Inhalt des Artikels
- Was in Australien geschieht
- Wo das Virus gefunden wurde
- Wie das Virus nach Australien kam
- Infektionen bei Säugetieren
- Kein Virus in den Betrieben
- Landwirtschaftsschauen und Geflügel
- „Meiden. Notieren. Melden“
- Warum so viele Meldungen bei der Hotline eingehen
- Was Katzen- und Hundehalter wissen sollten
- Was Hobbyhalter von Hühnern wissen sollten
- Was das für Europa bedeutet
- Wie es weitergeht
- Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Was in Australien geschieht
Bis 2026 waren Australien und Ozeanien die letzten bewohnten Weltregionen, die die aktuelle hochpathogene Geflügelpest H5 nicht erreicht hatte. Im Juni 2026 tauchte das Virus schließlich auf dem Festland auf und breitet sich seitdem unter Wildtieren entlang der Südküste aus.
Nach Angaben des australischen Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Forsten (DAFF) waren am 27. Oktober 2026 um 16 Uhr ostaustralischer Zeit 724 Ausbrüche der Geflügelpest H5 bei Wildtieren bestätigt. Bei der Hotline für gefährliche Tierseuchen gingen in diesem Zeitraum 70.231 Meldungen ein. Ein Ausbruch ist ein Fall, der ein oder mehrere Tiere betreffen kann; so zählt das Ministerium seit dem 12. August, als es zu viele Funde gab, um jeden Vogel einzeln zu melden.
DAFF
Wo das Virus gefunden wurde
Die meisten Ausbrüche gibt es in Südaustralien mit 336, an zweiter Stelle folgt Victoria mit 247. Danach kommen New South Wales (75), Tasmanien zusammen mit der subantarktischen Macquarie-Insel (53), Westaustralien (10), Queensland (2) und das Jervis-Bay-Territorium (1).
Die ersten Funde gab es im Süden und Westen, vor allem bei Seevögeln: Eilseeschwalben, Kormoranen, Möwen und Raubmöwen. Im August wurde das Virus erstmals in Tasmanien bestätigt, im September im Jervis-Bay-Territorium und am 16. Oktober auf der Macquarie-Insel, bei einem See-Elefanten und einer Dominikanermöwe.
Wie das Virus nach Australien kam
Fachleute hatten das Virus schon lange erwartet. Seit Anfang der 2020er-Jahre hat H5N1 fast die ganze Welt erfasst: Europa, Asien, Afrika, beide Amerikas und sogar die Antarktis. Australien war lange durch seine Abgeschiedenheit geschützt: Die meisten Zugvögel, die den Kontinent erreichen, kommen aus Asien über Routen, auf denen dieses Virus seltener vorkam. Die Gefahr kam von Süden, mit Seevögeln aus subantarktischen Gewässern und von Küsten, an denen das Virus bereits Massensterben verursacht hatte.
Deshalb gab es die ersten Funde in Australien nicht bei Enten und Gänsen wie in Europa, sondern bei Seevögeln an der Südküste: Seeschwalben, Raubmöwen und Möwen. Seevögel brüten in dichten Kolonien, und dort verbreitet sich das Virus besonders schnell.
Infektionen bei Säugetieren
Das wichtigste Warnsignal dieses Jahres sind Infektionen bei Säugetieren. Am 23. August wurde das Virus erstmals in Australien bei einem Säugetier gefunden, bei einem Neuseeländischen Seebären an der Küste Südaustraliens. Am 28. August folgte ein Rotfuchs in einem Vorort von Adelaide: der erste Fall bei einem Landsäugetier. Im Oktober wurde das Virus bei einem See-Elefanten auf der Macquarie-Insel bestätigt.
Der Nachweis bei einem Fuchs ist eine gute Erinnerung daran, dass Menschen und ihre Haustiere kranke oder tote Wildtiere meiden sollten.
Dr. Beth Cookson, oberste Veterinärin Australiens
Die oberste Veterinärin betont, dass es in Australien keine Hinweise auf eine Übertragung von Säugetier zu Säugetier gibt. Füchse und andere Raubtiere stecken sich nach Einschätzung des Ministeriums an, wenn sie Kadaver kranker Vögel fressen. Das Risiko für die menschliche Gesundheit bleibt gering.
Kein Virus in den Betrieben
Das Wichtigste für die australische Landwirtschaft: Nach Angaben des DAFF wurde die Geflügelpest H5 bisher weder bei Nutzgeflügel noch in der landwirtschaftlichen Produktion des Landes nachgewiesen. In New South Wales wird eigens betont, dass das Virus weder in gewerblichen Geflügelbeständen noch bei gehaltenen Vögeln gefunden wurde.
Das heißt nicht, dass es kein Risiko gibt: Je mehr Virus unter Wildvögeln zirkuliert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es eines Tages auch in einen Betrieb gelangt. Die australischen Behörden haben die Überwachung verstärkt und schnelle Einsatzteams gebildet, und in New South Wales arbeitet ein Koordinierungszentrum in der Stadt Orange. Das Ministerium warnt außerdem, dass sich die Kennzeichnung von Eiern und Fleisch aus Freilandhaltung ändern könnte, wenn das Geflügel zur Biosicherheit aufgestallt werden muss.
Landwirtschaftsschauen und Geflügel
Am 22. Oktober erklärte das Ministerium für Primärwirtschaft und regionale Entwicklung von New South Wales, wie es die Landwirtschaftsschauen unterstützt: traditionelle ländliche Messen, auf denen Vieh, Geflügel, Ernte und Eingemachtes gezeigt werden. Im Bundesstaat finden jedes Jahr mehr als 180 davon statt, mit mehr als einer Million Besuchern. Geflügelabteilungen sind ein wichtiger Teil vieler Schauen und zugleich ein Ort, an dem Vögel aus verschiedenen Haltungen zusammenkommen.
Das Ministerium arbeitet mit dem Verband AgShows NSW und der Country Women's Association zusammen: Es bietet Schulungen, Veranstaltungspläne, Plakate, Merkblätter und Ratschläge dazu, wie man Geflügel ausstellt, Krankheitsverdacht meldet und was bei toten Wildtieren zu tun ist.
Landwirtschaftsschauen sind ein wichtiger Teil des Lebens in den Regionen. Deshalb arbeiten wir eng mit den Veranstaltern zusammen, damit sie aktuelle Informationen haben und selbst entscheiden können, wie sie Geflügelhalter und Besucher am besten schützen.
Dr. Jo Coombe, Chief Veterinary Officer von New South Wales
Die Präsidentin von AgShows NSW, Jody Nelson-Gleeson, sagte, die schnellen Ratschläge des Ministeriums, ein eigenes Webinar und praktische Materialien hätten den Veranstaltern klare Vorgaben und Sicherheit gegeben.
„Meiden. Notieren. Melden“
Die wichtigste Regel für alle Australier ist das nationale Motto „Avoid. Record. Report.“:
- Meiden Sie direkten Kontakt mit kranken und toten Vögeln und anderen Wildtieren.
- Notieren Sie, was Sie gesehen haben: Ort, Zeit, Zahl der Tiere und wenn möglich ein Foto aus sicherer Entfernung.
- Melden Sie es der rund um die Uhr erreichbaren Hotline für gefährliche Tierseuchen oder über das Online-Formular.
Warum so viele Meldungen bei der Hotline eingehen
70.231 Meldungen sind nicht 70.000 Fälle von Geflügelpest. Die meisten Anrufe betreffen Vögel, die an anderen Ursachen gestorben sind: an Entkräftung, Stürmen, Verletzungen oder anderen Krankheiten. Doch genau diese Meldungen helfen den Tierärzten, die echten Ausbrüche schnell zu finden. Das Ministerium erklärt, dass es mit der Ausbreitung des Virus nicht mehr nötig ist, jedes Tier in Gebieten zu untersuchen, in denen das Virus sicher vorkommt; der Fokus verlagert sich auf neue Orte und neue Arten. Deshalb ist jede Meldung aus einem Gebiet, in dem das Virus noch nicht nachgewiesen wurde, besonders wertvoll.
Was Katzen- und Hundehalter wissen sollten
Das australische Ministerium erinnert Tierhalter eigens daran, dass das Virus nicht nur Vögel infizieren kann. Hunde sollten an der Küste und in Parks an der Leine bleiben, damit sie keine toten Vögel aufnehmen und nicht an Kadaver von Meerestieren am Strand gehen. Katzen sollten besser keine Vögel jagen, und rohes Geflügel gehört während der Ausbruchssaison nicht in den Napf. Hatte Ihr Tier Kontakt mit einem toten Vogel oder Tier und wird danach krank, informieren Sie Ihre Tierarztpraxis sofort über den Kontakt.
Was Hobbyhalter von Hühnern wissen sollten
Viele Australier halten Hühner im Garten. Ihnen wird dasselbe geraten wie Haltern in Europa: Geflügel unter einem Dach füttern und tränken, den Auslauf gegen Wildvögel sichern, Hausenten von Gewässern mit Wildenten fernhalten, vor dem Betreten des Stalls die Schuhe wechseln und plötzliche Todesfälle sofort melden. Für solche Halter gibt es in Australien sogar einen eigenen Newsletter mit Tipps zur Biosicherheit, Poultry Post.
Was das für Europa bedeutet
In Europa ist dieses Virus seit mehreren Jahren heimisch, und europäische Betriebe verlieren jedes Jahr Millionen Vögel. Australien erlebt jetzt, was Europa Anfang der 2020er-Jahre durchgemacht hat: Das Virus gelangt in die Wildtierwelt und beginnt, neue Arten zu infizieren. Doch Australien hat etwas, das Europa nicht hatte: einen im Voraus vorbereiteten Plan, ein einheitliches System zur Erfassung der Ausbrüche und eine landesweite Kampagne für die Bevölkerung, noch bevor das Virus ankam.
Für Europa sind die australischen Erfahrungen in zweierlei Hinsicht interessant. Erstens die Überwachung wild lebender Säugetiere wie Seebären, Robben und Füchse: Solche Fälle gibt es auch in Europa, und es ist wichtig, nicht zu übersehen, wenn das Virus beginnt, sich zwischen Säugetieren zu übertragen. Zweitens die Arbeit mit den Menschen: mit Hühnerhaltern, Schauveranstaltern und Hundebesitzern. Die einfache Regel „meiden, notieren, melden“ passt auch für die Küsten Europas, an denen im Herbst und Winter ebenfalls tote Vögel gefunden werden. In Deutschland meldet man tote Wildvögel dem örtlichen Veterinäramt.
Wie es weitergeht
Der Frühling auf der Südhalbkugel ist die Brutzeit der Seevögel. Die Kolonien werden dichter, und das Virus kann sich schneller ausbreiten. Deshalb rechnen die australischen Behörden in den kommenden Monaten mit neuen Ausbrüchen und setzen die Überwachung fort. Die wichtigste Aufgabe ist, das Virus von den Geflügelbetrieben fernzuhalten. Daten zu neuen Ausbrüchen veröffentlicht das Ministerium täglich. Die Saison der Landwirtschaftsschauen in New South Wales geht weiter, und das Ministerium verspricht, Veranstalter, Aussteller und Gemeinden die ganze Zeit zu unterstützen, mit neuen Ratschlägen, sobald sich die Lage ändert.
Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Hatte Ihre Katze oder Ihr Hund Kontakt mit einem toten Vogel oder dem Kadaver eines Wildtiers und wird danach matt, bekommt Fieber, Husten, Atemnot, einen unsicheren Gang oder Krämpfe, gehen Sie in die Tierarztpraxis und erwähnen Sie unbedingt den Kontakt. Sterben oder erkranken in Ihrer Haltung plötzlich Hühner, Enten oder andere Vögel, melden Sie das sofort Ihrer Tierärztin, Ihrem Tierarzt oder dem Veterinäramt.
Quellen
- Australisches Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Forsten (DAFF), H5-Daten, 27. Oktober 2026
- DAFF, Erklärungen der obersten Veterinärin Australiens, 16. Oktober 2026
- Ministerium für Primärwirtschaft und regionale Entwicklung von New South Wales (DPIRD), 22. Oktober 2026



