Inhalt des Artikels
- Was der Gemeinderat beschlossen hat
- Wen das betrifft
- Was Halter tun müssen
- Warum Städte solche Maßnahmen ergreifen
- Warum es in Deutschland kein einheitliches Gesetz gibt
- Was sich auf EU-Ebene ändert
- Was Kastration und Chip der Katze selbst bringen
- Wie Kastration und Genesung ablaufen
- Wenn Sie eine Katze draußen finden
- Was das kostet
- Häufige Fragen
- Was Katzenhalter in Stuttgart jetzt tun sollten
Was der Gemeinderat beschlossen hat
Am 22. Oktober hat der Stuttgarter Gemeinderat eine Katzenschutzverordnung beschlossen. Sie tritt am 1. März 2027 in Kraft. Ab diesem Tag müssen alle Katzen mit Freigang kastriert, mit einem Mikrochip gekennzeichnet und registriert sein.
Die Stadt rät Haltern selbst, nicht bis März zu warten und alles vorher zu erledigen. Tierschützer begrüßen die Entscheidung: PETA nannte sie am 23. Oktober einen wichtigen Schritt und forderte eine solche Regel für ganz Baden-Württemberg.
Stadt Stuttgart, 22. Oktober 2026
Wen das betrifft
Die Verordnung betrifft Katzen, die unbeaufsichtigt draußen unterwegs sind: Sie gehen raus, wann sie wollen, und können anderen Katzen begegnen. Reine Wohnungskatzen sind nicht betroffen. Die Stadt wendet sich aber an alle Halter, deren Katzen zumindest manchmal draußen sind: Auch solche Tiere sollten besser kastriert und registriert sein.
Für Halter reiner Wohnungskatzen ändert die Verordnung nichts. Tierärzte raten jedoch, auch solche Katzen chippen zu lassen: Sie fallen nicht selten aus dem Fenster oder schlüpfen zur Tür hinaus, und ohne Chip ist der Halter kaum zu finden.
Ausnahmen genehmigt das Ordnungsamt — etwa für Zuchtkatzen. In anderen deutschen Städten mit ähnlichen Verordnungen müssen Züchter ihre Katzen nicht kastrieren, die Pflicht zu Chip und Registrierung bleibt aber bestehen.
Was Halter tun müssen
- Kastration. Sie wird in der Tierarztpraxis durchgeführt. Kastriert werden muss in der Regel, bevor die Katze allein nach draußen geht — in Wiesbaden etwa ab dem fünften Lebensmonat. Das passende Alter und Verfahren besprechen Sie mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
- Mikrochip. Das ist eine kleine Kapsel unter der Haut mit einer eindeutigen Nummer. Das Chippen dauert wenige Sekunden und wird in der Praxis gemacht.
- Registrierung. Die Chipnummer muss in einem Haustierregister mit den Kontaktdaten des Halters eingetragen werden. In Deutschland nutzt man dafür meist die kostenlosen Register TASSO oder FINDEFIX; welches Register die Stadt akzeptiert, erfahren Sie beim Ordnungsamt.
Wird eine Katze ohne Halter gefunden, prüfen die städtischen Stellen, ob sie kastriert, gechippt und registriert ist. Wenn nicht, kann die Stadt den Halter verpflichten, das nachzuholen — bis hin zur Kastration eines nicht registrierten Tieres.
Warum Städte solche Maßnahmen ergreifen
Eine unkastrierte frei lebende Katze bekommt mehrmals im Jahr Junge, und ihr Nachwuchs vermehrt sich sehr schnell selbst. So entstehen Kolonien, in denen die Tiere hungern, krank werden und früh sterben. Stuttgart verweist auf eine eigene Datenauswertung: Es gibt in der Stadt viele frei lebende Katzen, sie sind oft krank und vermehren sich schnell.
Die Stadt nennt mehrere Ziele:
- Leid und Krankheiten frei lebender Katzen verringern;
- die unkontrollierte Vermehrung stoppen und die Zahl solcher Katzen langfristig senken;
- das städtische Tierheim und die Ehrenamtlichen entlasten, die Tiere einfangen, behandeln und vermitteln;
- entlaufene Katzen schneller zu ihren Haltern zurückbringen — über Chip und Registereintrag;
- die Kosten der Stadt für Unterbringung und Behandlung von Fundtieren senken.
Tierheime in ganz Deutschland arbeiten am Limit. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes ist fast die Hälfte der Tierheime im Land voll oder überfüllt. Im Sommer 2026 verklagte der Verband gemeinsam mit vier örtlichen Vereinen die Bundesregierung, weil der Haushalt kein Geld zur Unterstützung von Tierheimen vorsieht.
Warum es in Deutschland kein einheitliches Gesetz gibt
Ein bundesweites Gesetz zur Katzenkastration gibt es in Deutschland bisher nicht. Das Tierschutzgesetz erlaubt Ländern und Städten, solche Regeln selbst einzuführen, deshalb unterscheiden sie sich von Ort zu Ort:
- in Hamburg sind Kastration, Chip und Registrierung für Freigängerkatzen seit dem 1. Januar 2026 Pflicht;
- in Schleswig-Holstein gilt die Regel seit dem 1. Juli 2026 landesweit, mit einer Übergangsfrist von sechs Monaten;
- in Krefeld tritt sie im Mai 2027 in Kraft.
Im September 2026 schickten der Deutsche Tierschutzbund, alle seine Landesverbände und 775 weitere Organisationen der Bundesregierung einen Brief mit der Bitte um ein einheitliches Katzenkastrationsgesetz für ganz Deutschland.
Was sich auf EU-Ebene ändert
Im August 2026 wurde die erste EU-weite Verordnung über das Wohlergehen und die Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen veröffentlicht. Sie führt einheitliche Anforderungen für Züchter, Verkäufer, Tierheime und Online-Plattformen ein sowie die Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung der Tiere in nationalen Datenbanken. Die Anforderungen gelten schrittweise: für Züchter und Verkäufer ab 2030, für alle Hundehalter ab 2036, für alle Katzenhalter ab 2041. Länder und Städte dürfen auch strengere Regeln einführen — wie Stuttgart.
Was Kastration und Chip der Katze selbst bringen
Bei der Kastration geht es nicht nur um den Kampf gegen frei lebende Tiere. Kastrierte Kater und Katzen streunen seltener weit von zu Hause weg, raufen weniger und ziehen sich daher seltener Wunden und Infektionen zu, die über Bisse und Paarung übertragen werden. Bei Katzen, die jung kastriert wurden, ist das Risiko für Gesäugetumoren geringer. Und ein Mikrochip mit Registereintrag ist die beste Chance, eine Katze zurückzubekommen, wenn sie entlaufen ist oder angefahren in eine Praxis gebracht wurde.
Bei Katern löst die Kastration auch ein Alltagsproblem: Unkastrierte Kater markieren ihr Revier mit scharf riechendem Urin, auch in der Wohnung, und rufen laut nach Katzen. Nach der Kastration verschwinden diese Gewohnheiten bei den meisten Katern oder werden deutlich schwächer — besonders, wenn die Operation erfolgt, bevor das Markieren zur Gewohnheit geworden ist.
Wie Kastration und Genesung ablaufen
Die Kastration von Kater und Katze sind planbare Eingriffe unter Vollnarkose. Vorher untersucht die Tierärztin oder der Tierarzt das Tier und sagt, wie viele Stunden es nüchtern bleiben muss. Kater dürfen meist am selben Tag nach Hause und leben nach wenigen Tagen wie gewohnt. Bei der Katze ist der Eingriff aufwendiger, weil die Bauchhöhle geöffnet wird: Die Naht heilt etwa 10–14 Tage, und in dieser Zeit darf die Katze sie nicht belecken — dafür gibt es einen Schutzkragen oder einen Body.
In den ersten Tagen braucht die Katze einen ruhigen, warmen Platz, frisches Wasser und Ruhe; auf Schränke springen und nach draußen gehen ist noch zu früh. Ist die Naht gerötet, geschwollen oder nässt sie, frisst die Katze länger als einen Tag nicht oder wirkt sie matt, rufen Sie in der Praxis an.
Nach der Kastration verlangsamt sich der Stoffwechsel, und der Appetit steigt oft, deshalb nehmen kastrierte Katzen leicht zu. Die Tierarztpraxis berät, wie man das Futter anpasst, und viele Hersteller bieten Futter für kastrierte Tiere an.
Wenn Sie eine Katze draußen finden
Nicht jede Katze draußen ist herrenlos: Viele sind einfach unterwegs. Wirkt die Katze gepflegt, lassen Sie sie in Ruhe. Ist sie abgemagert, verletzt oder offensichtlich verirrt, bringen Sie sie in eine Tierarztpraxis oder ins Tierheim — dort wird der Chip mit einem Lesegerät geprüft, meist kostenlos. Über die Chipnummer in den Registern TASSO und FINDEFIX ist der Halter in wenigen Minuten gefunden. Hat die Katze keinen Chip, melden Sie den Fund dem örtlichen Tierschutzverein: Dort weiß man, was zu tun ist, und kann die Kastration einer frei lebenden Katze organisieren.
Was das kostet
Der Preis für Kastration und Chip hängt von der Praxis, dem Geschlecht der Katze und ihrem Gesundheitszustand ab. In Deutschland rechnen Tierärzte nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ab, die Mindest- und Höchstsätze vorgibt; den genauen Betrag erfragt man daher am besten vorab in der Praxis. Die Registrierung bei TASSO und FINDEFIX ist kostenlos.
Für frei lebende Katzen und für Halter mit geringem Einkommen bieten viele Tierschutzvereine und Tierheime regelmäßig vergünstigte Kastrationsaktionen an. Sind die Kosten für Sie schwer zu tragen, fragen Sie beim örtlichen Tierschutzverein nach, ob es gerade ein solches Programm gibt.
Häufige Fragen
Meine Katze ist nur im eingezäunten Garten. Ist das Freigang? Die Regel betrifft Katzen, die unbeaufsichtigt nach draußen gehen und anderen Katzen begegnen können. Wenn Sie unsicher sind, ob das auf Sie zutrifft, fragen Sie beim Ordnungsamt nach — oder lassen Sie die Katze einfach kastrieren und registrieren: Das ist in jedem Fall sinnvoll.
Meine Katze ist schon älter. Muss sie auch kastriert werden? Wenn sie unbeaufsichtigt draußen ist und nicht kastriert — ja. Alter und Gesundheit spielen für die Narkose eine Rolle, deshalb entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt nach einer Untersuchung, wie und wann operiert wird.
Meine Katze hat schon einen Chip. Muss ich noch etwas tun? Prüfen Sie, ob die Nummer in einem Register eingetragen ist und Ihre aktuelle Telefonnummer und Adresse stimmen. Ein Chip ohne Registrierung hilft kaum, den Halter zu finden.
Was Katzenhalter in Stuttgart jetzt tun sollten
- Vereinbaren Sie einen Termin in der Tierarztpraxis und besprechen Sie die Kastration, falls die Katze noch nicht kastriert ist.
- Prüfen Sie, ob Ihre Katze einen Chip hat — das geht in jeder Praxis mit einem Lesegerät.
- Registrieren Sie die Chipnummer und kontrollieren Sie, ob Ihre Kontaktdaten aktuell sind.
- Wenn Sie Katzen züchten, erkundigen Sie sich rechtzeitig beim Ordnungsamt, wie Sie eine Ausnahme erhalten.
Bis zum 1. März 2027 sind es noch über vier Monate, doch vor Fristen gibt es in den Praxen oft Wartezeiten — besser nicht aufschieben.
Quellen
- Stadt Stuttgart, Mitteilung zur Katzenschutzverordnung, 22. Oktober 2026
- PETA Deutschland, 23. Oktober 2026
- Landesregierung Schleswig-Holstein, 25. Juni 2026
- Deutscher Tierschutzbund, 2026
- Federation of Veterinarians of Europe (FVE) zur EU-Verordnung 2026/1818, August 2026



