Inhalt des Artikels
- Was geschehen ist
- Wie viele Fälle es im Bundesstaat gibt
- Welche Regeln gelten
- Viehhandel über die Grenze
- Was das für ein Parasit ist
- Wie die USA die Fliege im vergangenen Jahrhundert loswurden
- Wie Sie einen Befall erkennen
- Warum die Fliege für Hunde und Katzen gefährlich ist
- Wie Sie Tiere auf dem Hof schützen
- Kann die Fliege auch Menschen befallen
- Was das für Europa bedeutet
- Wie es weitergeht
- Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Was geschehen ist
Am 27. Oktober 2026 wurden in New Mexico drei neue Fälle bekannt, bei denen Nutztiere von Larven der Neuwelt-Schraubenwurmfliege (New World screwworm) befallen waren. Die Larven dieses Parasiten fressen lebendes Gewebe. Die neuen Fälle wurden bei einem Kalb im Hidalgo County im Südwesten des Bundesstaats sowie bei einem Bullen und einem Schafbock im Doña Ana County im Süden nahe der Stadt Las Cruces gefunden.
Einer der Fälle im Doña Ana County wurde direkt auf dem Gelände der New Mexico State University (NMSU) in Las Cruces entdeckt. Die Behörden haben die Überwachung verstärkt, auf dem Campus und in der Umgebung Fliegenfallen aufgestellt und um die Fundorte Sperrzonen eingerichtet.
Searchlight New Mexico, New Mexico Livestock Board; 27. Oktober 2026
Wie viele Fälle es im Bundesstaat gibt
Laut dem Nachrichtenportal Searchlight New Mexico gibt es im Bundesstaat bereits acht Befälle, sechs davon stuft das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) als aktiv ein. Die Fliege, die in den USA jahrzehntelang als besiegt galt, überquerte im Juni die Grenze zu Mexiko. Seitdem wurde sie in Texas gefunden, und am 21. Oktober erstmals bei einem Wildtier in den USA.
Die Staatstierärztin von New Mexico, Samantha Holeck vom Livestock Board, erklärte, warum jeder Verdacht gemeldet werden muss:
Jeder bestätigte Fall hilft uns besser zu verstehen, wo die Neuwelt-Schraubenwurmfliege vorkommen könnte.
Samantha Holeck, Staatstierärztin, New Mexico Livestock Board
Welche Regeln gelten
Um jeden Fall richten die Behörden eine Befallszone mit einem Radius von mindestens 12,4 Meilen ein — das sind rund 20 Kilometer. In der Zone gelten strenge Regeln:
- Untersuchung vor dem Transport — Tiere dürfen nur nach einer Kontrolle auf Larven in die Zone gebracht oder aus ihr herausgebracht werden;
- Behandlung bei Bedarf — werden Wunden oder Larven gefunden, wird das Tier vor dem Transport behandelt;
- Überwachung und Fallen — Fachleute stellen Fliegenfallen auf, um zu verstehen, wie weit sich der Parasit ausgebreitet hat.
Die Karte der Zonen hat der Beratungsdienst der New Mexico State University erstellt, und neue Fälle in Gebieten, in denen die Fliege noch nicht vorkam, sollen sofort nach der Bestätigung bekannt gegeben werden.
Viehhandel über die Grenze
Die Fliege kam von Süden über Mexiko in die USA, wo sie in fünf nördlichen Bundesstaaten gefunden wurde — Sonora, Chihuahua, Coahuila, Nuevo León und Tamaulipas. Deshalb hatten die USA die Grenzübergänge für die Einfuhr von Vieh geschlossen. Nun öffnet das USDA sie schrittweise wieder, aber mit strengeren Kontrollen. Der Übergang Santa Teresa im Doña Ana County wurde im September mit verschärfter Untersuchung geöffnet, der Übergang Columbus im benachbarten Luna County am Montag, dem 26. Oktober.
Was das für ein Parasit ist
Die Neuwelt-Schraubenwurmfliege (Cochliomyia hominivorax) ist eine bläulich-grüne Fliege, etwas größer als eine Stubenfliege. Gefährlich ist nicht die Fliege selbst, sondern ihre Larven. Das Weibchen legt Hunderte Eier an die Ränder frischer Wunden, an den Nabel neugeborener Tiere oder in feuchte Hautfalten. Die schlüpfenden Larven fressen sich in das lebende Gewebe, die Wunde wird größer, beginnt zu eitern und unangenehm zu riechen — und das lockt weitere Fliegen an.
Ohne Behandlung kann ein Tier innerhalb von ein bis zwei Wochen sterben. Befallen werden Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde, Schweine, Wildtiere, aber auch Hunde und Katzen. Manchmal sind auch Menschen betroffen.
Wie die USA die Fliege im vergangenen Jahrhundert loswurden
Früher richtete die Schraubenwurmfliege in der Rinderhaltung im Süden der USA enorme Schäden an. Besiegt wurde sie auf ungewöhnliche Weise: In Fabriken wurden Millionen Fliegen gezüchtet, die Männchen durch Bestrahlung sterilisiert und aus Flugzeugen freigelassen. Das Weibchen paart sich nur einmal im Leben, und ist der Partner steril, gibt es keinen Nachwuchs. Innerhalb einiger Jahrzehnte wurden die Fliegen aus den USA, Mexiko und Mittelamerika verdrängt, und an der Grenze zwischen Panama und Kolumbien wurde eine „Barriere“ aus sterilen Fliegen aufrechterhalten.
In den letzten Jahren ist diese Barriere durchbrochen worden: Die Fliege rückte über Mittelamerika und Mexiko nach Norden vor und erreichte 2026 die USA. Jetzt bauen die Behörden die Produktion steriler Fliegen wieder aus.
Wie Sie einen Befall erkennen
Das Livestock Board und das Landwirtschaftsministerium von New Mexico bitten Tierhalter, auf Folgendes zu achten:
- Wunden, die nicht heilen oder mit der Zeit schlimmer werden;
- unangenehmer, fauliger Geruch aus der Wunde;
- Ausfluss aus der Wunde, manchmal blutig;
- Unruhe des Tieres — es schüttelt den Kopf, scheuert sich, leckt oder beißt an einer Stelle;
- sichtbare Larven — weiß, geringelt, tief in der Wunde sitzend.
Bei Verdacht auf einen Befall muss man sofort das New Mexico Livestock Board informieren und darf das Tier nicht transportieren.
Unser bestes Werkzeug zur Früherkennung sind unsere eigenen Augen.
Tom Paterson, Präsident des Viehzüchterverbands von New Mexico
Paterson rief die Bevölkerung auf, nicht nur auf Vieh zu achten, sondern auch auf Haustiere — und sogar auf Kinder.
Warum die Fliege für Hunde und Katzen gefährlich ist
Hunde und Katzen werden auf dieselbe Weise befallen wie Nutztiere: über Wunden, Kratzer nach Raufereien, Bisse, Operationsnähte und entzündete Haut. Besonders gefährdet sind streunende Tiere, ältere und wenig bewegliche Heimtiere mit möglichen Druckgeschwüren sowie Welpen und Kätzchen mit noch nicht verheiltem Nabel. In Gebieten mit der Fliege raten Tierärzte, jede Wunde bei Heimtieren sofort zu versorgen, abzudecken und täglich zu kontrollieren.
Wie Sie Tiere auf dem Hof schützen
Für Landwirte in Zonen mit der Fliege kommt es vor allem darauf an, ihr keine Stellen zur Eiablage zu bieten. Tierärzte raten in der Regel:
- die Tiere täglich kontrollieren, besonders neugeborene Kälber, Lämmer und Zicklein — ihr Nabel bleibt einige Tage eine offene Wunde;
- jede Wunde sofort versorgen, auch Kratzer von Stacheldraht und Zeckenbisse;
- geplante Eingriffe verschieben — Kastration, Enthornung, Kupieren — auf die kalte Jahreszeit, wenn es weniger Fliegen gibt;
- Mittel gegen Fliegen nach tierärztlicher Verordnung einsetzen;
- keine Tiere mit offenen Wunden transportieren und die Regeln der Zonen immer einhalten.
Kann die Fliege auch Menschen befallen
Ja, auch wenn das selten vorkommt. Die Weibchen legen ihre Eier auch in Wunden von Menschen, vor allem bei Menschen, die viel draußen sind, sowie bei älteren und geschwächten Personen. In den letzten Jahren wurden in den USA einzelne Fälle bei Menschen beschrieben, die aus Mittelamerika zurückkehrten. Deshalb raten die Gesundheitsbehörden in Gebieten mit der Fliege, eigene Wunden abzudecken und zum Arzt zu gehen, wenn eine Wunde nicht heilt und sich darin etwas zu bewegen scheint.
Was das für Europa bedeutet
In Europa gibt es die Neuwelt-Schraubenwurmfliege nicht, und für Tierhalter hier ist sie vorerst keine Gefahr. Einige Punkte sind dennoch wichtig.
Erstens Reisen. Menschen und Tiere, die aus Mittel- und Südamerika, Mexiko und nun auch aus dem Süden der USA zurückkehren, können Larven in Wunden mitbringen. Hat ein Hund nach einer solchen Reise eine Wunde mit Larven, sollten Sie die Tierärztin oder den Tierarzt sofort auf die Reise hinweisen: Die Larven werden für eine Untersuchung aufbewahrt, und die Praxis entscheidet, ob der Fund dem Veterinäramt gemeldet werden muss.
Zweitens die Einfuhr von Tieren. Tiere aus Amerika gelangen nur mit Veterinärzertifikaten und nach Kontrollen in die EU, und solche Parasiten sind in den Regeln berücksichtigt. Der aktuelle Ausbruch in den USA wird die Veterinärbehörden wahrscheinlich veranlassen, Tiere aus diesen Regionen genauer zu untersuchen.
Drittens gibt es in Europa eigene Fliegen, deren Larven sich in Wunden einnisten — zum Beispiel die Wohlfahrtsche Fliege, die im Süden und Osten Europas vorkommt und Schafe, Hunde und Menschen befällt. Deshalb gilt überall derselbe Rat: Jede Wunde bei einem Tier sollte im Sommer und Herbst sauber gehalten und regelmäßig kontrolliert werden.
Wie es weitergeht
Die Behörden in New Mexico stellen weiter Fallen auf, untersuchen Vieh und richten neue Zonen ein. Das USDA weitet die Freisetzung steriler Fliegen entlang der Grenze aus. Auf dem Campus der New Mexico State University, wo einer der Fälle gefunden wurde, und in seiner Umgebung untersuchen die Behörden des Bundesstaats weiterhin Tiere und kontrollieren Fliegenfallen. Viehhalter werden gebeten, verdächtige Wunden nicht zu verschweigen: Eine schnelle Meldung hilft nicht nur der eigenen Herde, sondern auch den Nachbarn, während eine Verzögerung eine neue Sperrzone für die ganze Gegend bedeuten kann. Tierärzte erwarten, dass die Aktivität der Fliegen mit der Abkühlung nachlässt, aber endgültig stoppen lässt sich der Parasit erst, wenn die sterilen Männchen die wilden verdrängt haben — und das wird Monate, wenn nicht Jahre dauern.
Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Hat Ihr Tier eine Wunde, die nicht heilt, unangenehm riecht, nässt oder in der Larven zu sehen sind, gehen Sie noch am selben Tag in die Tierarztpraxis. Versuchen Sie nicht, die Larven selbst zu entfernen, und verwenden Sie keine Mittel aus der Hausapotheke — so können Larven tiefer getrieben oder Gewebe verletzt werden: Die Tierärztin oder der Tierarzt reinigt die Wunde, verordnet die Behandlung und meldet den Fund bei Bedarf dem Veterinäramt.
Quellen
- Searchlight New Mexico, 27. Oktober 2026
- Source New Mexico, 27. Oktober 2026
- New Mexico Livestock Board (Viehbehörde von New Mexico), Erklärung, 27. Oktober 2026



