Inhalt des Artikels
- Was in Texas gefunden wurde
- Was für ein Parasit das ist
- Warum der Fund bei einem Wildtier so wichtig ist
- Wie der Parasit zurückkam
- Auch Hunde und Katzen gehören zur Risikogruppe
- Woran man einen Befall erkennt
- Wie behandelt wird
- Was Haltern in den USA geraten wird
- Was das für Europa bedeutet
- Ein ähnliches Problem in Europa — die sommerliche Myiasis
- Wie es weitergeht
Was in Texas gefunden wurde
Am 21. Oktober 2026 hat die Behörde für Tier- und Pflanzengesundheit des US-Landwirtschaftsministeriums (APHIS) den ersten Nachweis der Neuwelt-Schraubenwurmfliege bei einem Wildtier im Land bestätigt. Die Larven wurden bei einem Wapiti auf einer Jagdranch im Pecos County in Texas entdeckt. Das Tier hatte ein Jäger erlegt, der die Verletzung bemerkte und meldete. Genau solche Meldungen von Jägern, Landwirten und Tierhaltern sind für die Veterinärdienste der wichtigste Weg, den Parasiten in neuen Gebieten rechtzeitig zu erkennen.
Nach dem Fund wird die Tiergesundheitskommission von Texas die Grenzen der zuvor ausgerufenen Befallszone anpassen, und das Landwirtschaftsministerium sowie die Park- und Wildtierbehörde von Texas weiten die Überwachung der Wildtiere in der Region aus.
Frühe Meldungen gehören zu den wichtigsten Werkzeugen, die wir haben, um Wildtiere, Nutztiere und Haustiere in den USA zu schützen.
US-Behörde für Tier- und Pflanzengesundheit (APHIS)
USDA APHIS, dvm360; Oktober 2026
Was für ein Parasit das ist
Die Neuwelt-Schraubenwurmfliege (Cochliomyia hominivorax) ist mit gewöhnlichen Schmeißfliegen verwandt, hat aber eine gefährliche Besonderheit. Die meisten Fliegen legen ihre Eier auf totes Gewebe und verwesende Reste, das Weibchen dieser Art dagegen in frische Wunden und natürliche Körperöffnungen lebender Warmblüter: Nase, Maul, Ohren, Augen, Geschlechtsorgane. Schon ein kleiner Kratzer, ein Zeckenbiss, eine frische Operationsnaht oder der Nabel eines neugeborenen Kalbs können zur Eintrittsstelle werden. Ein Weibchen legt auf einmal Hunderte Eier, deshalb kann schon ein einziger Besuch einer Fliege an einer Wunde zu einem schweren Befall führen.
Nach wenigen Stunden schlüpfen die Larven und fressen sich in das lebende Gewebe, wobei sie die Wunde vergrößern. Im Englischen heißt der Parasit „Schraubenwurm“: Die Larven sehen aus wie kleine Schrauben und verankern sich fest im Gewebe. Der Geruch der Wunde lockt weitere Fliegen an, und der Befall wächst rasch. Nach Angaben von APHIS sterben befallene Tiere ohne Behandlung schnell.
Warum der Fund bei einem Wildtier so wichtig ist
Laut APHIS sind alle warmblütigen Wildtiere für den Parasiten empfänglich. Wildtiere legen weite Strecken zurück und überqueren Staatsgrenzen, deshalb können sie den Parasiten dorthin tragen, wo er noch nicht vorkommt. Die Überwachung der Wildtiere schützt also auch Nutztiere und Haustiere. Zudem sterben befallene und unbehandelte Tiere schnell, was die Bestände wildlebender Arten verringern kann.
Wie der Parasit zurückkam
Früher war die Neuwelt-Schraubenwurmfliege im Süden der USA verbreitet und richtete in der Viehzucht enorme Schäden an. Im 20. Jahrhundert wurde sie auf ungewöhnliche Weise besiegt: In speziellen Anlagen züchtete man Millionen Fliegen, sterilisierte die Männchen durch Bestrahlung und ließ sie frei. Weibchen, die sich mit sterilen Männchen paarten, legten unbefruchtete Eier, und der Bestand des Parasiten brach ein. 1966 erklärten sich die USA erstmals für frei von dieser Fliege, danach wurde sie auch aus Mexiko und Mittelamerika bis nach Panama verdrängt, wo viele Jahre eine „Barriere“ aus sterilen Fliegen aufrechterhalten wurde.
In den letzten Jahren ist der Parasit über Mittelamerika und Mexiko wieder nach Norden vorgedrungen und 2026 in den Süden der USA zurückgekehrt. Der letzte Ausbruch in den USA selbst war zuvor 2016 auf den Florida Keys, wo der Parasit kleine Hirsche befiel; auch er wurde mit sterilen Fliegen getilgt.
Die Rückkehr des Parasiten ist Amerika bereits teuer zu stehen gekommen. Seinetwegen haben die USA die Einfuhr lebender Rinder aus Mexiko ausgesetzt, und die Behörden beider Länder bauen die Produktion steriler Fliegen aus — ohne sie lässt sich die Ausbreitung praktisch nicht stoppen. Tierärzte erinnern daran, dass die Bekämpfung eine gemeinsame Aufgabe von Landwirten, Jägern, Tierhaltern und Tierärzten ist.
Auch Hunde und Katzen gehören zur Risikogruppe
Die Neuwelt-Schraubenwurmfliege befällt jeden Warmblüter, auch Hunde und Katzen. 2026 waren in Texas und New Mexico unter mehreren Dutzend bestätigten Fällen auch Hunde. US-Tierärzteverbände betonen, dass das Gesamtrisiko für die meisten Hunde gering bleibt, besonders fern der Südgrenze, doch ein Befall kann sehr schwer verlaufen und braucht sofortige Hilfe.
Am stärksten gefährdet sind Tiere mit offenen Wunden, frischen Operationsnähten, nässenden Hautstellen, Ausfluss aus Augen und Ohren sowie alte und bettlägerige Tiere, die Fliegen nicht selbst vertreiben können.
Auch Menschen können sich infizieren, wenn sie eine offene Wunde haben, doch solche Fälle sind selten. In den USA wurden in den letzten Jahren Einzelfälle beschrieben, die mit Reisen in Länder zusammenhingen, in denen der Parasit verbreitet ist. Tragen Sie deshalb bei der Versorgung eines befallenen Tieres Handschuhe und waschen Sie sich gründlich die Hände.
Woran man einen Befall erkennt
Aufmerksam werden sollten Sie bei:
- einer Wunde, die nicht heilt oder größer wird;
- einem unangenehmen, fauligen Geruch aus der Wunde;
- Larven, die in der Wunde oder in Körperöffnungen sichtbar sind;
- Ausfluss oder Blut aus der Wunde;
- Unruhe, wenn das Tier ständig eine Stelle beleckt oder reibt;
- Mattigkeit, Fieber, Appetit- und Gewichtsverlust.
Wenn Sie Larven in einer Wunde sehen, versuchen Sie nicht, sie selbst zu entfernen, sondern bringen Sie das Tier sofort in die Tierarztpraxis.
Wie behandelt wird
Die Behandlung übernimmt die Tierärztin oder der Tierarzt: Die Larven werden entfernt, die Wunde versorgt, und das Tier erhält Mittel, die verbliebene Larven abtöten, bei Bedarf auch Antibiotika und Schmerzmittel. In den USA sind für Hunde und Katzen — teils per Notfallzulassung — mehrere Mittel erlaubt, die Halter als Präparate gegen Flöhe und Zecken kennen, etwa auf Basis von Lotilaner und Afoxolaner. Die FDA hat für vier Präparate gegen diesen Parasiten Notfallzulassungen erteilt. Eingesetzt werden dürfen sie nur auf tierärztliche Verordnung. Nach der Behandlung wird die Wunde einige Tage lang in der Praxis kontrolliert: Es muss sicher sein, dass keine Larven zurückgeblieben sind und die Heilung begonnen hat. Solange die Wunde offen ist, sollte das Tier in einem Raum ohne Fliegen bleiben.
Was Haltern in den USA geraten wird
- Untersuchen Sie Ihr Tier täglich, besonders wenn es Wunden hat oder kürzlich operiert wurde.
- Versorgen und verbinden Sie Wunden, kontrollieren Sie Nähte nach einer Kastration und anderen Operationen.
- Lassen Sie Hunde mit Wunden in der warmen Jahreszeit, wenn Fliegen aktiv sind, nicht lange draußen.
- Gehen Sie bei nicht heilenden oder riechenden Wunden sofort zur Tierarztpraxis.
- Melden Sie verdächtige Verletzungen bei Wildtieren dem Veterinärdienst oder der Wildtierbehörde — in Texas ist das die Park- und Wildtierbehörde.
Was das für Europa bedeutet
In Europa gibt es die Neuwelt-Schraubenwurmfliege nicht. In warmen Regionen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens lebt ihre Verwandte, die Altwelt-Schraubenwurmfliege, die ebenfalls Wunden lebender Tiere befällt. Die europäischen Länder sind durch strenge veterinärrechtliche Einfuhrregeln für Tiere geschützt.
Europa hat auch eigene Erfahrung mit diesem Parasiten in seiner Nähe. 1988 wurde die Neuwelt-Schraubenwurmfliege versehentlich nach Libyen eingeschleppt und begann, sich in Nordafrika auszubreiten. Mit derselben Methode steriler Fliegen, die aus Mexiko eingeflogen wurden, gelang es, den Ausbruch bis 1991 zu tilgen. Diese Geschichte zeigte, wie schnell sich der Parasit in einer neuen Region mit passendem Klima festsetzen kann.
Für Haustierhalter in Europa ist etwas anderes wichtig. Wenn Sie mit Hund oder Katze nach Mexiko, Mittel- oder Südamerika oder in den Süden der USA gereist sind, kontrollieren Sie in den Wochen nach der Rückkehr alle Wunden genau und zeigen Sie verdächtige sofort in der Tierarztpraxis. Wenn Sie ein Tier von dort mitgebracht haben, sagen Sie der Praxis unbedingt, wo es war. Das gilt auch für Hunde, die aus Tierheimen und Tierschutzprojekten in Lateinamerika übernommen werden.
Ein ähnliches Problem in Europa — die sommerliche Myiasis
Auch wenn es die Neuwelt-Fliege in Europa nicht gibt, kennen europäische Tiere ein ähnliches Problem — die Myiasis oder „Fliegenmadenkrankheit“. Im Sommer legen gewöhnliche Schmeißfliegen ihre Eier in verschmutztes Fell und Wunden, und die Larven schädigen die Haut. Am häufigsten trifft es Kaninchen mit verschmutztem Fell unter dem Schwanz, Schafe sowie alte und bewegungsarme Hunde und Katzen mit Wunden oder Inkontinenz. Die Regeln sind dieselben: im Sommer die Tiere täglich kontrollieren, das Fell sauber halten und sofort die Tierarztpraxis aufsuchen, wenn Sie Larven sehen.
Wie es weitergeht
Die US-Behörden weiten die Überwachung der Wildtiere aus und bereiten weitere Maßnahmen gegen den Parasiten vor, darunter die Freilassung steriler Fliegen. Tierärzten werden Materialien für Jäger und Landbesitzer angeboten, wie man einen Befall erkennt und wo man ihn meldet. Für Hunde- und Katzenhalter in den USA gilt vor allem: auf jede Wunde achten. Europäer erinnert die Geschichte daran, warum Veterinärkontrollen an den Grenzen und Einfuhrregeln für Tiere so wichtig sind. Und noch eine einfache Regel, die in jedem Land hilft: Jede Wunde bei einem Haustier verdient Aufmerksamkeit, und eine, die nicht heilt und unangenehm riecht, einen schnellen Besuch in der Tierarztpraxis.
Quellen
- US-Behörde für Tier- und Pflanzengesundheit (APHIS), nach dvm360, 21.–23. Oktober 2026
- Federal Register der USA, Notfallzulassungen der FDA, 15. Oktober 2026
- American Kennel Club (AKC), 2026



