Inhalt des Artikels
- Vor dem Haushalt
- Was die RSPCA fordert
- Warum die RSPCA von einer Krise spricht
- Was „Futterbanken“ sind
- Die Tiere von Menschen, die Hilfe brauchen
- Was eine niedrigere Mehrwertsteuer ändern würde
- Was unabhängige Tierärzte wollen
- Um welche Untersuchung es geht
- Streit um die „strategischen Leitlinien“
- Wenn Sie sich den Tierarzt kaum leisten können
- Wie man Kosten senkt, ohne die Gesundheit des Tieres zu riskieren
- Wie es weitergeht
Vor dem Haushalt
Am 28. Oktober 2026 legt die britische Finanzministerin den Haushalt vor — das wichtigste Finanzdokument des Jahres. Im Vorfeld haben Tierschützer wie Tierärzte ihre Forderungen an die Regierung formuliert. Am 26. Oktober meldete sich die Königliche Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeit gegen Tiere (RSPCA) zu Wort, die größte Wohltätigkeitsorganisation des Landes auf diesem Gebiet. Eine Woche zuvor, am 19. Oktober, startete die Progressive Veterinary Association (PVA), die unabhängige Praxen vertritt, ihre Kampagne.
Für Tierhalter ist der Haushalt nicht weniger wichtig als für andere. Futter, Behandlung, Versicherung und Impfungen sind in den letzten Jahren deutlich teurer geworden, und die Einkommen vieler Familien halten mit den Preisen nicht Schritt. Wenn das Geld knapp wird, wird oft zuerst bei den Tieren gespart — der Tierarztbesuch wird aufgeschoben oder auf Vorsorge verzichtet.
RSPCA, Animal Welfare Evidence Centre, Vet Times; Oktober 2026
Was die RSPCA fordert
Die RSPCA möchte, dass der Haushalt Folgendes enthält:
- eine gezielte Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundfutter für Tiere und auf tierärztliche Versorgung;
- Unterstützung für „Futterbanken“ für Tiere, an die sich Halter wenden, denen das Geld fehlt;
- Geld für die Kommunen, damit sie ihre Pflichten beim Schutz der Tiere von Menschen erfüllen können, die Sozialleistungen beziehen;
- eine Überprüfung der Unterstützung für Wohltätigkeitsorganisationen, darunter eine mögliche Befreiung von der geplanten Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung.
Warum die RSPCA von einer Krise spricht
Nach einer neuen Schätzung des kürzlich gegründeten britischen Zentrums für Daten zum Tierwohl (Animal Welfare Evidence Centre) könnten gemeldete Fälle von Tierquälerei und Vernachlässigung die Wirtschaft des Landes fast 1 Milliarde Pfund pro Jahr kosten. Die Autoren warnen, dass die Zahl wahrscheinlich zu niedrig angesetzt ist. Dazu gehören die Arbeit von Behörden und Inspektoren, Unterbringung und Behandlung beschlagnahmter Tiere sowie Gerichtsverfahren.
Nach Ansicht der RSPCA beruhen viele Fälle von Vernachlässigung nicht auf böser Absicht, sondern darauf, dass den Haltern das Geld für Futter und Behandlung fehlt. Deshalb, so die Organisation, sei es billiger, früh zu helfen, als später Tiere zu retten.
Wir können uns nicht aus der Tierschutzkrise herausarbeiten, indem wir nur auf die Folgen reagieren. Diese Maßnahmen müssen in den kommenden Haushalt.
Thomas Schultz-Jagow, Geschäftsführer für Interessenvertretung und Prävention bei der RSPCA
Was „Futterbanken“ sind
„Futterbanken“ für Tiere funktionieren nach demselben Prinzip wie Tafeln für Menschen: Wohltätigkeitsorganisationen, Tierheime und Freiwillige sammeln Futter und geben es kostenlos an Halter in einer schwierigen Lage aus. Sie helfen, dass Menschen ihre Tiere nicht wegen vorübergehender Geldprobleme ins Tierheim geben müssen. Neben Futter gibt es bei manchen Futterbanken auch Katzenstreu, Flohmittel und andere notwendige Dinge. Von der nächstgelegenen Futterbank erfährt man im örtlichen Tierheim, in der Tierarztpraxis oder in Tierhilfegruppen in sozialen Netzwerken. Nach Ansicht der RSPCA ist staatliche Unterstützung solcher Futterbanken eine der günstigsten Möglichkeiten, Vernachlässigung zu verhindern. In Deutschland gibt es mit den Tiertafeln eine vergleichbare Einrichtung.
Die Tiere von Menschen, die Hilfe brauchen
Eine eigene Forderung betrifft die Kommunen. Kommt ein Mensch plötzlich ins Krankenhaus oder ins Pflegeheim, kann seine Katze oder sein Hund allein in der Wohnung zurückbleiben. Nach dem britischen Sozialhilfegesetz müssen die Kommunen in solchen Fällen angemessene Maßnahmen ergreifen, um das Eigentum der Person zu schützen — und Haustiere zählen dazu. Die RSPCA bittet darum, den Kommunen Geld zu geben, damit sie diese Pflicht erfüllen können, statt sie auf Wohltätigkeitsorganisationen abzuwälzen. In der Praxis kann das so aussehen: Nachbarn hören, wie ein Hund seit Tagen in der Wohnung eines älteren Menschen heult, der ins Krankenhaus gebracht wurde, und rufen bei der Kommune an. Die Kommune muss dafür sorgen, dass das Tier gefüttert und vorübergehend untergebracht wird, bis sein Mensch zurückkommt.
Was eine niedrigere Mehrwertsteuer ändern würde
Derzeit werden tierärztliche Leistungen und Tierfutter in Großbritannien mit dem Regelsatz von 20 % besteuert. Eine gezielte Steuersenkung auf Grundfutter und notwendige Behandlungen würde die Ausgaben der Halter direkt verringern. Über Steuersätze entscheidet die Regierung, und noch ist unklar, ob eine solche Maßnahme im Haushalt auftaucht.
Befürworter einer niedrigeren Mehrwertsteuer erinnern daran, dass die meisten Lebensmittel für Menschen in Großbritannien steuerfrei sind, Tierfutter aber nicht, obwohl es für viele Familien eine ebenso unvermeidliche Ausgabe ist. Gegner halten dagegen, dass eine Steuersenkung den Haushalt Geld kostet und nicht garantiert, dass Geschäfte und Praxen die Preise um den vollen Betrag senken. Deshalb spricht die RSPCA von einer gezielten Senkung — nur für Grundfutter und notwendige Behandlungen.
Was unabhängige Tierärzte wollen
Die Progressive Veterinary Association (PVA) setzt sich für eine Reform der Arbeitsweise der britischen Wettbewerbsbehörde (CMA) ein. Der Verband ruft unabhängige Tierärzte auf, zu berichten, wie sich die Veränderungen in der Branche auf sie und ihre Kunden auswirken, und veranstaltete am 20. Oktober ein kostenloses Webinar. Die PVA liegt mit der CMA wegen deren Untersuchung des Tierarztmarkts im Streit, und die Sache könnte vor Gericht gehen.
Die CMA hat keinen einzigen Punkt ihrer Entscheidungen genannt, der die Kosten unabhängiger Praxen senkt.
Iain McGill, Direktor der PVA
Nach Ansicht des Verbands helfen die Entscheidungen der Behörde kleinen Praxen nicht, im Wettbewerb zu bestehen, und senken die Rechnungen der Halter nicht. Der Verband meint, unabhängige Tierärzte müssten direkt erklären können, wie sich die Entscheidungen der CMA auf ihre Praxen auswirken — und sammelt solche Berichte, um sie an die Regierung weiterzugeben.
Um welche Untersuchung es geht
2024 leitete die CMA eine umfassende Untersuchung des Markts für tierärztliche Leistungen für Haustiere ein. Anlass waren Beschwerden von Haltern über steigende Preise und darüber, dass immer mehr Praxen großen Ketten gehören, während Halter oft weder die Preise vorab noch den Eigentümer ihrer Praxis kennen. Zu den Maßnahmen, die die Behörde vorschlug, gehören verpflichtende Preislisten, eine Obergrenze für Rezeptgebühren und klare Informationen darüber, zu welcher Kette eine Praxis gehört. Nach Einschätzung der CMA selbst stiegen die Preise für tierärztliche Leistungen 2016–2023 schneller als die Inflation, und der Anteil der Praxen in großen Ketten hat sich in zehn Jahren vervielfacht.
Unabhängige Tierärzte befürchten, dass neue Pflichten sie genauso belasten wie die großen Ketten — dabei hat eine kleine Praxis viel weniger Personal, um sie zu erfüllen.
Streit um die „strategischen Leitlinien“
Die PVA bittet die Regierung, die Leitlinien, die sie der CMA gegeben hat, erneut zu überprüfen: Der Verband meint, darin habe die Erreichbarkeit tierärztlicher Versorgung für die Menschen nicht an erster Stelle gestanden. Er möchte, dass eine solche Überprüfung im Haushalt angekündigt wird. Außerdem schlägt die PVA vor, ein Eingreifen der Regierung zu prüfen — nach dem Vorbild dessen, was kürzlich im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Übernahme des Senders ITV durch Sky diskutiert wurde.
Wenn Sie sich den Tierarzt kaum leisten können
Während die Politik streitet, gibt es für Halter, denen die Behandlungskosten schwerfallen, schon jetzt Hilfe:
- PDSA — ein gemeinnütziges Netz von Tierkliniken, das Tiere von Haltern mit niedrigem Einkommen kostenlos oder vergünstigt behandelt, sofern sie in ihrem Einzugsgebiet wohnen;
- Blue Cross und RSPCA — in vielen Regionen haben sie Kliniken oder Programme, die bei Behandlung und Kastration helfen;
- Dogs Trust hilft bei der tierärztlichen Versorgung von Hunden wohnungsloser Menschen;
- Cinnamon Trust unterstützt ältere und schwer kranke Halter: Freiwillige gehen mit ihren Hunden spazieren und helfen bei einem Krankenhausaufenthalt mit einer vorübergehenden Unterbringung;
- örtliche „Futterbanken“ — davon erfährt man im Tierheim, in der Tierarztpraxis oder bei der Kommune.
Wie man Kosten senkt, ohne die Gesundheit des Tieres zu riskieren
- Lassen Sie Impfungen, Parasitenbehandlungen und Vorsorgeuntersuchungen nicht ausfallen: Eine verschleppte Krankheit zu behandeln ist immer teurer.
- Bitten Sie vor der Behandlung um einen Kostenvoranschlag und fragen Sie nach günstigeren Möglichkeiten.
- Braucht Ihr Tier längerfristig ein Medikament, bitten Sie um ein schriftliches Rezept: In Großbritannien kann man das Medikament in einer anderen Apotheke kaufen, auch online — manchmal deutlich günstiger, selbst mit Rezeptgebühr.
- Fragen Sie nach Vorsorgeplänen mit monatlicher Zahlung: Viele Praxen schließen darin Impfungen, Parasitenbehandlungen und Untersuchungen ein.
- Vergleichen Sie Versicherungsbedingungen, bevor Ihr Tier krank wird: Nach einer Diagnose ist die Krankheit meist nicht mehr gedeckt.
- Geht Ihnen mitten in einer Behandlung das Geld aus, sagen Sie das der Tierärztin oder dem Tierarzt offen: Oft lässt sich eine Ratenzahlung oder eine andere Behandlungsoption vereinbaren.
Wie es weitergeht
Ob die Forderungen von RSPCA und PVA in den Haushalt einfließen, zeigt sich nach dem 28. Oktober. Selbst wenn es keine Steuererleichterungen gibt, ist die Debatte über die Kosten der Tierhaltung auf Regierungsebene angekommen. Was von den Vorschlägen umgesetzt wurde, wird aus den ausführlichen Unterlagen hervorgehen, die die Regierung zusammen mit dem Haushalt veröffentlicht. Für Halter in jedem Land gilt die wichtigste Lehre dieser Geschichte: Über das Geld für das Tier sollte man vorher nachdenken — vor der Krankheit, nicht erst im Behandlungsraum.
Quellen
- Vet Times, zur Erklärung der RSPCA, 26. Oktober 2026
- Vet Times, zur Kampagne der PVA, 19. Oktober 2026
- Animal Welfare Evidence Centre, Oktober 2026



