Krankheiten

Shamonda-Virus erreicht Tschechien: erster Fall bei Rindern in Südböhmen — wie sich die Krankheit zeigt und was Rinder- und Pferdehalter tun sollten

Am 23. Oktober meldete die tschechische Staatliche Veterinärverwaltung den ersten Fall des Shamonda-Virus im Land — nachgewiesen bei einem abortierten Fötus in einem Rinderbetrieb im Bezirk Tábor. Wir erklären, wie Tschechien nach dem Virus sucht, wie gefährlich es für Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen ist, warum es keine Quarantäne gibt und wie Landwirte und Tierhalter das Risiko senken können.

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Kuh mit Kalb auf einem Bauernhof
Foto: Freepik
Inhalt des Artikels
  1. Was im Bezirk Tábor gefunden wurde
  2. Wie Tschechien nach dem Virus sucht
  3. Wo das Virus bereits gefunden wurde
  4. Wie Rinder erkranken
  5. Warum die Trächtigkeit das größte Risiko ist
  6. Pferde, Schafe und Ziegen
  7. Wie man es von Blauzungenkrankheit und Schmallenberg unterscheidet
  8. Warum es keine Quarantäne gibt
  9. Was Landwirte tun sollten
  10. Der Zusammenhang mit dem Fall beim Menschen in Frankreich
  11. Für Pferdehalter und Hobbytierhalter
  12. Wie es weitergeht

Was im Bezirk Tábor gefunden wurde

Am 23. Oktober 2026 meldete die tschechische Staatliche Veterinärverwaltung (SVS) den ersten Fall des Shamonda-Virus im Land. Nachgewiesen wurde es bei einem abortierten Fötus in einem Rinderbetrieb im Bezirk Tábor in Südböhmen. Die Diagnose stellte das Staatliche Veterinärinstitut in Jihlava.

Die erwachsenen Kühe dieses Betriebs zeigten die für das Virus typischen Anzeichen: Einige Tage lang hatten sie Fieber, und die Milchleistung ging zurück. Für sich genommen lässt sich eine solche Episode leicht für eine gewöhnliche Unpässlichkeit der Herde halten — erst die Untersuchung des abortierten Fötus zeigte, worum es ging. Tschechien ist eines der letzten Länder der Region, das das Virus erreicht hat: In den Nachbarländern Deutschland und Österreich wurde es bereits im Sommer nachgewiesen.

Das Wichtigste in ZahlenShamonda-Virus in Tschechien
23. Oktobererster Fall in TschechienBezirk Tábor, Südböhmen
1. OktoberBeginn der Pflichtuntersuchungenauf Staatskosten
8.–14. Wocheempfindliche Phase der TrächtigkeitEmpfehlung der Veterinärverwaltung
0Impfstoffe gegen das VirusStand Oktober 2026

Staatliche Veterinärverwaltung der Tschechischen Republik, 23. Oktober 2026

Wie Tschechien nach dem Virus sucht

Seit dem 1. Oktober gilt in Tschechien ein verpflichtendes Überwachungsprogramm. Auf Staatskosten werden abortierte Rinderföten, Kälber mit Fehlbildungen sowie tot geborene und nicht lebensfähige Kälber auf das Shamonda-Virus untersucht. Die Veterinärverwaltung führte diese Untersuchungen Anfang Oktober ein, als klar wurde, wie schnell sich das Virus in Europa ausbreitet.

Zeigt ein erwachsenes Tier — Kuh, Pferd, Schaf oder Ziege — akute Krankheitszeichen, kann die Halterin oder der Halter es gemeinsam mit der eigenen Tierärztin oder dem eigenen Tierarzt ebenfalls in einem der staatlichen Veterinärinstitute untersuchen lassen. Diese Tests zahlt der Tierhalter jedoch selbst.

Warum gerade Föten und Kälber? Bei einer erwachsenen Kuh bleibt das Virus nur wenige Tage im Blut, und bis der Landwirt die Tierärztin oder den Tierarzt ruft, ist es oft nicht mehr nachweisbar. Im Gewebe des Fötus und des neugeborenen Kalbs bleiben die Spuren der Infektion dagegen länger erhalten. Ein abortierter Fötus ist daher der zuverlässigste Weg herauszufinden, ob das Virus im Betrieb war.

Wo das Virus bereits gefunden wurde

In Mitteleuropa tauchte das Shamonda-Virus im Sommer 2026 bei Rindern auf. Nach Angaben der tschechischen Veterinärverwaltung ist es bereits bestätigt:

  • in Deutschland — in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, im Saarland und in Sachsen;
  • in Österreich — in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark;
  • in der Schweiz, in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Italien und Luxemburg.

Insgesamt wurde das Virus laut dem Bulletin des französischen nationalen Tiergesundheitsinstituts bereits in 14 Ländern Westeuropas nachgewiesen. Erstmals isoliert wurde es 1965 bei Rindern in Nigeria, später fand man es in weiteren Ländern Afrikas und in Asien. Wie genau das Virus nach Europa gelangt ist, klären Forschende noch: Gnitzen können vom Wind über große Entfernungen verfrachtet werden.

Wie Rinder erkranken

Bei Kühen beginnt die Krankheit meist plötzlich: Die Temperatur steigt, das Tier frisst schlechter, es kann Durchfall auftreten, und die Milchleistung fällt deutlich. In einer Studie an neun Milchviehbetrieben in Frankreich sank die Milchleistung in infizierten Herden um bis zu 75 %. Nach einigen Tagen erholen sich die meisten erwachsenen Kühe, und die Herde kehrt zur Normalität zurück. Doch selbst eine so kurze Episode kommt den Betrieb teuer zu stehen: Milch geht verloren, Behandlung und zusätzliche Betreuung sind nötig, und bei einem Teil der Kühe treten später Fruchtbarkeitsprobleme auf.

Das Gefährlichste an dieser Krankheit ist deshalb nicht die akute Phase, sondern das, was mit trächtigen Kühen geschieht. Das Virus kann einen Abort auslösen und bei Kälbern, die dennoch geboren werden, Fehlbildungen verursachen.

Warum die Trächtigkeit das größte Risiko ist

Viren dieser Gruppe, zu der das Shamonda-Virus und das in Europa gut bekannte Schmallenberg-Virus gehören, sind gefährlich, weil sie über die Plazenta den Fötus erreichen. Infiziert sich eine Kuh in der frühen Trächtigkeit, schädigt das Virus das sich entwickelnde Nervensystem und die Muskulatur des Kalbs. Die Folgen sind Aborte, Totgeburten, Kälber mit verkrümmten Gelenken und Gliedmaßen, verkrümmter Wirbelsäule oder Fehlbildungen des Gehirns.

Als empfindlichste Phase bei Kühen nennt die tschechische Veterinärverwaltung etwa die 8. bis 14. Trächtigkeitswoche. Das Problem: Von der Infektion erfährt der Landwirt erst Monate später — wenn kranke Kälber zur Welt kommen. Deshalb ist die Überwachung von Aborten und Fehlbildungen so wichtig.

Pferde, Schafe und Ziegen

Das Virus befällt nicht nur Rinder. Bei Pferden sind laut der tschechischen Veterinärverwaltung Gehirnentzündungen und neurologische Störungen beschrieben: Das Tier kann schwanken, Bewegungen schlecht koordinieren und sich ungewöhnlich verhalten. Auch Schafe und Ziegen sind empfänglich, über den Krankheitsverlauf bei ihnen ist aber noch wenig bekannt. In Frankreich wurden in diesem Sommer vereinzelte Infektionen bei kleinen Wiederkäuern und Pferden festgestellt.

Neurologische Anzeichen bei einem Pferd sind immer ein Grund, sofort die Tierärztin oder den Tierarzt zu rufen. Ähnliche Symptome gibt es beim West-Nil-Fieber, das von Stechmücken übertragen wird, und bei anderen Krankheiten — unterscheiden lassen sie sich nur durch eine Laboruntersuchung. Untereinander stecken sich Pferde mit dem Shamonda-Virus nicht an: Es wird ausschließlich von Gnitzen übertragen.

Wie man es von Blauzungenkrankheit und Schmallenberg unterscheidet

Dieselben Gnitzen übertragen in Europa auch das Blauzungenvirus und das Schmallenberg-Virus, und die Anzeichen dieser Krankheiten überschneiden sich teilweise: Fieber, sinkende Milchleistung, Aborte. Bei der Blauzungenkrankheit kommen häufiger Schwellungen am Kopf, Geschwüre im Maul und Lahmheit vor, bei Schafen auch schwere Verläufe mit Todesfällen. Nach dem äußeren Bild lässt sich die Diagnose aber nicht stellen — dafür ist eine Laboruntersuchung nötig. Bei verdächtigen Anzeichen nimmt die Tierärztin oder der Tierarzt deshalb Proben und schickt sie ins Labor.

Warum es keine Quarantäne gibt

Nach geltendem tschechischem und EU-Recht gilt das Shamonda-Virus nicht als besonders gefährliche, meldepflichtige Tierseuche. Ein Land, in dem es auftritt, muss keine Sofortmaßnahmen ergreifen — keine Keulungen, keine Sperrzonen, keine Transportverbote. Auch auf Veterinärbescheinigungen für die Ausfuhr von Tieren hat das Vorkommen des Virus keinen Einfluss. Zum Vergleich: Bei der Blauzungenkrankheit, die auf der EU-Liste der Tierseuchen steht, werden um Ausbrüche Restriktionszonen eingerichtet, und der Transport von Tieren aus diesen Zonen erfordert Untersuchungen und Impfungen.

Harmlos ist die Krankheit deshalb nicht. Es gibt nur keinen Impfstoff gegen sie, und die Überträger — die Gnitzen — fliegen frei umher; eine Quarantäne würde sie nicht aufhalten. Die wichtigsten Maßnahmen sind daher Überwachung, Schutz der Tiere vor Stichen und eine durchdachte Planung der Besamung.

Was Landwirte tun sollten

Die tschechische Veterinärverwaltung empfiehlt:

  • empfängliche Tiere mit Repellentien und Insektiziden vor Gnitzen zu schützen, die für diese Tierarten zugelassen sind — bei der Auswahl hilft die Tierärztin oder der Tierarzt;
  • die Besamung so zu planen, dass die empfindliche Phase der Trächtigkeit nicht in die Flugzeit der Gnitzen fällt;
  • solange Tiere im Betrieb Krankheitszeichen zeigen, deren Verbringung und Verkauf einzuschränken;
  • jeden Abort, jede Totgeburt und jedes Kalb mit Fehlbildungen der Tierärztin oder dem Tierarzt zu melden — in Tschechien werden solche Fälle kostenlos untersucht.

Außerdem lohnt es sich, Brutplätze der Gnitzen zu reduzieren: Mist entfernen, stehendes Wasser und feuchte Einstreu rund um Ställe und Ausläufe vermeiden. Notieren Sie Besamungsdaten und alle Krankheitsfälle in der Herde: Kommen im Frühjahr Kälber mit Fehlbildungen zur Welt, helfen diese Aufzeichnungen der Tierärztin oder dem Tierarzt zu verstehen, wann die Infektion stattfand. In Deutschland ist für Fragen zur Überwachung das zuständige Veterinäramt die richtige Anlaufstelle.

Der Zusammenhang mit dem Fall beim Menschen in Frankreich

Fast zeitgleich, am 22. Oktober, meldete Frankreich den weltweit ersten Fall einer Infektion eines Menschen mit dem Shamonda-Virus — bei einem Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem, der verstorben ist. Die Behörden bezeichneten den Fall als Ausnahme und sehen kein Risiko für die Bevölkerung: Von Mensch zu Mensch wird das Virus nicht übertragen, über Milch und Fleisch ebenfalls nicht. Für Landwirte und Tierärzte gilt eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme: sich in der Dämmerung, wenn Gnitzen am aktivsten sind, vor Stichen zu schützen.

Für Pferdehalter und Hobbytierhalter

Das Virus betrifft nicht nur große Betriebe. Wenn Sie ein Pferd, ein paar Ziegen oder Schafe halten, gelten dieselben Regeln: In der Gnitzensaison die Tiere in der Abend- und Morgendämmerung unter Dach bringen, Decken, Fliegenmasken und Repellentien verwenden, die Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt empfiehlt, und bei Fieber, Koordinationsstörungen oder Aborten sofort tierärztliche Hilfe holen. Wenn Sie ein Tier kaufen oder verkaufen, fragen Sie nach, ob es im Betrieb Krankheitszeichen gab: Formale Beschränkungen gibt es nicht, aber ein krankes Tier sollte besser nicht transportiert werden. Für Hunde und Katzen gibt es keine Daten zu dieser Krankheit, besondere Maßnahmen sind für sie nicht nötig — der übliche Schutz vor Flöhen, Zecken und Mücken genügt.

Wie es weitergeht

Mit Beginn der kalten Jahreszeit werden Gnitzen fast inaktiv, und bis zum Frühjahr wird es nur wenige neue Infektionen geben. Die Folgen dieser Saison werden Landwirte aber erst später sehen: Kälber, die im Sommer und Frühherbst gezeugt wurden, kommen im Winter und Frühjahr zur Welt. Tierärzte bitten deshalb darum, die Abkalbungen aufmerksam zu verfolgen und jeden verdächtigen Fall zu melden. Im Frühjahr, mit der neuen Gnitzensaison, kann das Virus zurückkehren — so war es auch bei der Blauzungenkrankheit und bei Schmallenberg.

Die Erfahrung mit Schmallenberg gibt auch Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Nach der ersten Welle 2011–2012 waren die meisten durchgeseuchten Tiere immun, in den folgenden Jahren gab es deutlich weniger Fälle, und einige Jahre später kamen Impfstoffe auf den Markt. Wie sich das Shamonda-Virus verhalten wird, ist noch unbekannt — die Veterinärbehörden werden es deshalb auch im nächsten Jahr beobachten.

Quellen

  1. Staatliche Veterinärverwaltung der Tschechischen Republik (SVS), 23. Oktober 2026
  2. France 24, nach Angaben französischer Ministerien, 22. Oktober 2026