Inhalt des Artikels
- Was in Malmö gefunden wurde
- Warum die Fachleute gelassen bleiben
- Was das für eine Mücke ist
- Welche Krankheiten sie überträgt
- Mücken kehren nach Europa zurück
- Wozu Schweden Vektoren überwacht
- Wie die Bevölkerung helfen kann
- Sind solche Mücken für Hunde und Katzen gefährlich?
- Wie man Dirofilariose beim Hund erkennt
- Wenn Sie mit Ihrem Hund in den Süden fahren
- Was Menschen auf Reisen wissen sollten
- Wie es weitergeht
Was in Malmö gefunden wurde
Am 20. Oktober 2026 meldete das schwedische nationale Veterinärinstitut (SVA) den ersten Fund der Mücke Aedes aegypti im Land, die auch Gelbfiebermücke genannt wird. Ein Weibchen ging in Malmö, im Süden Schwedens, in eine Mückenfalle. Die Falle stand im Rahmen eines neuen staatlichen Programms zur Überwachung von Vektoren — blutsaugenden Insekten und Zecken, die Krankheiten auf Tiere und Menschen übertragen können.
Uns sind keine früheren Einschleppungen dieser Art nach Schweden bekannt. Das war nicht die Art, die ich als nächste neue schwedische Mücke erwartet hätte.
Anders Lindström, wissenschaftlicher Mitarbeiter am SVA
SVA, VeterinärMagazinet; 20. Oktober 2026
Warum die Fachleute gelassen bleiben
Nach Einschätzung des SVA ist das Risiko einer Ausbreitung von Krankheiten in Schweden äußerst gering. Höchstwahrscheinlich wurde die Mücke zufällig eingeschleppt: Invasive Mücken reisen in Autos und Lastwagen, im Gepäck und mit importierten Pflanzen. Aedes aegypti ist sehr wärmeliebend und kann nach Ansicht von Fachleuten in Schwedens Breiten kaum überwintern.
Die Gelbfiebermücke ist eine wärmeliebende Art, die in unseren Breiten vermutlich nur schwer überwintern kann. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um eine Einschleppung, die sich nicht etablieren wird.
Anders Lindström, SVA
Die Forschenden schließen nicht aus, dass bei günstigem Wetter im Sommer vorübergehende Populationen entstehen, doch mit dem Winter würden sie wieder verschwinden. Um sicherzugehen, dass sich die Mücke nicht festgesetzt hat, wird das SVA in der nächsten Mückensaison die Überwachung rund um Malmö ausweiten.
Was das für eine Mücke ist
Aedes aegypti stammt aus Afrika, hat sich aber längst in den Tropen und Subtropen der ganzen Welt ausgebreitet. Zusammen mit der Asiatischen Tigermücke gilt sie als eine der invasivsten Stechmückenarten. Sie lebt gern in der Nähe von Menschen — in Städten und Dörfern —, sticht vor allem tagsüber und legt ihre Eier in kleine Wasserbehälter: Blumentöpfe und Untersetzer, Eimer, alte Reifen, Dachrinnen. Die Eier können an der Behälterwand monatelang Trockenheit überstehen und „erwachen“, sobald wieder Wasser hineinkommt — deshalb lassen sie sich so leicht mit Fracht verschleppen.
Äußerlich ist sie eine kleine dunkle Mücke mit weißen Streifen an den Beinen. Von der Tigermücke unterscheidet sie sich durch die Zeichnung auf dem Rücken: Die Gelbfiebermücke hat ein weißes, leierförmiges Muster, die Tigermücke einen einzelnen weißen Längsstreifen in der Mitte. Die genaue Art bestimmt aber nur eine Fachperson.
Welche Krankheiten sie überträgt
Aedes aegypti kann Dengue-, Chikungunya-, Zika- und Gelbfieberviren übertragen. Alle diese Krankheiten sind für Menschen gefährlich und in tropischen Ländern verbreitet. Damit die Mücke ein Virus weitergibt, muss sie zuerst einen infizierten Menschen stechen, und dann muss sich das Virus bei warmem Wetter in der Mücke selbst vermehren. In Schweden gibt es weder eine dauerhafte Population dieser Mücken noch die Bedingungen für eine solche Kette, deshalb hält das SVA das Risiko für äußerst gering.
Mücken kehren nach Europa zurück
Früher lebte die Gelbfiebermücke auch in Südeuropa, verschwand dort aber im 20. Jahrhundert. Jetzt kehrt sie zurück. Nach Angaben des SVA gibt es Populationen am Schwarzen Meer, auf Zypern und auf Madeira. In die Niederlande wird sie regelmäßig mit Frachtverkehr eingeschleppt. Und Anfang September 2026 wurden diese Mücken bei der Vermehrung in Wohnvierteln im Osten Londons gefunden, woraufhin die Überwachung dort verstärkt wurde. Der schwedische Fund hängt nach Einschätzung des SVA nicht mit dem Londoner zusammen.
Noch deutlicher breitet sich die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus aus. In den letzten Jahrzehnten hat sie sich in Italien, Frankreich, Spanien und anderen Ländern Südeuropas etabliert und dringt nach Norden vor — auch in Deutschland gibt es inzwischen Populationen. In heißen Sommermonaten gab es ihretwegen in Frankreich und Italien schon lokale Denguefälle — bei Menschen, die nicht verreist waren.
Wozu Schweden Vektoren überwacht
Früher wurden Mücken und Zecken in Schweden vor allem in einzelnen Forschungsprojekten untersucht. Jetzt hat das SVA den Auftrag, ein dauerhaftes nationales Überwachungssystem für Vektoren aufzubauen. Das Institut arbeitet dabei mit anderen Behörden zusammen, darunter der schwedischen Gesundheitsbehörde. Der Fund in Malmö zeigt, dass das System funktioniert: Die ungewöhnliche Mücke wurde sofort bemerkt und nicht erst nach einigen Jahren, wenn sie sich hätte vermehren können. Fallen für invasive Mücken stellt man meist dort auf, wo neue Arten mit Verkehr und Fracht ankommen können — an Häfen, großen Straßen und Logistikzentren. Malmö mit seinem Hafen und der Brücke nach Dänemark ist genau so ein Ort.
Wie die Bevölkerung helfen kann
Das SVA lädt die Bevölkerung ein, beim Projekt „Mückenkarte“ (Myggkartan) mitzumachen. Wer eine Mücke findet, die einer Gelbfieber- oder Tigermücke ähnelt, kann sie an das SVA schicken — Fachleute bestimmen die Art und melden das Ergebnis. Solche Funde helfen, neue Vektoren rechtzeitig zu erkennen. Die Mücke sollte möglichst unversehrt bleiben; wie man sie verpackt und verschickt, steht auf der Website des Projekts. In Deutschland gibt es mit dem „Mückenatlas“ ein ähnliches Mitmachprojekt.
Damit Mücken sich nicht vermehren, hilft im Sommer:
- im Garten und auf dem Balkon keine Behälter mit stehendem Wasser stehen lassen — Eimer, Gießkannen, alte Reifen, Spielzeug;
- einmal pro Woche das Wasser in Blumentopf-Untersetzern, Vogeltränken und Hundenäpfen im Freien wechseln;
- Regentonnen mit Deckel oder feinem Netz abdecken;
- Dachrinnen reinigen, damit sich darin kein Wasser staut.
Sind solche Mücken für Hunde und Katzen gefährlich?
Dengue-, Chikungunya-, Zika- und Gelbfieberviren sind für Menschen gefährlich, nicht für Hunde und Katzen. Mücken übertragen aber auch Krankheiten von Haustieren, und die wichtigste davon ist in Europa die Dirofilariose. Das sind parasitische Würmer, deren Larven eine Mücke beim Stich auf den Hund überträgt. Die Herzwurmform befällt Herz und Lungenarterien und kann zu schwerer Herzschwäche führen. Die Hautwurmform verursacht Knoten unter der Haut; sie kann auch auf Menschen übertragen werden. Auch Katzen können sich mit Herzwürmern infizieren, wenn auch seltener als Hunde.
Die Dirofilariose ist im Süden und Osten Europas verbreitet — in Italien, Spanien, Portugal, auf dem Balkan, in Ungarn — und rückt mit der Erwärmung allmählich nach Norden vor. Übertragen können sie verschiedene Mückenarten, darunter Aedes.
Wie man Dirofilariose beim Hund erkennt
Das Tückische an der Herzwurmerkrankung ist, dass sie sich in den ersten Monaten oder sogar Jahren kaum zeigt: Die Würmer wachsen langsam im Herzen und in den Lungengefäßen. Später bekommt der Hund Husten, besonders nach Belastung, ermüdet schnell beim Spaziergang, hat Atemnot und nimmt ab; in schweren Fällen kommen Ödeme und Ohnmachten hinzu. Die Hautwurmform zeigt sich als schmerzlose Knoten unter der Haut, die wandern können.
Die Tierärztin oder der Tierarzt findet die Parasiten über eine Blutuntersuchung. Vorbeugen ist viel einfacher als behandeln: Die Behandlung der Herzwurmform ist langwierig, erfordert strenge Ruhe und birgt selbst Risiken. Deshalb raten Tierärzte Hunden, die in Südeuropa unterwegs sind, zu einer Prophylaxe und einem jährlichen Bluttest.
Wenn Sie mit Ihrem Hund in den Süden fahren
Viele schwedische, finnische, deutsche und britische Halter nehmen ihren Hund mit in den Urlaub ans Mittelmeer. Vor einer solchen Reise lohnt sich ein Besuch in der Tierarztpraxis:
- besprechen Sie Mittel, die Stechmücken und Sandmücken abwehren — Halsbänder oder Spot-on-Präparate;
- fragen Sie nach einer Herzwurmprophylaxe: meist ein Präparat, das während der Reise und eine Zeit lang nach der Rückkehr gegeben wird;
- in südlichen Ländern schützt man Hunde auch vor Leishmaniose, die Sandmücken übertragen — ein weiterer Grund, rechtzeitig ein passendes Mittel zu wählen;
- halten Sie den Hund abends und nachts, wenn Mücken und Sandmücken am aktivsten sind, im Haus;
- erzählen Sie der Tierärztin oder dem Tierarzt nach der Rückkehr von der Reise — manche Krankheiten zeigen sich erst nach Monaten.
Wichtig: Insektenschutzmittel für Hunde dürfen ohne tierärztliche Verordnung nicht bei Katzen angewendet werden — manche davon sind für Katzen giftig.
Was Menschen auf Reisen wissen sollten
Für Reisende ändert der Fund in Malmö nichts, er erinnert aber an einfache Regeln in tropischen Ländern, wo diese Mücke häufig ist. Aedes aegypti sticht tagsüber, Mückenschutz braucht man also nicht nur abends. Helle Kleidung mit langen Ärmeln, Klimaanlage und Fliegengitter helfen. Für Reisen in manche Länder Afrikas und Südamerikas ist eine Gelbfieberimpfung nötig, manchmal auch ein Nachweis darüber an der Grenze — informieren Sie sich rechtzeitig bei Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in einer Impfstelle. Bekommen Sie nach einer Reise Fieber, sagen Sie unbedingt, wo Sie waren.
Wie es weitergeht
Im nächsten Jahr wird das SVA die Mücken in Malmö genauer beobachten, um eine Population auszuschließen. Die Menschen in Südschweden müssen nichts Besonderes tun: Das Krankheitsrisiko ist äußerst gering. Der Fund erinnert aber daran, dass tropische Mücken immer häufiger mit Menschen und Fracht reisen. Je früher man sie bemerkt, desto leichter lässt sich verhindern, dass sie sich festsetzen. Hundehalter sollten an Mücken nicht nur im Urlaub denken: Den Insektenschutz für das Tier bespricht man am besten im Frühjahr mit der Tierarztpraxis, vor Beginn der Saison.
Quellen
- Schwedisches nationales Veterinärinstitut (SVA), 20. Oktober 2026
- VeterinärMagazinet, 20. Oktober 2026



