Inhalt des Artikels
- Was geschehen ist
- Was Cambridge anbietet
- Was das für eine Krankheit ist
- Wie die Krankheit aussieht
- Warum Tierärzte ihn übersehen können
- Der Zusammenhang mit dem Hundeimport
- Wie die Diagnose gestellt wird
- Wie verbreitet der Tumor weltweit ist
- Die gute Nachricht: Der Tumor ist behandelbar
- Was Halter von Hunden aus dem Ausland wissen sollten
- Was Tierschutzorganisationen wissen sollten
- Was das für das übrige Europa bedeutet
- Ist der Tumor für Menschen und Katzen gefährlich
- Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Was geschehen ist
Die Universität Cambridge hat sich an britische Tierärzte gewandt: Ihre tiermedizinische Fakultät bittet über die Forschungsgruppe für übertragbare Tumoren (Transmissible Cancer Group), alle Verdachtsfälle des übertragbaren venerischen Tumors des Hundes zu melden — auf Englisch canine transmissible venereal tumour, kurz CTVT, im Deutschen auch Sticker-Sarkom genannt. Darüber berichtete am 27. Oktober 2026 die Fachzeitung Vet Times.
Anlass ist ein Anstieg der Fallzahlen. Eine aktuelle Fallbeschreibung bestätigte, dass der Tumor in Großbritannien wieder aktiv zwischen Hunden übertragen wird. Laut Vet Times ist das der erste solche bestätigte Fall seit 50 Jahren. Der Anstieg wird mit dem Import von Hunden aus Regionen in Verbindung gebracht, in denen die Krankheit noch weit verbreitet ist, vor allem aus Osteuropa.
Vet Times, Universität Cambridge; 27. Oktober 2026
Was Cambridge anbietet
Die Gruppe in Cambridge hat eine Pilotstudie gestartet. Britische Tierärzte können eine Probe eines verdächtigen Tumors kostenlos einschicken, und das Labor prüft sie per PCR — anhand von DNA, die nur in den Zellen dieses Tumors vorkommt. Die Forschenden versprechen ein endgültiges Ergebnis in einem für die Behandlung nützlichen Zeitraum, also schnell genug, damit die Tierärztin oder der Tierarzt rechtzeitig entscheiden kann.
Die Teilnahme der Tierärzte wird direkt dazu beitragen, die Übertragung von CTVT in Großbritannien besser zu verstehen.
Andrea Strakova, Wissenschaftlerin an der Universität Cambridge
Proben zur DNA-Gewinnung werden in jeder Form angenommen. Am besten eignet sich ein gefrorenes Tumorstück mindestens von der Größe einer großen Erbse oder ein erbsengroßes Stück in Formalin.
Was das für eine Krankheit ist
Der übertragbare venerische Tumor ist einer der wenigen bekannten ansteckenden Tumoren in der Natur. Gewöhnlicher Krebs entsteht aus den eigenen Zellen eines Tieres und ist nicht übertragbar. Bei CTVT ist es anders: Die Tumorzellen selbst gehen von einem Hund auf den anderen über und wachsen beim neuen Wirt an. Alle diese Tumoren weltweit stammen von den Zellen eines einzigen Hundes ab, der vor einigen Tausend Jahren lebte. Seitdem hat sich der Klon auf allen Kontinenten verbreitet.
Übertragen wird der Tumor vor allem beim Deckakt, deshalb wächst er meist an den Geschlechtsorganen. Seltener gelangen die Zellen an Nase, Maul, Haut oder um die Augen — wenn Hunde einander beschnüffeln und belecken.
Wie die Krankheit aussieht
Vet Times nennt Anzeichen, bei denen Tierärzte an CTVT denken sollten, besonders wenn der Hund in Regionen war, in denen die Krankheit verbreitet ist:
- blutiger Ausfluss aus den Geschlechtsorganen — bei Rüden aus der Vorhaut, bei Hündinnen aus der Scheide;
- knotige Wucherungen an den Geschlechtsorganen, die leicht bluten und bei Berührung zerfallen.
Seltener tritt der Tumor an der Nase (dann mit Nasenbluten und Niesen), im Maul oder an der Haut auf. Er kann blumenkohlartig aussehen, manchmal geschwürig werden und unangenehm riechen. Halter halten blutigen Ausfluss bei der Hündin nicht selten für die Läufigkeit und beim Rüden für eine Verletzung oder Entzündung.
Warum Tierärzte ihn übersehen können
Die Forschenden befürchten, dass viele britische Tierärzte diesen Tumor schlicht nicht erkennen: Jahrzehntelang kam er im Land kaum vor. Ohne Verdacht auf CTVT werden Wucherungen womöglich für andere Tumoren oder Entzündungen gehalten, und der Hund wird lange auf das Falsche behandelt. Genau deshalb bietet Cambridge den kostenlosen Test an: Er hilft, eine genaue Diagnose zu stellen, und zeigt den Forschenden zugleich, wie weit sich der Tumor verbreitet hat.
Der Zusammenhang mit dem Hundeimport
In Großbritannien und anderen Ländern Nord- und Westeuropas verschwand der übertragbare venerische Tumor fast, als es weniger streunende Hunde gab und die meisten Haushunde kastriert oder kontrolliert gehalten wurden. In Ländern mit vielen Straßenhunden, die sich frei paaren, ist die Krankheit aber bis heute verbreitet — in Süd- und Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika.
In den letzten Jahren wurden viele Hunde aus Tierheimen und von der Straße dieser Regionen nach Großbritannien und in andere EU-Länder gebracht. Die meisten sind gesund, aber manche können einen noch nicht sichtbaren Tumor in sich tragen. Ist ein solcher Hund nicht kastriert und paart er sich mit einheimischen Hunden, wird der Tumor weitergegeben — und genau das ist der Fallbeschreibung zufolge geschehen.
Wie die Diagnose gestellt wird
Bei einer verdächtigen Wucherung entnimmt die Tierärztin oder der Tierarzt meist zuerst mit einer feinen Nadel Zellen oder macht einen Abklatsch und betrachtet sie unter dem Mikroskop. CTVT-Zellen sind recht typisch: rund, mit durchsichtigen Bläschen im Inneren, und erfahrene Zytologen erkennen sie oft sofort. Ähnliche Zellen gibt es aber auch bei anderen Tumoren, etwa beim Lymphom oder beim Mastzelltumor. Endgültig bestätigt wird die Diagnose deshalb mit einer DNA-Analyse: CTVT-Zellen haben genetische Merkmale, die den eigenen Zellen des Hundes fehlen. Genau eine solche Analyse bietet das Labor in Cambridge an.
Eine genaue Diagnose ist nicht nur für die Behandlung wichtig. Sie hilft zu verstehen, woher der Tumor kam, und andere Hunde zu untersuchen, die mit dem erkrankten Tier Kontakt gehabt haben könnten.
Wie verbreitet der Tumor weltweit ist
CTVT kommt auf allen bewohnten Kontinenten vor. Die meisten Fälle gibt es dort, wo viele Straßen- und frei laufende Hunde leben — in Teilen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas sowie in Süd- und Osteuropa. Forschende in Cambridge sammeln seit Jahren Proben dieses Tumors aus aller Welt und rekonstruieren anhand seiner DNA, wie er mit Menschen und ihren Hunden gereist ist. Für die Wissenschaft ist CTVT ein einzigartiges Modell: Es hilft zu verstehen, wie Krebs das Immunsystem eines fremden Körpers umgehen kann.
Die gute Nachricht: Der Tumor ist behandelbar
Laut Vet Times gilt CTVT nach der Diagnose als gut behandelbar: Der Tumor spricht in der Regel auf eine Chemotherapie mit dem Wirkstoff Vincristin an. Die Behandlung besteht aus mehreren Gaben im Abstand, und bei den meisten Hunden verschwindet der Tumor vollständig. Schema und Dosierung legt ausschließlich die onkologisch tätige oder behandelnde Tierärztin bzw. der Tierarzt fest: Das Mittel ist giftig und erfordert Blutkontrollen.
In seltenen Fällen, in denen die Chemotherapie nicht wirkt, kommen andere Verfahren zum Einsatz. Eine Operation allein hilft oft nicht: Der Tumor kehrt zurück, wenn Zellen in der Wunde verbleiben.
Was Halter von Hunden aus dem Ausland wissen sollten
Stammt Ihr Hund aus einem Land mit vielen Straßenhunden, ist das kein Grund zur Sorge — aber ein Grund zur Aufmerksamkeit:
- Kontrollieren Sie die Geschlechtsorgane bei der normalen Pflege auf Knoten, Ausfluss und Blutungen.
- Verwechseln Sie Ausfluss nicht mit der Läufigkeit. Hat eine Hündin außerhalb der Läufigkeit oder zu lange blutigen Ausfluss, stellen Sie sie in der Tierarztpraxis vor.
- Sagen Sie der Tierarztpraxis, woher Ihr Hund kommt: Das hilft, Krankheiten rechtzeitig zu vermuten, die bei uns selten sind.
- Besprechen Sie eine Kastration — sie schützt vor CTVT und vor vielen anderen Problemen.
- Verhindern Sie ungewollte Deckakte, solange Sie nicht sicher sind, dass Ihr Hund gesund ist.
Was Tierschutzorganisationen wissen sollten
Organisationen, die Hunde aus dem Ausland vermitteln, können das Risiko senken, wenn der Hund vor der Abreise und nach der Ankunft tierärztlich untersucht und bei verdächtigen Wucherungen getestet wird. Eine Kastration vor der Vermittlung ist ein zusätzlicher Schutz. Das Projekt in Cambridge ist eine gute Gelegenheit, unklare Fälle kostenlos zu prüfen und gemeinsam mit den Forschenden zu verstehen, wie groß das Problem ist.
Wichtig ist auch, was nach der Ankunft geschieht. Neue Halter wissen oft nicht, worauf sie achten sollen, deshalb sollten Organisationen sie über die Anzeichen von CTVT und anderen bei uns seltenen Krankheiten informieren: dass blutiger Ausfluss beim Hund ein Grund ist, in die Tierarztpraxis zu gehen, und nicht abzuwarten, bis es „von allein vergeht“. Ein kurzes Merkblatt bei der Übergabe kann Monate falscher Behandlung ersparen.
Was das für das übrige Europa bedeutet
Die Frage betrifft nicht nur Großbritannien. Auch in EU-Länder werden viele Hunde aus Regionen gebracht, in denen der Tumor verbreitet ist, und im Norden und Westen Europas sehen Tierärzte ihn selten — können ihn also ebenfalls übersehen. Das britische Beispiel zeigt: Selbst eine längst „verschwundene“ Krankheit kann mit dem Transport von Tieren zurückkehren. Tierärzte in Deutschland, Frankreich, Skandinavien und anderen Ländern sollten an CTVT denken, wenn ein Hund mit blutigem Ausfluss und Wucherungen an den Geschlechtsorganen in die Praxis kommt, besonders wenn er aus dem Ausland stammt.
Ist der Tumor für Menschen und Katzen gefährlich
Nein. Der übertragbare venerische Tumor wird nur zwischen Hunden und anderen Hundeartigen übertragen. Menschen, Katzen und andere Haustiere stecken sich nicht an. Trotzdem sollten Sie bei der Pflege eines Hundes mit blutendem Tumor Handschuhe tragen und sich die Hände waschen — einfach aus hygienischen Gründen.
Wann Sie in die Tierarztpraxis gehen sollten
Stellen Sie Ihren Hund in der Tierarztpraxis vor, wenn er blutigen Ausfluss aus den Geschlechtsorganen, Knoten oder Wucherungen daran, Nasenbluten, unangenehmen Geruch oder neue Wucherungen an Haut und Schleimhäuten hat. Schieben Sie den Besuch besonders dann nicht auf, wenn der Hund aus einem anderen Land stammt oder Kontakt zu solchen Hunden gehabt haben könnte. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto einfacher und kürzer ist die Behandlung.
Quellen
- Vet Times, 27. Oktober 2026
- Transmissible Cancer Group, Universität Cambridge, 27. Oktober 2026



