Inhalt des Artikels
- Was geschehen ist
- Wer Stax ist
- Die Flucht
- Warum ein Golfclub
- Warum sich das Team sorgte
- Wie er zurückkam
- Welche Gefahren einem entflogenen Vogel drohen
- Warum der Vogel seine Pflegerin erkannte
- Entflogene Vögel sind keine Seltenheit
- Was tun, wenn Ihr Vogel entflogen ist
- Wie Sie einen gefundenen Vogel einfangen
- So verhindern Sie, dass er entfliegt
- Wenn Sie einen fremden Vogel finden
- Ringe und Chips
- Sollten Flügel gestutzt werden
- Greifvögel und Falknerei
- Was das für Europa bedeutet
- Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Was geschehen ist
Am 31. Oktober 2026 erzählte der polnische Sender TVN24 unter Berufung auf den US-Sender KUTV die Geschichte des Wüstenbussards Stax. Der Vogel lebt im Zentrum der Organisation HawkWatch International in Salt Lake City (Bundesstaat Utah) und ist dort „Botschafter“ der Greifvögel: Er hilft dabei, Besuchern das Leben der gefiederten Jäger näherzubringen.
Am 29. Juni riss sich Stax bei der üblichen täglichen Pflege los und flog davon. Gefunden wurde er auf dem Gelände eines exklusiven Resorts mit Golfplätzen am Stadtrand, zurückgeholt werden konnte er aber erst nach 99 Tagen, am 6. Oktober.
TVN24, KUTV; 31. Oktober 2026
Wer Stax ist
Stax ist ein Wüstenbussard, ein mittelgroßer Greifvogel mit dunkelbraunem Gefieder, rotbraunen Schultern und weißer Schwanzwurzel. Er kam mit einer Verletzung ins Zentrum, die eine Rückkehr in die Natur unmöglich machte. Seitdem lebt er dort und nimmt an Bildungsprogrammen teil: Besucher sehen einen lebenden Greifvogel aus der Nähe und erfahren, warum solche Vögel geschützt werden müssen.
Die Flucht
Laut seiner Pflegerin Renata Vazquez war das Verschwinden von Stax für das Team ein echter Schock.
Es war furchtbar. Wir haben ihn jeden Tag gefüttert. Wir wussten nicht, wo er geblieben war.
Renata Vazquez, Pflegerin bei HawkWatch International
Wie sich zeigte, war der Bussard nicht weit geflogen: Er fand einen Platz auf dem Gelände eines exklusiven Golfresorts.
Warum ein Golfclub
Was der Bussard auf den Golfplätzen machte, ist nicht genau bekannt. Call Vandeveegaete, Pädagoge bei HawkWatch International, scherzte, Stax sei gekommen, um „sich die Golfbälle anzusehen“. Tatsächlich ziehen solche Orte Greifvögel an: Auf gepflegtem Rasen lassen sich Nagetiere und andere kleine Tiere leicht erkennen, und in der Nähe gibt es Bäume zum Ausruhen und Wasser.
Warum sich das Team sorgte
Obwohl Stax einen Platz zum Leben gefunden hatte, machte sich das Team große Sorgen. Der Winter rückte näher, und Wüstenbussarde brüten nicht in Utah: Es sind Vögel wärmerer, trockener Gebiete, vom Südwesten der USA bis nach Südamerika.
Sie überstehen den Winter nicht so gut wie andere Vögel. Ich machte mir auch Sorgen, ob er genug Futter findet.
Renata Vazquez, Pflegerin bei HawkWatch International
Ein Vogel, der lange in Gefangenschaft gelebt hat und noch dazu verletzt war, kommt mit Jagd und Kälte womöglich nicht zurecht.
Wie er zurückkam
Call Vandeveegaete stellte auf dem Resort Köderfallen und Wildkameras auf, um die Wege des Vogels zu verfolgen. So ließ sich erkennen, wo Stax sich aufhielt, und am 6. Oktober, nach 99 Tagen, wurde er gefangen.
Ich ging zu ihm, und er stieg sofort auf meinen Handschuh. Man sieht, dass er seine Bindung zu den Menschen nicht vergessen hat. Wie schön, dass er zurück ist.
Renata Vazquez, Pflegerin bei HawkWatch International
Welche Gefahren einem entflogenen Vogel drohen
Für einen Vogel, der bei Menschen aufgewachsen ist oder lange bei ihnen gelebt hat, steckt die Freiheit voller Gefahren. Er kann gegen Glas fliegen, von einem Auto erfasst werden, in Stromleitungen geraten oder von größeren Räubern wie Uhus erbeutet werden. Ein Vogel, den immer Menschen gefüttert haben, kann nicht immer jagen oder Futter finden und nimmt schnell ab. Zudem kann er sich bei Wildvögeln mit Parasiten und Infektionen anstecken. Die Suche sollte deshalb nicht aufgeschoben werden, auch wenn der Vogel stark und selbstständig wirkt.
Warum der Vogel seine Pflegerin erkannte
Greifvögel, die jahrelang in Gefangenschaft leben und trainiert werden, gewöhnen sich an ihre Pfleger, den Handschuh und die Fütterungsrituale. Die Bindung beruht auf Vertrauen und Futter: Der Vogel weiß, dass auf dem Handschuh Nahrung und Sicherheit warten. Deshalb kehrte Stax selbst nach drei Monaten in Freiheit sofort zu einem vertrauten Menschen zurück. Für das Team war das die Bestätigung, dass seine Arbeit mit dem Vogel richtig war. Ähnlich funktioniert das Training von Papageien: Ein Vogel, der gewohnt ist, auf der Hand ein Leckerli zu bekommen und auf die Stimme seines Halters zu reagieren, kommt eher von selbst zurück, wenn er doch entfliegt.
Entflogene Vögel sind keine Seltenheit
Am häufigsten entfliegen nicht Greifvögel, sondern Papageien: Wellensittiche, Nymphensittiche, Graupapageien, Aras. Ein offenes Fenster, eine offene Tür, ein Spaziergang auf der Schulter, und der Vogel fliegt in Panik davon. Viele Papageien orientieren sich schlecht an fremden Orten, finden kein Futter und Wasser, werden von Räubern erbeutet oder sterben an Kälte. Die Chancen stehen in den ersten Stunden und Tagen am besten.
Was tun, wenn Ihr Vogel entflogen ist
- Gehen Sie sofort nach draußen und versuchen Sie zu sehen, wohin er flog: Meist landet der Vogel in der Nähe.
- Rufen Sie mit vertrauter Stimme, nutzen Sie sein Lieblingsleckerli, das Rascheln der Futterdose oder Aufnahmen von Vogelstimmen.
- Stellen Sie den Käfig mit Futter und Wasser auf den Balkon, das Fensterbrett oder in den Hof.
- Sagen Sie den Nachbarn Bescheid und veröffentlichen Sie eine Anzeige mit Foto in lokalen Gruppen in sozialen Netzwerken.
- Informieren Sie Tierarztpraxen, Tierheime und Zoogeschäfte: Gefundene Vögel werden oft dorthin gebracht.
- Suchen Sie im Morgengrauen und am Abend: Dann sind Vögel aktiver und antworten häufiger.
Wie Sie einen gefundenen Vogel einfangen
Sitzt der Vogel hoch im Baum, versuchen Sie nicht gleich, zu ihm hinaufzuklettern, das kann ihn aufschrecken. Lassen Sie ihn ruhig werden, hungrig und durstig werden, bleiben Sie in der Nähe und rufen Sie. Viele Vögel kommen von selbst zum Halter oder Käfig herunter, wenn sie müde sind. Müssen Sie den Vogel bedecken, nehmen Sie ein leichtes Handtuch und handeln Sie ruhig, ohne hektische Bewegungen.
So verhindern Sie, dass er entfliegt
- Schließen Sie Fenster und Türen, wenn der Vogel durch die Wohnung fliegt, und montieren Sie Fliegengitter.
- Warnen Sie alle Mitbewohner und Gäste, dass im Zimmer ein Vogel frei fliegt.
- Tragen Sie den Vogel nicht auf der Schulter nach draußen: Auch ein zahmer Vogel kann erschrecken und wegfliegen.
- Nutzen Sie ein Vogelgeschirr oder eine Transportbox, wenn Sie mit dem Papagei rausgehen möchten.
- Gewöhnen Sie den Vogel an ein Rückrufsignal und daran, für ein Leckerli auf die Hand zu kommen.
- Prüfen Sie die Käfigtür: Viele Papageien können Riegel öffnen.
Wenn Sie einen fremden Vogel finden
Ist ein Papagei zu Ihnen geflogen oder sehen Sie draußen einen offensichtlich zahmen Vogel, versuchen Sie, ihn mit Futter und Wasser anzulocken und vorsichtig mit einem Handtuch einzufangen. Setzen Sie ihn in eine Schachtel mit Luftlöchern oder einen Käfig an einen warmen, ruhigen Ort und geben Sie Wasser und passendes Futter. Prüfen Sie, ob er einen Ring am Bein hat, fotografieren Sie ihn und melden Sie den Fund in lokalen Gruppen, Tierarztpraxen und Tierheimen. Einen Greifvogel sollten Sie besser nicht selbst fangen: Rufen Sie eine Wildtierhilfe an.
Ringe und Chips
Ein nummerierter Ring am Bein hilft zu beweisen, dass der Vogel Ihnen gehört, und den Halter zu finden, wenn Fremde ihn entdecken. Großen Papageien und Greifvögeln kann ein Mikrochip eingesetzt werden, das macht die Tierärztin oder der Tierarzt. Bewahren Sie gute Fotos des Vogels von verschiedenen Seiten auf und notieren Sie besondere Merkmale: Das hilft bei Anzeigen und dabei, den Finder zu überzeugen, dass es Ihr Vogel ist.
Sollten Flügel gestutzt werden
Das Stutzen der Schwungfedern nimmt dem Vogel vorübergehend die Fähigkeit, gut zu fliegen, und senkt das Risiko, dass er entfliegt. Die Methode hat aber Nachteile: Der Vogel kann unglücklich fallen und sich verletzen, verliert Bewegung und Training und hat manchmal Stress. Viele Tierärzte und Verhaltensfachleute raten statt des Stutzens zu Training und einem sicheren Zuhause. Entscheiden Sie das gemeinsam mit einer Praxis, die Vögel behandelt.
Greifvögel und Falknerei
Wüstenbussarde sind in der Falknerei sehr beliebt, auch in Europa: Sie sind klug, gesellig und gut trainierbar. Einen Greifvogel zu halten ist aber eine große Verantwortung. Er braucht eine geräumige Voliere, spezielles Futter, tägliches Training, einen erfahrenen Mentor und einen Tierarzt, der Greifvögel kennt. In Deutschland braucht man für die Falknerei einen Falknerjagdschein, und Greifvögel müssen gemeldet werden. Entflogene Vögel aus Falknereien leben manchmal jahrelang in Freiheit, doch viele sterben.
Was das für Europa bedeutet
In Europa halten Falkner, Greifvogelstationen und Zoos Wüstenbussarde, und Fluchten kommen auch hier von Zeit zu Zeit vor. Noch häufiger entfliegen Papageien. Die Geschichte von Stax erinnert daran, dass selbst erfahrene Fachleute vor einer Flucht nicht gefeit sind und dass Geduld, Futter, Beobachtung und eine starke Bindung zum Menschen helfen, den Vogel zurückzubekommen. Ist Ihr Vogel doch entflogen, handeln Sie sofort und binden Sie Nachbarn, Praxen und soziale Netzwerke ein.
Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Stellen Sie einen zurückgekehrten Vogel unbedingt in einer Praxis vor, die Vögel behandelt. Dort werden Gewicht, Federn und Beine geprüft und ob Verletzungen, Austrocknung, Parasiten oder Anzeichen von Infektionen aus der Freiheit vorliegen. Gehen Sie sofort hin, wenn Ihr Vogel matt ist, nicht frisst, schwer atmet, aufgeplustert sitzt oder sich sein Kot verändert hat.
Quellen
- TVN24 / TVN Meteo, 31. Oktober 2026



