Hunde gefährliche Krankheiten — Babesiose und Borreliose (Lyme-Borreliose) —, und durch die Erwärmung wird ihre Saison in Europa länger. Flöhe verursachen eine schwere allergische Dermatitis und übertragen den Gurkenkernbandwurm und Bakterien, die auch Menschen anstecken können. In der britischen Debatte geht es deshalb nicht darum, Tiere nicht mehr zu behandeln, sondern darum, es vernünftig zu tun.
Welche Mittel es gibt
- Spot-on-Präparate — die häufigste Form. Der Wirkstoff verteilt sich über Haut und Fell, daher wird ein Teil beim Baden abgewaschen.
- Halsbänder geben den Wirkstoff allmählich über mehrere Monate ab.
- Tabletten wirken von innen und werden nicht vom Fell abgewaschen, haben aber eigene Einschränkungen und Gegenanzeigen.
- Shampoos und Sprays wirken kurz und eignen sich eher für eine einmalige Behandlung.
Welche Form für einen bestimmten Hund oder eine Katze passt, hängt von Alter, Gesundheit, Lebensweise und davon ab, gegen welche Parasiten Schutz nötig ist. Diese Entscheidung trifft man am besten gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Wichtig: Mittel für Hunde dürfen nicht bei Katzen angewendet werden. Manche Spot-ons für Hunde enthalten Permethrin — für Katzen ist es giftig und kann Krämpfe und den Tod verursachen. Leben Hund und Katze zusammen, besprechen Sie in der Tierarztpraxis, welches Mittel für beide sicher ist, und lassen Sie die Katze nicht eng an einem frisch behandelten Hund liegen.
Was Forschende gefunden haben
2024 untersuchten Forschende der University of Sussex und des Imperial College London, wie Präparate von Hunden ins Abwasser gelangen. Sie nahmen Proben von 98 Hunden, die mit Spot-ons mit Fipronil oder Imidacloprid behandelt worden waren, und von deren Haltern.
Beide Stoffe fanden sich in allen Spülproben. Am überraschendsten war der Beitrag der Hände der Halter: Spuren der Präparate ließen sich mindestens 28 Tage nach der Behandlung des Hundes an den Händen nachweisen — es genügt, das Tier zu streicheln und sich die Hände zu waschen. Am meisten wird auf einmal beim Baden des Hundes abgespült: Nach Schätzung der Autoren gelangen dabei etwa 5 % des aufgetragenen Imidacloprids und etwa 3 % des Fipronils ins Abwasser. Insgesamt verursachen Händewaschen, Baden und das Waschen des Liegeplatzes nach Schätzung der Forschenden 20 bis 40 % der Abwasserbelastung mit diesen Stoffen.
Was das Oberhaus vorgeschlagen hatte
Im August veröffentlichte der Umweltausschuss des Oberhauses den Bericht „Paws for Concern“ über Haustiere, Parasitenmittel und Verschmutzung mit acht Empfehlungen. Die Ausschussmitglieder hatten Aussagen gehört, wonach Spot-ons das Wasser bis zu 28 Tage nach dem Auftragen belasten können, und schlugen deshalb vor:
- das Badeverbot für behandelte Hunde von vier Tagen auf vier Wochen zu verlängern;
- Antiparasitika nur nach individueller Beratung zu verkaufen;
- Tierärzte und Verkaufspersonal besser zu schulen;
- neue Forschung zu finanzieren;
- die Umweltrisiken der Präparate strenger zu bewerten;
- anonymisierte Daten zu Verkauf und Anwendung zu veröffentlichen.
Warum die Regierung die 28 Tage ablehnt
Defra hält die Belege für ein solches Verbot bisher für unzureichend. Die Studien wurden an wenigen Tieren durchgeführt und beruhen auf Annahmen darüber, wie sich Hunde verhalten, wie Gewässer beschaffen sind und unter welchen Bedingungen Präparate angewendet werden — im echten Leben kann das anders aussehen. Nach Ansicht des Ministeriums müssen neue Beschränkungen auf einer geprüften wissenschaftlichen Methode der Risikobewertung beruhen.
Es gibt weitere Argumente. Ein zu langes Verbot könnte dem Tierwohl schaden: Manche Halter würden ihre Hunde gar nicht mehr behandeln oder weniger geeignete Mittel wählen. Zudem könnten neue Regeln dazu führen, dass in Großbritannien und Nordirland unterschiedliche Präparate verkauft würden.
Die derzeitigen Empfehlungen zusammen mit Aufklärung für Halter bleiben der verhältnismäßigste Ansatz, während wir neue Daten prüfen.
Defra, Antwort auf den Bericht des Oberhauses, 26. Oktober 2026
Was die Regierung angenommen hat
Die übrigen Vorschläge unterstützte das Ministerium: Schulung von Fachleuten, Forschungsförderung, strengere Umweltbewertung der Präparate und Veröffentlichung anonymisierter Daten zu Verkauf und Anwendung. Ob Antiparasitika nur nach tierärztlicher Beratung verkauft werden sollen, prüft derzeit die britische Tierarzneimittelbehörde (Veterinary Medicines Directorate), und Defra wollte ihrer Entscheidung nicht vorgreifen. Die Ergebnisse einer Konsultation vom Frühjahr sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.
Betrifft das auch andere Länder?
Dieselben Wirkstoffe stecken in Präparaten, die in ganz Europa verkauft werden, und Flüsse funktionieren überall gleich. Die britische Debatte ist eine der ersten, in der Behörden ernsthaft darüber sprechen, wie man Gewässer schützt, ohne Tiere ohne Schutz vor Flöhen und Zecken zu lassen. Auch in Deutschland hat das Umweltbundesamt auf Einträge von Tierarzneimitteln in Gewässer hingewiesen. Die Ergebnisse der britischen Debatte sollten Hunde- und Katzenhalter in jedem Land kennen.
Woran man Flöhe beim Tier erkennt
Flöhe sind schwer zu entdecken: Sie sind klein und verstecken sich schnell im Fell. Aufhorchen sollte man bei häufigem Kratzen, Knabbern an der Haut am Schwanzansatz, Rötungen und kahlen Stellen. Ein einfacher Test: Kämmen Sie das Fell über einem weißen, feuchten Blatt Papier aus. Bleiben schwarze Krümel zurück, die sich rotbraun verfärben, ist das Flohkot, also verdautes Blut. Bei Katzen sind Flöhe noch schwerer zu finden: Sie putzen sich gründlich und verschlucken die Insekten, deshalb sind manchmal reiskornähnliche Bandwurmglieder am Schwanz oder im Katzenklo das einzige Anzeichen.
Flöhe auf dem Tier sind nur ein Teil des Problems. Eier und Larven fallen aus dem Fell und entwickeln sich im Liegeplatz, in Teppichen und Bodenritzen. Deshalb sollte man neben der Behandlung des Tieres regelmäßig seine Schlafplätze absaugen und den Staubsaugerbeutel oder -behälter draußen entleeren.
Wie man den Hund auf Zecken absucht
Zecken sind im Frühjahr und Herbst besonders aktiv, in milden Wintern auch im Dezember. Suchen Sie den Hund nach Spaziergängen durch Gras, Gebüsch und Wald ab: Am häufigsten setzen sich Zecken an Kopf, Ohren, Hals, Achseln, Leiste und zwischen den Zehen fest. Entfernen Sie die Zecke mit einer Zeckenkarte, einem Haken oder einer Pinzette — langsam und gleichmäßig, ohne sie zu quetschen. Beträufeln Sie die Zecke nicht mit Öl und brennen Sie sie nicht ab: Das hilft nicht und kann schaden. Rötet sich die Bissstelle und wird der Hund einige Tage später matt, bekommt Fieber oder dunklen Urin, gehen Sie sofort in die Tierarztpraxis — so kann eine Babesiose beginnen.
So behandeln Sie Ihr Tier, ohne Flüssen zu schaden
Auf Parasitenschutz verzichten muss niemand: Flöhe und Zecken übertragen gefährliche Krankheiten, manche davon auch auf Menschen. Einiges können Halter aber selbst tun:
- Besprechen Sie das Vorgehen in der Tierarztpraxis. Viele tierärztliche Organisationen raten, nach dem tatsächlichen Risiko zu behandeln — je nach Jahreszeit, Lebensweise und Region — statt ganzjährig „sicherheitshalber“.
- Halten Sie die Frist aus der Packungsbeilage ein. Steht dort, der Hund solle nach der Behandlung einige Tage nicht gebadet werden und nicht ins Wasser, halten Sie sich daran.
- Baden Sie den Hund nicht direkt nach dem Spot-on, wenn es nicht nötig ist: Beim Baden wird am meisten Präparat abgewaschen.
- Berühren Sie die Auftragsstelle möglichst nicht und waschen Sie sich nach der Behandlung die Hände.
- Kombinieren Sie Mittel nicht doppelt. Spot-on, Halsband und Tablette gleichzeitig schützen nicht doppelt, belasten aber Tier und Wasser stärker. Die Dosis richtet sich nach dem Gewicht des Tieres.
- Gießen Sie Reste nicht in Spüle oder Toilette — entsorgen Sie Packungen so, wie es in der Packungsbeilage oder den Vorgaben Ihrer Gemeinde steht.
Die Entscheidung der britischen Regierung ist nicht endgültig: Die Prüfung neuer Daten geht weiter, und die Empfehlungen für Halter können sich ändern.
Quellen
- Defra, Antwort auf den Bericht des Oberhauses, 26. Oktober 2026
- Umweltausschuss des Oberhauses, Bericht „Paws for Concern“, August 2026
- University of Sussex und Imperial College London, Science of The Total Environment, 2024
- Umweltbehörde Englands (Environment Agency), Proben 2016–2018
- Vet Times, 26. Oktober 2026



