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Daten von Katzenhaltern aus der französischen Datenbank I-CAD in fremden Händen: was passiert ist und wie Sie nicht auf Betrüger hereinfallen

Über einen fremden Dienstzugang zur nationalen Registrierungsdatenbank für Hunde, Katzen und Frettchen hat eine unbefugte Person rund 2,9 Millionen Einträge zu Katzen und ihren Haltern eingesehen. Am 22. Oktober erklärte das französische Landwirtschaftsministerium, was genau abgeflossen ist und was nicht. Wir erklären, was das für Katzenhalter bedeutet, wie man betrügerische E-Mails und SMS erkennt und was jetzt zu tun ist.

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Katze beim Tierarzt, daneben Unterlagen und ein Chiplesegerät
Foto: Freepik
Inhalt des Artikels
  1. Was passiert ist
  2. Was der Hacker behauptete
  3. Was das Ministerium bestätigt hat
  4. Wessen Daten betroffen sind und wessen nicht
  5. Was I-CAD ist und wozu es dient
  6. Warum das für Katzenhalter gefährlich ist
  7. So erkennen Sie betrügerische E-Mails und SMS
  8. Was Katzenhalter jetzt tun sollten
  9. Wenn Sie den Betrügern schon geantwortet haben
  10. Was das Datenschutzrecht sagt
  11. Warum Sie nicht auf den Chip verzichten sollten
  12. Wie es weitergeht

Was passiert ist

Am 18. Oktober 2026 erschien in einem Forum für Cyberkriminelle eine Anzeige: Ein Hacker mit dem Pseudonym ChimeraZ bot Daten aus I-CAD zum Kauf an — der nationalen Datenbank, in der in Frankreich Hunde, Katzen und Frettchen registriert werden. Am 19. Oktober berichteten französische Medien darüber und beriefen sich auf die Website FrenchBreaches, die Datenlecks verfolgt.

Drei Tage später, am 22. Oktober, veröffentlichte das französische Landwirtschaftsministerium eine offizielle Stellungnahme. Es bestätigte den Vorfall, beschrieb ihn aber deutlich nüchterner als die ersten Berichte.

Das Wichtigste in ZahlenDatenleck bei I-CAD
rund 2,9 Mio.Einträge über einen fremden Zugang eingesehenSchätzung des Ministeriums
2 898 001Einträge zu Katzen zum Verkauf angebotennach Angaben des Hackers
19. OktoberDatenschutzbehörde CNIL informiertam selben Tag auch die Behörde ANSSI
0betroffene Einträge zu Hunden und Tierärztenlaut Ministerium

Französisches Landwirtschaftsministerium, I-CAD, Le Point Vétérinaire; Oktober 2026

Was der Hacker behauptete

Nach Angaben spezialisierter Websites behauptete der Hacker, fast 2,95 Millionen Datensätze zu besitzen: 2 898 001 Einträge zu Tieren und 50 629 Einträge zu Tierärzten. Analysten, die Stichproben erhielten, beschrieben die Tiereinträge so: Chipnummer, Name der Katze, Geburtsdatum, Geschlecht, ob sie kastriert ist, und der Name des Halters. Kontaktdaten der Halter — Adressen, Telefonnummern, E-Mail — enthielten die Stichproben nach ihren Angaben nicht. Darin waren Katzen, die vor Juli 2026 geboren wurden, sowie Vermerke über den Tod von Tieren bis zum 24. September 2026.

Die Einträge zu Tierärzten stammen nach Einschätzung derselben Analysten nicht aus I-CAD, sondern aus anderen Quellen.

Was das Ministerium bestätigt hat

Das Ministerium schilderte, wie es dazu kam. Die unbefugte Person nutzte ein Benutzerkonto, das dem LOOF ausgestellt worden war — dem offiziellen Abstammungsregister für Katzen in Frankreich. Der LOOF führt das Zuchtbuch für Rassekatzen und darf in I-CAD einen Teil der Daten einsehen, die für die Registrierung von Katzen nötig sind. Genau dieser Zugang wurde missbraucht: Darüber wurden Angaben zu Katzenhaltern abgerufen. Der LOOF ist eine Organisation von Züchtern und Liebhabern von Rassekatzen: Er führt Stammbäume, registriert Würfe und stellt Abstammungsnachweise aus und gleicht dafür Daten mit der nationalen Datenbank ab.

Der Betreiber der Datenbank, das Unternehmen Ingenium Animalis, erfuhr am 18. Oktober von dem Vorfall, sperrte den Zugang sofort, leitete eine Untersuchung ein und verschärfte die Kontrollen. Weitere Fälle unbefugten Zugriffs wurden laut Ministerium bisher nicht festgestellt.

Wessen Daten betroffen sind und wessen nicht

Laut Ministerium:

  • betroffen sind Vor- und Nachnamen von Katzenhaltern sowie die Kennzeichnungsdaten ihrer Tiere;
  • nicht betroffen sind Bankdaten, Passwörter, Postanschriften, E-Mail-Adressen und Telefonnummern;
  • nicht betroffen sind Daten von Hunde- und Frettchenhaltern;
  • kein Zugriff festgestellt wurde auf Daten von Tierärzten — entgegen ersten Medienberichten.

Es wurde kein Zugriff auf Daten festgestellt, die Tierärzte betreffen.

Französisches Landwirtschaftsministerium, 22. Oktober 2026

Was I-CAD ist und wozu es dient

I-CAD ist die nationale Kennzeichnungsdatei für Heimtiere in Frankreich. Im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums führt sie das Unternehmen Ingenium Animalis. In der Datenbank sind die Chip- oder Tätowierungsnummer eines Tieres und die Daten seines Halters verknüpft. Genutzt wird sie von Haltern, Tierärzten, Tierheimen, kommunalen Fundtierstellen und Fachleuten der Branche.

Die Hauptaufgabe der Datenbank ist, ein entlaufenes Tier nach Hause zu bringen: Über die Chipnummer findet eine Tierarztpraxis oder ein Tierheim schnell den Halter. Die Kennzeichnung ist in Frankreich für Hunde ab vier Monaten und für Katzen ab sieben Monaten Pflicht, deshalb enthält die Datenbank Millionen von Einträgen. Je mehr Daten sie enthält, desto attraktiver ist sie für Kriminelle.

Es ist nicht der erste Vorfall bei I-CAD. Im September 2025 meldete der Betreiber eine Schwachstelle, über die sich ein Teil der Einträge automatisiert abfragen ließ, und erklärte, sie behoben und die Überwachung des Systems verstärkt zu haben. Im August 2026 warnte I-CAD Halter vor betrügerischen Nachrichten mit ihren persönlichen Daten — womöglich im Zusammenhang mit dem Vorfall des Vorjahres. Einen Zusammenhang mit dem aktuellen Datenleck schließt der Betreiber nicht aus, auch wenn die Methoden unterschiedlich waren.

Warum das für Katzenhalter gefährlich ist

Der Name des Halters und der Name der Katze sind für sich genommen kein Geheimnis. Gefährlich ist, dass ein Betrüger, der weiß, wie Sie und Ihre Katze heißen, wann sie geboren wurde und welche Chipnummer sie hat, eine sehr überzeugende Nachricht schreiben kann. Solche Nachrichten wirken echt: Sie enthalten Ihren Namen, den Namen Ihres Tieres und einen Link zu einer „offiziellen“ Website.

Typische Betrugsmaschen:

  • „Die Registrierung des Chips muss dringend verlängert oder aktualisiert werden“ — mit Zahlung eines kleinen Betrags über einen Link;
  • „Für Ihr Tier wurde ein Bußgeld verhängt“ oder „Es fehlen Unterlagen“;
  • „Wir haben Ihre Katze gefunden“ — mit der Bitte, Transport oder Finderlohn zu bezahlen;
  • „Bestätigen Sie Ihre Kartendaten, um eine Rückerstattung zu erhalten“.

Das Ziel ist fast immer dasselbe: an Kartendaten zu kommen oder zu einer Überweisung zu bewegen.

Manchmal schreiben Betrüger nicht, sondern rufen an. Sie geben sich als Mitarbeitende des Registers, des Veterinäramts oder der Bank aus, nennen Ihren Namen und den Ihrer Katze, um Vertrauen zu wecken, und bitten, einen Code aus einer SMS oder Kartendaten durchzugeben. Die angezeigte Nummer kann echt aussehen — sie lässt sich leicht fälschen. Echte Mitarbeitende eines Registers oder einer Bank fragen nie nach SMS-Codes.

So erkennen Sie betrügerische E-Mails und SMS

  • Sie werden gedrängt: „dringend“, „heute letzter Tag“, „sonst Bußgeld“.
  • Sie sollen etwas über einen Link bezahlen oder Kartendaten senden.
  • Absenderadresse oder Link stimmen nicht mit der offiziellen Website überein, auch wenn nur ein Buchstabe abweicht.
  • Der Text enthält Fehler, seltsame Formulierungen, ungewohnte Gestaltung.
  • Die Nachricht kommt, obwohl Sie an der Registrierung Ihres Tieres nichts geändert haben.

Das Ministerium gibt drei einfache Ratschläge: E-Mails und SMS mit der Bitte um Zahlung oder persönliche Daten mit Vorsicht behandeln, die Absenderadresse prüfen und niemals Bankdaten auf eine ungeprüfte Anfrage hin senden.

Was Katzenhalter jetzt tun sollten

  1. Öffnen Sie das Register nur selbst — indem Sie die Adresse der offiziellen Website eintippen, nicht über einen Link aus einer E-Mail.
  2. Prüfen Sie Ihren Eintrag: Sind Telefonnummer und Adresse aktuell? Entläuft Ihre Katze, wird man Sie genau darüber finden.
  3. Rufen Sie nicht zurück, wenn die Nummer aus einer verdächtigen Nachricht stammt.
  4. Aktivieren Sie Benachrichtigungen Ihrer Bank zu jeder Kartenzahlung — so bemerken Sie eine fremde Zahlung sofort.
  5. Warnen Sie Angehörige, besonders ältere Verwandte, die ebenfalls Katzen haben.
  6. Veröffentlichen Sie in sozialen Netzwerken nicht die Chipnummer, Fotos des Heimtierausweises oder anderer Dokumente — das sind unnötige Hinweise für Betrüger.

Diese Regeln gelten nicht nur in Frankreich: Auch wer sein Tier in Deutschland bei einem Haustierregister eingetragen hat, sollte mit Nachrichten zu „Chip-Problemen“ genauso vorsichtig umgehen.

Wenn Sie den Betrügern schon geantwortet haben

Wenn Sie einem Link gefolgt sind und Kartendaten eingegeben haben, rufen Sie sofort Ihre Bank an und lassen Sie die Karte sperren — das ist das Wichtigste. Ändern Sie Passwörter, falls Sie sie auf einer verdächtigen Seite eingegeben haben. In Frankreich kann man Betrug bei Polizei oder Gendarmerie anzeigen und Phishing-Nachrichten an die staatliche Plattform gegen Cyberbedrohungen melden; in Deutschland ist die Polizei die richtige Anlaufstelle. Bewahren Sie Screenshots der E-Mails und SMS auf: Bank und Polizei werden sie brauchen. Wenn Sie jemandem einen SMS-Code genannt haben, sagen Sie das Ihrer Bank ausdrücklich: Mit einem solchen Code kann eine Zahlung bestätigt oder Ihre Karte mit einem fremden Telefon verknüpft werden.

Was das Datenschutzrecht sagt

Nach der Datenschutz-Grundverordnung der EU muss eine Organisation, bei der es ein Datenleck gab, dieses innerhalb von 72 Stunden der nationalen Aufsichtsbehörde melden. In Frankreich ist das die CNIL — der Betreiber von I-CAD hat sie am 19. Oktober informiert. Auch die nationale Cybersicherheitsbehörde ANSSI ist über den Vorfall unterrichtet. Entsteht durch das Leck ein hohes Risiko für die Betroffenen, müssen sie persönlich benachrichtigt werden. Die Aufsichtsbehörde kann prüfen, ob die Daten ausreichend geschützt sind, und einen besseren Schutz verlangen.

Warum Sie nicht auf den Chip verzichten sollten

Nach solchen Nachrichten fragen sich manche Halter: Braucht es überhaupt einen Chip? Ja. In Frankreich ist die Kennzeichnung von Hunden und Katzen gesetzlich vorgeschrieben, und ein Chip mit Eintrag in einem Register ist die beste Chance, ein Tier zurückzubekommen, wenn es entlaufen ist oder nach einem Unfall in eine Tierarztpraxis gebracht wurde. Das Leck betraf Daten, nicht die Chips selbst: Einen Chip umzuprogrammieren oder zu „stehlen“ ist unmöglich.

Ein Chip ist eine kleine Kapsel, so groß wie ein Reiskorn, die die Tierärztin oder der Tierarzt unter die Haut setzt. Er hat weder Batterie noch GPS: Er speichert nur eine 15-stellige Nummer, die ein Lesegerät aus wenigen Zentimetern Entfernung ausliest. Eine Katze auf der Straße über den Chip zu finden oder ihre Wege zu verfolgen, ist nicht möglich. Selbst wenn die Chipnummer in fremde Hände gelangt ist, gerät die Katze dadurch also nicht in Gefahr.

Wie es weitergeht

Die Untersuchung läuft weiter, und das Ministerium will informieren, falls weitere Fälle unbefugten Zugriffs gefunden werden. Katzenhalter in Frankreich sollten in den kommenden Monaten bei allen Nachrichten über „Probleme mit der Registrierung“ besonders aufmerksam sein — Betrüger nutzen solche Lecks oft nicht sofort, sondern erst später, wenn die Geschichte vergessen ist. Wer einen Hund und keine Katze hat, ist laut Ministerium nicht betroffen, doch die Vorsichtsregeln bei E-Mails und SMS gelten für alle Tierhalter gleichermaßen.

Quellen

  1. Französisches Landwirtschaftsministerium (nach La Dépêche Vétérinaire), 22. Oktober 2026
  2. franceinfo, 19. Oktober 2026
  3. Le Point Vétérinaire, 23. Oktober 2026
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